Kritik an Guttenberg: Seehofer droht Unionspolitikern mit Nachspiel

Horst Seehofer übt harsche Kritik an seinen Unionskollegen Norbert Lammert und Annette Schavan. Die beiden CDU-Politiker seien Karl-Theodor zu Guttenberg mit öffentlicher Kritik "in den Rücken gefallen", wettert der CSU-Chef - das werde ein Nachspiel haben.

SPIEGEL ONLINE

Berlin - Horst Seehofer sucht Schuldige im Fall Guttenberg - und hat sie rasch ausgemacht: Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende wirft Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bildungsministerin Annette Schavan vor, Karl-Theodor zu Guttenberg kurz vor dessen Rücktritt öffentlich geschadet zu haben. Die Kritik der beiden CDU-Politiker an Guttenberg sei "völlig unangemessen" gewesen, sagte Seehofer der "Bild"-Zeitung.

Er bezog sich auf ein Zitat Lammerts, der die Plagiatsaffäre vor Abgeordneten der SPD als "Sargnagel für das Vertrauen in die Demokratie" bezeichnet haben soll. Lammert hat das Zitat bislang nicht dementiert. Schavan hatte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" gesagt, sie schäme sich als Wissenschaftlerin für Guttenberg. Das Interview erschien einen Tag vor der Rücktrittserklärung Guttenbergs.

Seehofer hatte Guttenberg bereits vor dessen Rücktritt vor Kritik aus den eigenen Reihen in Schutz genommen. Nun, zwei Tage nach dem spektakulären Rückzug des in der Plagiatsaffäre massiv unter Druck geratenen CSU-Stars, legt Seehofer erbost nach: "Das war nicht solidarisch. Zum Selbstverständnis der Union sollte gehören, dass man den eigenen Leuten beisteht, ihnen nicht öffentlich in den Rücken fällt", sagte Seehofer der "Bild".

Als er von den Äußerungen der beiden CDU-Politiker gehört habe, sei sein Blutdruck deutlich gestiegen. Die Vorgehensweise von Lammert und Schavan werde daher auch ein Nachspiel haben. "Darüber wird noch zu reden sein - ich habe mir das auf Wiedervorlage gelegt."

Guttenberg war am Dienstag nach wochenlanger heftiger Kritik an seiner Dissertation als Verteidigungsminister zurückgetreten. Der CSU-Politiker soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben, ohne die Stellen richtig zu kennzeichnen. Die Universität Bayreuth hatte ihm den Doktortitel bereits in der vergangenen Woche aberkannt.

Der Politiker hatte am Mittwoch seinen letzten Arbeitstag im Verteidigungsministerium. Sein Nachfolger wird der bisherige Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Der bisherige CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich übernimmt das Innenressort. Beide sollen am Donnerstagmorgen ihre Ernennungsurkunden von Bundespräsident Christian Wulff erhalten.

Wulff wird den drei Politikern zunächst im Schloss Bellevue die Entlassungs- und Ernennungsurkunden übergeben. Anschließend findet im Verteidigungsministerium die Amtsübergabe mit militärischen Ehren statt.

amz/Reuters/AFP

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insgesamt 303 Beiträge
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1. ...
mea_maxima_culpa 03.03.2011
Da hat Herr Seehofer außnahmsweise einmal recht. Die SPD hat nach Helmut Schmidt dazugelernt. Die treten nicht mehr auf ihre Parteigenossen ein. Siehe Ulla Schmidt. Aber was haben Lammert und Schavan in ihren Ämtern schon geleistet? Sie wollten doch nur etwas von der Aufmerksamkeit die Herr zu Guttenberg erfährt abhaben.
2. ...
KarlKäfer 03.03.2011
Ganz tolles Vorführen, was Seehofer zur demokratischen Meinungsfreiheit einfällt. Weiter so, es brauchte wohl einen solchen überragenden Blender, um die anderen Blender aus der Deckung zu holen.
3. jaja
Mitten in Bayern 03.03.2011
Zitat von sysopHorst Seehofer übt harsche Kritik an*seinen*Unionskollegen*Norbert Lammert und Annette Schavan. Die beiden CDU-Politiker seien Karl-Theodor zu Guttenberg mit öffentlicher Kritik "in den Rücken gefallen", wettert der CSU-Chef - das werde ein Nachspiel haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748750,00.html
Ich würde mal sagen- der Horst ist schlau :-) . Der weis schon warum er das noch nachschiebt
4. Verbrechen decken ??
Christian Guenter 03.03.2011
Zitat von sysopHorst Seehofer übt harsche Kritik an*seinen*Unionskollegen*Norbert Lammert und Annette Schavan. Die beiden CDU-Politiker seien Karl-Theodor zu Guttenberg mit öffentlicher Kritik "in den Rücken gefallen", wettert der CSU-Chef - das werde ein Nachspiel haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748750,00.html
Betrüger müssen entlarvt werden, wo immer man sie entdeckt. Schuld haben nicht Lammert und Schavan. Wie verkommen muß man sein die Aussagen der beiden zu kritisieren!
5. ...
Florian Geyer 03.03.2011
Zitat von sysopHorst Seehofer übt harsche Kritik an*seinen*Unionskollegen*Norbert Lammert und Annette Schavan. Die beiden CDU-Politiker seien Karl-Theodor zu Guttenberg mit öffentlicher Kritik "in den Rücken gefallen", wettert der CSU-Chef - das werde ein Nachspiel haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748750,00.html
Herr Seehofer sollte froh sein, das der notwendige Rücktritt vollzogen wurde. Ich dachte ein Bundestagspräsident ist zu einer gewissen Objektivität verpflichtet. Jetzt auf diesen und auf Frau Dr. Schavan einzudreschen ist albern, hätte zu Guttenberg nicht abgeschrieben und das Fußnoten setzen vergessen, gäb es diesen Rücktritt doch nicht. Seehofer sollte lieber die linke Camarilla angreifen, die nach langer Wühlarbeit im Auftrag von ???? die Dissertation von zu Guttenberg fand und zerpflückte.
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