FDP-Rebell Kubicki Anwalt in eigener Sache

Kaum ein Politiker kämpft mit solcher Verve gegen neue Transparenzregeln für Abgeordnete wie der FDP-Rebell Wolfgang Kubicki. Ganz uneigennützig dürfte der Einsatz nicht sein - der Liberale und stolze Yachtbesitzer aus Schleswig-Holstein ist ein gut verdienender Anwalt.

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FDP-Politiker Kubicki über FDP-Generalsekretär Döring: "Ich weiß nicht, was er geraucht hat"
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FDP-Politiker Kubicki über FDP-Generalsekretär Döring: "Ich weiß nicht, was er geraucht hat"


Berlin - Bei der FDP rollten sie am Tag danach mit den Augen. Das sei nun mal wieder "total doof", sagte ein führender Liberaler. In der Parteizentrale in Berlin verlegten sie sich auf das altbewährte Mittel, das sie oft anwenden, wenn Wolfgang Kubicki zugeschlagen hat: schweigen. Sie kennen ihn schließlich, ihren eigensinnigen Rebell aus dem hohen Norden, ihren Wolfgang Kubicki, Fraktionschef im Kieler Landtag.

Wenn es gegen die Parteinzentrale und das Führungspersonal in Berlin geht, ist Kubicki meistens mit dabei. Frei, munter und fröhlich kritisiert er dann den eigenen Laden, als ginge es um eine Oppositionspartei. Damit hat sich Kubicki einen veritablen Ruf erarbeitet, weit über die Landesgrenzen Schleswig-Holsteins hinaus. Mit seiner Solotour hievte er seine FDP bei den Landtagswahlen im Frühjahr auf 8,2 Prozent und setzte damit auch bundesweit ein Signal. Kubicki ist bekannt und provokant - und somit ein gern gesehener Talkshow-Gast.

Am Donnerstagabend saß Kubicki mal wieder im ZDF bei Maybrit Illner. Und stellte sich dort schützend vor einen politischen Freund, der im anderen Lager tätig ist: Peer Steinbrück. Beide kennen sich aus gemeinsamen Studienzeiten in Kiel, der designierte SPD-Kanzlerkandidat und der Liberale. Beide schätzen sich. Wenn Kubicki die FDP führen würde, wäre eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen wohl keine allzuferne Option für die Liberalen. Dass er mit einer inhaltlichen und strategischen Öffnung seiner Partei sympathisiert, hat er wiederholt deutlich gemacht.

Umso mehr wurmt es Kubicki, wie manche in seiner Partei mit Steinbrück umgehen. Der Sozialdemokrat war zuletzt durch seine bezahlten Vorträge bei Banken aus der schwarz-gelben Koalition attackiert worden, unter anderem hatte ihm FDP-Generalsekretär Patrick Döring eine "knallharte Gewinnermentalität" vorgehalten.

"Unerhört" sei das, er habe Dörings Einlassung "ziemlich peinlich" gefunden, empörte sich Kubicki bei Illner und fügte hinzu: "Ich weiß nicht, was er geraucht hat, aber für die Vertreter einer liberalen Partei ist es geradezu unerhört, sich darüber zu äußern, dass jemand für seine Tätigkeiten, in die er ja auch seine Persönlichkeit einbringt, Geld bekommt. Das ist wirklich unglaublich." Er fände es schön, wenn Döring sich bei Steinbrück öffentlich entschuldigen würde. Er werde das dem Generalsekretär auch persönlich sagen. Von Döring aber gab es am Freitag keine Reaktion auf Kubickis Forderung.

Bald einer der bestbezahlten Rebellen im Bundestag?

Seitdem die Debatte über neue Transparenzregeln für Abgeordnete begonnen hat, ist Kubicki auf Seiten Steinbrücks. Für ihn ist es ein exemplarischer Fall, es passt zu seiner bisherigen Linie. Die Parlamentarier hätten "einen moralischen Anspruch darauf, nicht alles preisgeben zu müssen, auch wenn sie im öffentlichen Leben stehen", sagte er kürzlich. Er will keine Parlamente, in denen künftig nur noch Beamte und Angestellte sitzen. Mit dieser Sicht steht er nicht allein. So denken viele in der Koalition - und auch insgeheim manche in der Opposition.

Dass Kubicki nun Steinbrück verteidigt, ist jedoch nicht völlig uneigennützig. Käme es im Bundestag zu verschärften Regeln, so wäre auch Kubicki davon betroffen, sollte er kommendes Jahr ins nationale Parlament in Berlin einziehen. Schließlich ist der Anwalt einer, der gut verdient. Aus seinem Wohlstand hat der Liberale keinen großen Hehl gemacht, es hat ihm schließlich auch nie in der Öffentlichkeit geschadet. Die "Kieler Nachrichten" nannten ihn schon mal einen "Top-Verdiener" unter den Landtagsabgeordneten. Erst im Sommer ließ er sich stolz auf seiner Motoryacht für ein Illustrierten-Interview ablichten. Und dass sein Haus in einem vornehmen Viertel von Kiel mit unverbautem Blick auf die Ostsee rund 1,2 Millionen Euro wert sei, hat er auch schon mal erzählt. Der früheren schwarz-gelben Landesregierung trat er nicht als Minister bei, um seinen gut dotierten Anwaltsberuf nicht aufgeben zu müssen.

Den Kampf gegen den transparenten Abgeordneten führt Kubicki schon länger. Im März 2010 versuchte die damalige Opposition aus SPD, Grünen und SSW in Kiel, die Bundestagsregeln für Nebentätigkeiten auch für die Abgeordneten im Landtag zu übernehmen. Vergeblich - CDU und FDP schmetterten das Anliegen ab. Kubicki rief der damals aufgebrachten Opposition zu: "Wer den Drang verspürt, der Außenwelt mitzuteilen, welches Einkommen er hat, welches Auto er hat und welches Haus er besitzt, der soll dies gerne tun und der darf das schon heute."

Zweimal war der 60-Jährige Kubicki schon im Bundestag, beide Male legte er sein Mandat nieder. Diesmal will er es erneut wissen und kandidiert im März auf Platz eins der FDP-Landesliste in Schleswig-Holstein. Käme Kubicki im September kommenden Jahres in den Bundestag, wäre er dann wohl einer der bestbezahlten Rebellen der Republik.



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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
shatreng 19.10.2012
1. Gänsehaut
Zitat von sysopDPAKaum ein Politiker kämpft mit solcher Verve gegen neue Transparenzregeln für Abgeordnete wie der FDP-Rebell Wolfgang Kubicki. Ganz uneigennützig dürfte der Einsatz nicht sein - der Liberale und stolze Yachtbesitzer aus Schleswig-Holstein ist ein gut verdienender Anwalt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kubicki-und-die-attacke-auf-parteifreund-doering-a-862292.html
Männer in diesen rosa Pullovern..so geil klischeehaft der FDPler..ich krieg Gänsehaut..
cassandra106 19.10.2012
2.
Zitat von sysopDPAKaum ein Politiker kämpft mit solcher Verve gegen neue Transparenzregeln für Abgeordnete wie der FDP-Rebell Wolfgang Kubicki. Ganz uneigennützig dürfte der Einsatz nicht sein - der Liberale und stolze Yachtbesitzer aus Schleswig-Holstein ist ein gut verdienender Anwalt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kubicki-und-die-attacke-auf-parteifreund-doering-a-862292.html
Lösung ist doch simpel: Einfach raus aus der Politik. Wer glaubt, dass dem Volk derartiges nichts angeht, dem geht das Volk nichts an.
Thaeve 19.10.2012
3.
Einer der wenigen FDP'ler, die ich respektieren kann. Nicht wählen, er bleibt mein politischer Gegner, aber auch politische Gegner kann man respektieren. Das könnt ich über Döring nicht sagen.
Walther Kempinski 19.10.2012
4. Ich finds ok
Wenn ein Politiker woanders noch etwas Knete verdient, dann ist das sein gutes Recht, sofern er damit nicht in einen Interessenkonflikt mit seinem Mandat gerät. Wo ist hierbei die Grenze? Keine Ahnung...ich denke nicht, dass der Staat da eine Grenze ziehen darf. Der Wunsch nach Transparenz erinnert mich zudem ein wenig an das Bedürfnis eines Voyeur, der wissen will, was im Schlafzimmer der jungen Nachbarn vor sich geht. Das schreibe ich alles als ein vergleichsweise armer Schlucker. Mir ist es egal was Steinbrück oder Kubicki verdienen.
uwecux 19.10.2012
5. Liberale Geschmacksverirrung
Genschman trug immer gelb, Kubicki rosa, Rösler wahrscheinlich giftgrün, na ja der Farbgeschmack ist kennzeichnend für die Politik, völlig daneben! Ab in die Tonne.
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