Kritik an Integrationsthesen Sarrazin rechnet mit seinen Gegnern ab

Wegen seiner Integrationsthesen wurde Thilo Sarrazin heftig kritisiert - jetzt keilt er zurück: In einem verbalen Rundumschlag attackiert der Bestsellerautor seine Kritiker von Kanzlerin Merkel bis SPD-Chef Gabriel. Besonders heftig greift er Bundespräsident Wulff an.

Thilo Sarrazin: "Wer, wenn nicht einer wie ich?"
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Thilo Sarrazin: "Wer, wenn nicht einer wie ich?"


Berlin - Der frühere Bundesbank-Vorstand und SPD-Politiker Thilo Sarrazin rechnet ab: "Ich habe mein Amt aufgegeben, weil nach der beispiellosen Kampagne aus der Spitze des Staates ein gedeihliches Arbeiten im Vorstand der Bundesbank nicht mehr möglich gewesen wäre", sagte Sarrazin im Interview mit "Bild am Sonntag". "Ich habe keinen Streit angefangen, sondern schwierige Sachverhalte schlüssig dargelegt. Der Zorn kam nicht von mir, sondern von meinen Gegnern in Politik und Medien."

Sarrazin weiter: "Wer, wenn nicht einer wie ich - 65 Jahre alt, politisch erfahren und ohne materielle Bedrohungsängste - soll denn in Deutschland unangenehme Wahrheiten aussprechen? Manchmal habe ich den Eindruck, wir sind auf dem Weg in die Duckmäuser-Republik."

Scharf kritisierte Sarrazin das Verhalten von Bundespräsident Christian Wulff während seines Türkei-Besuchs: "In der Türkei wurde und wird der christliche Glaube bestenfalls geduldet. Die Zahlen sprechen da eine deutliche Sprache: Gab es 1914 noch 25 Prozent Christen in der Türkei, sind es heute gerade noch 0,2 Prozent. Und an der deutschen Schule in Istanbul ist seit einigen Jahren der Deutschunterricht in den unteren Klassen verboten. Der Bundespräsident hat über diese nicht sehr erfreulichen Zustände eine Harmonie-Kitsch-Sauce gegossen."

"Gleichheit der Reaktionen in Union und SPD"

Wulffs Äußerungen in der Islam-Debatte wies Sarrazin zurück: "Es ist falsch, zu sagen, dass der Islam zu Deutschland gehört", meinte er. "Die deutsche Kultur ist weitgehend ohne Bezug auf den Islam entstanden. Die Tatsache, dass bei uns Millionen Mitbürger islamischen Glaubens leben, ändert daran nichts. Ministerpräsident Erdogan hat die Türken hier vor einer Anpassung an Deutschland gewarnt."

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Sarrazin das Sachinteresse für die Integrationsdebatte ab: "Angela Merkel hat nicht nur mein Buch kritisiert, sie hat auch die Bundesbank indirekt aufgefordert, mich aus dem Vorstand zu entfernen. Außerdem hat sie öffentlich erklärt, dass sie mein Buch nicht gelesen hat und auch nicht lesen wird. Daran mögen Sie das Interesse der Kanzlerin an der Sache, um die es hier geht, ablesen."

Zu Forderungen von SPD-Chef Sigmar Gabriel, Ausländer, die sich nicht anständig benehmen, auszuweisen, sagte Sarrazin: "Wer sich auf dem Kurfürstendamm in der Nase bohrt, kann sicher nicht ausgewiesen werden. Aber im Ernst: Ich warte ab, was von den aktuellen Äußerungen aus der Politik opportunistische Anpassung an eine auch durch mein Buch offenkundig gewordene Stimmung und was ernstgemeinter Handlungswille ist. Das gilt für alle Parteien. Die Gleichheit der Reaktionen in Union und SPD beobachte ich mit Amüsement."

jjc



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1509 Beiträge
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GrafZahl 30.10.2010
1. Das Buch
Die Buchverkäufe scheinen zurückzugehen, da wird eben kräftig nachgelegt. Da mag er sich noch so sehr aufregen, wer sein abstruses Hetzbuch nicht lesen will ist einfach nicht zu überzeugen, ihm für das Machwerk auch noch Geld zu geben. Offenbar gehört Sarrazin zu den Leuten, die richtig austeilen können, aber sich beim kleinsten Knuff heulend zu Wort melden. Ich vermisse in seiner Tirade nur noch den Satz "Mama, die haben angefangen".
Arne11 30.10.2010
2. gegen titelzwang
Zitat von sysopWegen seiner Integrationsthesen wurde Thilo Sarrazin heftig kritisiert - jetzt*keilt er zurück: In einem verbalen Rundumschlag attackiert der Bestsellerautor sein Kritiker von Kanzlerin Merkel bis SPD-Chef Gabriel. Bundespräsident Wulff greift er besonders heftig an. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,726264,00.html
Sehr schön. Einen hat er noch vergessen - die Medien vor :P
quadraginti, 30.10.2010
3. Echt ungerecht
Echt ungerecht, den Wulff anzugreifen. Denn Wulff hat immer brav genau das gesagt, was *Mammi-Merkel ihm vorher aufgeschrieben *hat.
National-Oekonom, 30.10.2010
4. Tja, so isses halt
in diesem unseren Lande. Geht in einem Zug mit dem, wie Stuttgart 21 gehändelt wurde. Und die *Redemokratisierung der CDU* in der Nach-Merkel-Ära wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Eine *Kaderpartei* umzubauen ist schwierig - siehe PDS.
Haio Forler 30.10.2010
5. .
Zitat von GrafZahlDie Buchverkäufe scheinen zurückzugehen, da wird eben kräftig nachgelegt. Da mag er sich noch so sehr aufregen, wer sein abstruses Hetzbuch nicht lesen will ist einfach nicht zu überzeugen, ihm für das Machwerk auch noch Geld zu geben. Offenbar gehört Sarrazin zu den Leuten, die richtig austeilen können, aber sich beim kleinsten Knuff heulend zu Wort melden. Ich vermisse in seiner Tirade nur noch den Satz "Mama, die haben angefangen".
Das ist Stuss aus einem Guss, lieber Zahl. Erstens hat Sarrazin nie gekniffen, zweitens nie gejammert, und drittens zeigt die Aufgeregtheit in allen Parteien deren Versäumnisse in den letzten 30 Jahren.
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