"Kruzifixe statt Kopftücher" CSU nimmt Kulturkampf wieder auf

Zu Ostern bläst CSU-Generalsekretär Markus Söder zur Attacke auf "APO-Opas" und andere Ungläubige: In einem Interview fordert der Konservative die Rückbesinnung auf "deutsche Tugenden". Auch die bayerische Nationalhymne soll öfter gesungen werden. SPIEGEL ONLINE dokumentiert Auszüge.


Hatten Sie Gelegenheit, sich an den Ostertagen ein bisschen von der Reform- und Sparpolitik zu erholen?

 CSU-General Markus Söder:"Über den Kampf zum Spiel"
DDP

CSU-General Markus Söder:"Über den Kampf zum Spiel"

Markus Söder:

Natürlich habe ich mich mit meiner Familie entspannt. Aber meine Arbeit macht mir Spaß und ich arbeite gerne. Denn ich will,dass unser Land wieder voran kommt. Unser Land hat eine Fülle von Problemen. ... Unser Land ist in einer Abstiegssituation, auf dem Weg nach unten. Um das aufzuhalten, braucht man viel Kraft. ...

Die Kritik am Reformkurs nimmt aber nicht ab. Auch SPD und Grüne werfen Ihnen vor, bei den Schwachen zu kürzen.

Söder: Es ist doch wirklich egal, was die bayerische SPD und die Grünen sagen. Die Sozialdemokraten im Freistaat sind die rückständigste SPD in Deutschland. Hätte die Bayern-SPD sich wirklich von der Bundes-SPD getrennt, hätte Schröder das sicher als Erlösung'empfunden.

...Ich habe ein Stück weit Verständnis, wenn die Leute demonstrieren. Denn die Reformen der Bundesregierung sind handwerklich schlecht gemacht und gehen in die falsche Richtung. Ein Chaos jagt das nächste, wobei die Menschen das Gefühl haben, dass es nicht gerecht zugeht. Das erhoffte Ziel, nämlich mehr Wachstum, bleibt aus. Wir gehen in Bayern einen anderen'Weg. ...

Was muss sich ändern in Deutschland, damit vom Abstiegsplatz wieder ein Spitzenplatz wird?

Söder: Die Verantwortlichen für die Krise in Deutschland sind die Alt-68er. Die APO-Opas haben das Land in die Krise geführt. Aus "Made in Germany" ist "Murks in Germany" geworden. Typisch deutsche Tugenden wie Leistungsbereitschaft, Pünktlichkeit und Disziplin sind verloren gegangen. Jede Form von Patriotismus wird verneint. Es gibt leider eine Abkehr von religiösen Wertvorstellungen. Daher brauchen wir einen geistigen Aufbruch. Im Fußball sagt man, wenn's schlecht läuft: "Über den Kampf zum Spiel finden."

Wie wollen Sie das konkret umsetzen?

CSU-Chef Stoiber: "Kruzifixe statt Kopftuch"
DPA

CSU-Chef Stoiber: "Kruzifixe statt Kopftuch"

Söder: Wir werden in der CSU eine breite Diskussion mit den jüngeren Leistungsträgern beginnen. Denn die wollen mit der Alt-68er-Jammerei nichts mehr zu tun haben. Da entsteht eine neue Wertediskussion. Das hat nichts mit moralischer Spießerei zu tun, sondern mit einem geistigen Aufbruch.

Und welche Werte wollen Sie vermitteln?

Söder: Wir brauchen eine gewisse Orientierung in der Erziehung und in den Schulen. Dazu gehört zum Beispiel Benimmunterricht statt Erlebnis- und Kuschelpädagogik. Es ist sinnvoll, auch über unsere nationale Identität und deren Symbole zu reden. Daher ist es wichtig, die Nationalhymne aber auch die Bayernhymne zu lernen und zu singen. Und dazu gehört natürlich auch, dass wir uns zu unserer christlichen Werteordnung bekennen. Für die CSU steht fest: In Klassenzimmer gehören Kruzifixe und keine Kopftücher.

Das Interview führte Harry Luck für den Deutschen Depeschendienst



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