Kristina Schröder: Mama, Ministerin, Machtspiele

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Kristina Schröder meldet sich aus der Babypause zurück und gerät prompt in den Fokus. Die Familienministerin muss sich Fragen gefallen lassen, ob und wie sie Vollzeit-Job und Kind miteinander verbinden wird. Politischer Ärger erwartet sie beim Thema Elterngeld - mit den eigenen Parteifreunden.

Kristina Schröder: Ministerin und Mutter Fotos
REUTERS

Berlin - Da ist sie wieder: Im schwarzen Hosenanzug, mit weißer Bluse, ordentlich gescheitelt, schlank und mit etwas Rouge im blassen Gesicht tritt die Familienministerin am Mittwoch vor die Bundespressekonferenz. Sie lächelt, sieht aber auch ein wenig müde aus.

Kristina Schröder hat vor zehn Wochen ein Kind, ihre Tochter Lotte Marie, zur Welt gebracht - in ihrer Amtszeit als Ministerin, was eine Premiere in der Geschichte der Bundesrepublik war. Schon die Verkündung der Schwangerschaft sorgte für Aufregung. Die große Frage lautet nun: Wie würde Schröder den Spagat zwischen Rund-um-die-Uhr-Job und Kind schaffen? Und wie findet das eigentlich ihre eigene Partei, die CDU?

Es ist ein bisschen paradox: Als sie noch kein Kind hatte, wurde ihr vorgehalten, sie könne sich nicht in die Themen, in die Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwa, einfühlen. Jedenfalls nicht so, wie ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen (CDU), siebenfache Mutter. Das hat Schröder genervt.

Und jetzt, wo das Kind da ist, warten alle darauf, dass die Ministerin verkündet, wie sie es macht mit der Familienorganisationen, dass sie ein Zeichen dafür setzt, welches Modell sie leben wird. Es lasten große Erwartungen auf der Ministerin.

"Wir wollen unsere Familie nicht ins Schaufenster stellen"

An ihrem ersten Arbeitstag am vergangenen Montag brachte Schröder ihre Tochter Lotte Marie zwar mit ins Ministerium. Fotos von dem Baby konnten aber nicht gemacht werden. Insgesamt gibt es kaum Aufnahmen der Familie, Schröder hat sich und der Öffentlichkeit eine strikte Vorgabe auferlegt: Sie will nicht wie von der Leyen Familienfotos präsentieren.

Kristina Schröder weiß aber auch, dass der Grat zwischen Verschlossenheit und Show ein schmaler ist und geht deshalb in der Bundespressekonferenz in die Offensive. "Mein Mann und ich sind der Überzeugung, dass das Privatleben so heißt, weil es eben privat ist. Wir wollen unsere Familie nicht ins Schaufenster stellen, sie aber auch nicht verstecken. Wir organisieren das Familienleben gemeinsam und bekommen dabei Unterstützung von der Familie. Aber wer genau was macht, gehört nicht in die Öffentlichkeit", sagt Schröder. Es sei keine politische Leistung, eine Familie zu gründen.

Ob Sie denn auch Kritik fürchte, weil sie so schnell in den Beruf zurückgekehrt sei? Damit werde sie gut umgehen können, antwortet Schröder. Ob sie denn schon auf der Suche nach einem Kitaplatz sei? "Die Dinge aus dem Leben meiner Tochter Lotte, die Sie wissen müssen, werden Sie erfahren." Ob sie denn mit mangelnder Solidarität zu kämpfen hatte in ihrer Abwesenheit? "Ich habe nicht den Eindruck, dass meine Abwesenheit in meinem Ministerium auf irgendeine Art negativ ausgenutzt wurde", sagt Schröder.

Schröder kündigt neues Konzept fürs Betreuungsgeld an

In ihrem Ministerium nicht. Tatsächlich aber hat ihre Hauptkonkurrentin - Arbeitsministerin von der Leyen - während Schröders Mutterschutz die Diskussion um die Frauenquote an sich gerissen, Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) stellte das Elterngeld in Frage.

Es warten deshalb große Aufgaben auf die Ministerin: Schröder muss zeigen, dass sie wieder das Sagen hat. Am Elterngeld werde nicht gerüttelt, sagt sie. Es sei zugleich ein konservatives und ein liberales Modell, das echte Wahlfreiheit biete. Weitere Einsparungen werde es dabei nicht geben, verspricht die Ministerin - und wird dann grundsätzlich: Dass Kinderbetreuungsmöglichkeiten einen "Angriff auf die traditionelle Familie" darstellten, sei falsch. Die Erziehungshoheit bleibe bei den Eltern, auch wenn Kleinkinder in der Kita betreut würden. "Meine Aufgabe ist es, Familien zu fördern, nicht Familienmodelle", sagt die Ministerin.

Noch in einem anderen großen Streit muss die CDU-Frau eine Lösung finden: Beim Betreuungsgeld, das im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist und das eigentlich nur noch die CSU richtig will. Sie arbeite an einem Konzept für ein Betreuungsgeld, dass nicht nur gezahlt werde, wenn Mutter oder Vater ihren Beruf für die Kindererziehung komplett aufgegeben haben, sondern auch bei einer Teilzeittätigkeit, berichtet die Ministerin. Konkreteres kann sie noch nicht sagen - man sei noch in der "konzeptuellen Phase".

Es ist Schröders ehrgeiziger Versuch, die Idee der "Herdprämie" endgültig zu kassieren. Sie will einen eigenen Akzent setzen, indem sie auch Mütter oder Väter, die wegen eines Teilzeitjobs ihre Karriere gebremst haben, finanziell entschädigen will. Der Gedanke dahinter: Gerade denen, die beides auf sich nehmen, Beruf und Familie, aber in ihrem Teilzeitjob nicht viel verdienen, muss geholfen werden. Außerdem verspricht Schröder dafür zu kämpfen, dass Paare, die ungewollt kinderlos bleiben, mehr finanzielle Unterstützung beim Versuch künstlicher Befruchtung bekommen.

"Familie zuerst" hat die junge Ministerin das Credo für ihre künftige Familienpolitik genannt. Ob sie das auch für ihre eigene Familie schafft - es wird sich zeigen.

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insgesamt 115 Beiträge
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1. War die jemals weg
bikersplace 14.09.2011
Dass sie weg war ist aber auch irgendwie nicht aufgefallen ...
2. Sie kann jedem Ärger entgehen...
P.H., 14.09.2011
...indem sie Elternzeit in Anspruch nimmt.
3. Sie war also weg ?
christafaust 14.09.2011
Tatsächlich ? Und ihr Ministerium lief wie geschmiert, anscheinend. Und nun ist sie wieder da ? Und ?
4. Wobei
zickezackehoihoihoi 14.09.2011
Zitat von sysopKristina Schröder meldet sich aus der Babypause zurück und gerät prompt in den Fokus. Die Familienministerin*muss sich Fragen*gefallen lassen, ob und wie*sie Vollzeit-Job und Kind miteinander verbinden wird. Politischer Ärger erwartet sie beim Thema Elterngeld - mit den eigenen Parteifreunden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,786134,00.html
Sie sich schon die Frage gefallen lassen muss, wie Sie das unter einen Hut kriegen möchte. Wir sind auch dieses Jahr Eltern geworden, und dass wir beide voll arbeiten gehen ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Und eine Tagesmutter o.ä.? Sorry, aber unsere kleine Prinzessin auf der Erbse beschwert sich schon lautstark wenn die Oma mal länger als eine Stunde auf sie aufpassen muss. Mutter/Vater sein ist zumindest für einen Partner im ersten Jahr ein Vollzeitjob. Und Ministerin sein hoffentlich auch. Das sollte man einfach einsehen.
5. Die Köhler/Schröder aus dem skandalträchtigen Hessen des Roland Koch
Roßtäuscher 14.09.2011
Zitat von sysopKristina Schröder meldet sich aus der Babypause zurück und gerät prompt in den Fokus. Die Familienministerin*muss sich Fragen*gefallen lassen, ob und wie*sie Vollzeit-Job und Kind miteinander verbinden wird. Politischer Ärger erwartet sie beim Thema Elterngeld - mit den eigenen Parteifreunden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,786134,00.html
Richtig, es fiel gar nicht auf, dass die zur Geburt fehlte. Also kann sie auch künftig zu Hause bleiben und dem Nachwuchs die Brust geben. Die mit ihren Anwandlungen würde besser zur Claudia Roth und Konsorten passen. Naja, vom Merkel-Kabinett kann man nichts anderes erwarten. Wird höchste Zeit, dass dieses ständige Sommertheater endlich aufgelöst wird.
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Das Elterngeld
Mütter und Väter können seit 2007 bei der Geburt eines Kindes Elterngeld beantragen. Es löste als Lohnersatzleistung das Erziehungsgeld ab. Mütter oder Väter, die zur Kindererziehung vorübergehend aus dem Beruf ausscheiden, erhalten 65 Prozent des letzten Nettolohns, höchstens jedoch 1800 Euro monatlich. Alleinerziehende und Geringverdiener erhalten einen monatlichen Sockelbetrag von 300 Euro. Das Elterngeld wird zunächst für ein Jahr gezahlt. Es wird zwei weitere Monate gewährt, wenn der berufstätige Elternteil die Kinderbetreuung übernimmt. Alleinerziehende erhalten das Elterngeld die vollen 14 Monate.