Kandidaten-Gerangel bei den Grünen: Zwei Plätze, vier Bewerber

Von Florian Gathmann

Bei der Spitzenkandidaten-Suche kommen die Grünen an einer Urwahl kaum noch vorbei: Auch Fraktionschefin Künast will nun Spitzenkandidatin werden, damit gibt es vier Bewerber. Die von Katrin Göring-Eckardt angestrebte Team-Lösung hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Grünen-Frau Künast: "Einiges zu verdauen, aber jetzt stehe ich hier, an Erfahrung reicher"Zur Großansicht
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Grünen-Frau Künast: "Einiges zu verdauen, aber jetzt stehe ich hier, an Erfahrung reicher"

Berlin - "Es war ein Nest. Unser Ding war: in Ruhe abends reden können." So erinnerte sich Renate Künast im "Zeit-Magazin" vor einigen Monaten an die gemeinsame WG-Erfahrung mit Katrin Göring-Eckardt. In den Jahren ab 2001 teilten sie eine Wohnung im Berliner Stadtteil Friedenau, Künast war seinerzeit Verbraucherschutzministerin, Göring-Eckardt führte die Grünen-Bundestagsfraktion.

Die Atmosphäre bei ihrem jüngsten Gespräch dürfte deutlich frostiger gewesen sein. Denn diesmal trafen Künast, inzwischen selbst Fraktionschefin, und die heutige Bundestags-Vizepräsidentin Göring-Eckardt als mögliche Konkurrentinnen aufeinander - und gingen als Rivalinnen auseinander. Zu klären war, ob es nicht eine Lösung zwischen den beiden Frauen vom Realo-Flügel der Grünen geben könne. Die gab es offenbar nicht: Am Freitagnachmittag erklärte Göring-Eckardt ihre Bewerbung für die Spitzenkandidatur bei der kommenden Bundestagswahl, am frühen Abend zog Künast nach.

"Hiermit bewerbe ich mich für eine der Positionen in der Doppelspitze", schreibt Künast in einem Schreiben an die Mitglieder der entscheidenden Parteigremien. "Ich bitte Euch um die Unterstützung für meine Kandidatur."

Das ist ein entscheidender Unterschied zu der Bewerbung ihrer ehemaligen WG-Freundin. Denn Göring-Eckardt möchte nicht unbedingt Teil eines grünen Spitzenduos werden. Sie wolle "mit aller Kraft und allen meinen Möglichkeiten in einem Grünen-Spitzenteam kämpfen", schreibt Göring-Eckardt in einer Erklärung, die sie auf ihrer Homepage veröffentlichte. Von einer Urwahl hält die Grünen-Politikerin nichts. "Sie wird meistens sogar abgelehnt, denn sie bedeutet Beschäftigung mit uns selbst und verlängert einen Prozess, der uns schon in den letzten Monaten alles andere als gut getan hat." Außerdem, so schreibt sie, sei eine Urwahl "übrigens auch keine Mutprobe".

Roth und Trittin haben ihre Kandidatur schon angekündigt

Ob Göring-Eckardt selbst glaubt, was sie da formuliert hat? Klar ist jedenfalls, dass sie nach der Kandidatur von Künast wohl nicht mehr an einer Urwahl vorbeikommen wird - es sei denn, Göring-Eckardt zieht doch noch zurück. Denn die Parteivorsitzende Claudia Roth und Bundestags-Fraktionschef Jürgen Trittin haben ihre Kandidatur ja ebenfalls schon angekündigt. Das macht vier ernsthafte Bewerber für zwei Plätze.

Dass sich die Parteigremien doch noch auf eine Team-Lösung einlassen, wie von Göring-Eckardt und ihren Unterstützern erhofft, ist wenig wahrscheinlich. Zumal selbst im Realo-Lager mancher schon zwei Spitzenkandidaten für einen zu viel hält, wie beispielsweise Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Und Fraktionschef Trittin pochte kürzlich im SPIEGEL auf eine Duo-Lösung.

Nun also sollen es nach Meinung von Göring-Eckardt drei, vier oder vielleicht sogar fünf Kandidaten sein? Wäre dann auch Parteichef Cem Özdemir, der sich frühzeitig aus dem Rennen genommen hatte, mit im Team? So liest sich jedenfalls Göring-Eckardts Idee von einem "Spitzenteam mit Frauen und Männern unterschiedlicher Generationen, mit je eigenen Geschichten und inhaltlichen Schwerpunkten".

Künast dagegen sagt klipp und klar: "Hier geht es um zwei Köpfe, die vorne stehen sollen." Eine davon will sie sein. Es ist ihre letzte Chance, das weiß Künast. Ergattert sie keinen Platz im Spitzenduo, haben nach der Bundestagswahl andere den ersten Zugriff auf die besten Positionen in Regierung oder Opposition.

Bei Katrin Göring-Eckardt stellt es sich so dar: Sie würde wohl ihren attraktiven Posten als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland aufgeben müssen, um in der Urwahl anzutreten - und hätte im Falle des Scheiterns um die Spitzenkandidatur nichts von beidem. Das dürfte der Grund sein, warum Göring-Eckardt auf die Teamlösung setzt.

Künast und Göring-Eckardt kämpfen beide um Realo-Stimmen

Klar ist, dass Künast und Göring-Eckardt sich in einer Urwahl mit Roth und Trittin gegenseitig das Leben schwer machen werden, weil beide im Realo-Lager um Stimmen kämpfen. Fraktionschef Trittin dagegen gilt als gesetzt. Zwar gehört er formal dem linken Lager an, aber Trittin wird inzwischen flügelübergreifend geschätzt. Parteichefin Roth hat sich als langjährige Vorsitzende zwar auch einige Feinde gemacht und gilt manchem im Lager der sogenannten Reformer als unerträgliche Retro-Linke, aber sie ist fest verwurzelt bei den Grünen.

Anders als Göring-Eckardt. Sie galt zu Zeiten von Rot-Grün als Zögling von Joschka Fischer, nach dem Gang in die Opposition schwand ihr Rückhalt in der Partei rasch. Künast dagegen genießt bei den Grünen immer noch eine Menge Bonus aus ihrer Zeit als Ministerin für Verbraucherschutz und Landwirtschaft. Daran dürfte außerhalb Berlins auch wenig ändern, dass sie als Bürgermeister-Kandidatin in der Hauptstadt brutal abstürzte und anschließend von Teilen des Realo-Flügels systematisch demontiert wurde.

"Ich habe in den letzten Monaten viel nachgedacht, auch über meine Fehler, und mit vielen Menschen gesprochen, was das Berliner Ergebnis für mich bedeutet, was ich daraus lernen kann", schreibt Künast in ihrer Bewerbung. Das soll wohl noch mal ein Zeichen von Demut sein - die hatten ihre Gegner stets eingefordert. "Es war einiges zu verdauen, aber jetzt stehe ich hier, an Erfahrung reicher…"

Nun ist Künast bereit zu kämpfen. Ob das auch für Göring-Eckardt gilt, das muss sie selbst beantworten.

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insgesamt 68 Beiträge
Kaworu 17.08.2012
Möge der Kampf um die goldenen Töpfe beginnen.
Möge der Kampf um die goldenen Töpfe beginnen.
Als Kampf (von althochdeutsch kampel „Zank“, von lateinisch campus „(Schlacht)Feld“) wird eine Auseinandersetzung zweier oder mehrerer rivalisierender Parteien bezeichnet, deren Ziel es ist, einen Vorteil zu erreichen oder für das [...]
Als Kampf (von althochdeutsch kampel „Zank“, von lateinisch campus „(Schlacht)Feld“) wird eine Auseinandersetzung zweier oder mehrerer rivalisierender Parteien bezeichnet, deren Ziel es ist, einen Vorteil zu erreichen oder für das Gegenüber einen Nachteil herbeizuführen.
reuanmuc 17.08.2012
Die Grünen sollen mal ihre Dinos ausräumen. Der Ströbele will wohl im Reichstag sitzen bleiben, bis im Pflegeheim ein Platz frei wird. Ist das noch Demokratie?
Zitat von sysopBei der Spitzenkandidaten-Suche kommen die Grünen an einer Urwahl kaum noch vorbei:
Die Grünen sollen mal ihre Dinos ausräumen. Der Ströbele will wohl im Reichstag sitzen bleiben, bis im Pflegeheim ein Platz frei wird. Ist das noch Demokratie?
panzerknacker51 17.08.2012
Was haben Sie denn gegen den Herrn. Das ist doch noch einer der Wenigen, die ein Rückgrad zeigen und das Wort Demokratie ohne Schamesröte im Gesicht in den Mund nehmen dürfen.
Zitat von reuanmucDie Grünen sollen mal ihre Dinos ausräumen. Der Ströbele will wohl im Reichstag sitzen bleiben, bis im Pflegeheim ein Platz frei wird. Ist das noch Demokratie?
Was haben Sie denn gegen den Herrn. Das ist doch noch einer der Wenigen, die ein Rückgrad zeigen und das Wort Demokratie ohne Schamesröte im Gesicht in den Mund nehmen dürfen.
Bei der Bundestagswahl? Und wer soll dann Kanzler werden, im Falle eines Falles? Gibt es dann eine partei-interne (?) Stichwahl?
Bei der Bundestagswahl? Und wer soll dann Kanzler werden, im Falle eines Falles? Gibt es dann eine partei-interne (?) Stichwahl?
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  • Freitag, 17.08.2012 – 19:45 Uhr
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Gesucht: Trittins grüne Herz-Dame

Welche Grünen-Politikerin soll neben Fraktionschef Jürgen Trittin als Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl antreten?

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