Künftiger FDP-Generalsekretär Döring Röslers Kumpel soll es richten

Das Vakuum in der Führungsriege der FDP währte nicht lange: Nur wenige Stunden nach dem Rücktritt von Generalsekretär Lindner präsentierte Philipp Rösler den bisherigen Schatzmeister Döring als Nachfolger. Er soll die Partei, die in Umfragen bei drei Prozent dümpelt, zu neuer Stärke führen.


Berlin - Es ist Philipp Röslers zweite Pressekonferenz an diesem Mittwoch. Während des ersten Auftritts, in dem er zum überraschenden Rücktritt von Generalsekretär Christian Lindner Stellung nahm, verzog er kaum eine Miene. Am Mittwochabend sieht er schon entspannter aus - weil er nach dem Abgang des Hoffnungsträgers Lindner schon einen Nachfolger mitgebracht hat. Er schlage den bisherigen Bundesschatzmeister Patrick Döring als neuen Generalsekretär vor, sagte Rösler. Der 38-Jährige sei "tief verwurzelt in der Basis", es werde ihm gelingen, "die Kampagnenfähigkeit der Parteizentrale schnellstmöglich wiederherzustellen."

Er fühle sich "sehr geehrt", dass Rösler ihn gefragt habe, ob er die Aufgabe übernehmen wolle, sagte Döring. Er lasse sich gerne in die Pflicht nehmen und wolle die neue Aufgabe "mit großem Ernst und großem Ehrgeiz annehmen". Die FDP werde gebraucht, "wir werden das deutlich machen können".

Döring ist erst seit dem Parteitag im Mai Bundesschatzmeister der Liberalen; seine politische Karriere hat er wie Rösler in Niedersachsen begonnen.

Rösler und Döring: "Die beiden verstehen sich blind"

Döring gehört seit 2005 dem Bundestag an und ist seit 2010 stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Er gilt als enger Vertrauter von Rösler. "Die beiden verstehen sich blind", sagt der niedersächsische FDP-Abgeordnete Christian Grascha. Schon einmal war Döring im Gespräch für den Posten des Generalsekretärs der FDP. Damals machte jedoch Lindner das Rennen. Nun scheint der Diplom-Ökonom vielen in der Partei jedoch als der am besten geeignete Kandidat. Döring sei gut vernetzt und spreche Probleme deutlich an, heißt es.

Der in Stade geborene Döring übte nach seinem Studienabschluss verschiedene Tätigkeiten in der Versicherungswirtschaft aus. Er ist Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn und im Beirat der Deutschen Flugsicherung.

Lindner war am Mittwoch nach nur zwei Jahren im Amt überraschend zurückgetreten. Er gebe sein Amt auf, um in der Partei "eine neue Dynamik zu ermöglichen", begründete er den Schritt.

"Koalitionspartner mit Schwindsucht"

In den vergangenen Tagen hatte sich der parteiinterne Streit um den FDP-Mitgliederentscheid zum Euro-Rettungsschirm ESM verschärft. Initiatoren des Entscheids hatten Lindner Pannen bei der Organisation zur Last gelegt. Wie Parteichef Rösler hatte auch Lindner schon im Vorfeld die Vermutung geäußert, dass die Abstimmung an zu geringer Beteiligung der Basis scheitern werde.

Die Opposition reagierte mit Spott auf Lindners Rücktritt und sieht das Ende der schwarz-gelben Koalition im Bund nahen. "Frau Merkel hat einen Koalitionspartner mit Schwindsucht, das riecht nach Neuwahlen", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles in Koblenz. Sie rechne damit, dass Rösler sein Parteiamt noch vor der Wahl in Schleswig-Holstein im Mai 2012 aufgeben wird.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte, der Kanzlerin fliege die Regierung "um die Ohren". Auch die Linke bewertete Lindners Rücktritt als "Anfang vom Ende Philipp Röslers als Chef der FDP". Die Grünen sprachen von einer "schwindsüchtigen" Partei, der Lindner mit seinem Abgang noch einen Fußtritt versetzt habe.

Merkel reagierte gelassen auf Lindners Rückzug. Die CDU-Chefin sagte: "Die Zusammenarbeit war gut, sie wird aber auch mit einem neuen Generalsekretär wieder erfolgreich sein." Sie glaube, "dass wir in der Regierung davon völlig unbeschadet zusammenarbeiten können".

hen/dpa/AFP/Reuters

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Dr. Sorglos 14.12.2011
1. Armselig
Zitat von sysopDas Vakuum in der Führungsriege der FDP währte nicht lange: Nur wenige Stunden nach dem Rücktritt von Generalsekretär Lindner präsentierte Philipp Rösler den bisherigen Schatzmeister Döring als Nachfolger. Er soll die Partei, die in Umfragen bei drei Prozent dümpelt, zu neuer Stärke führen. Künftiger FDP-Generalsekretär Döring: Röslers Kumpel soll es richten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,803808,00.html)
Rösler und Döring sind derartig armselige Figuren, dass man sich fragt, was die geritten hat, dass sich diese Truppe zutraut, ein Land mit 80 Millionen Menschen politisch mitzugestalten. Mehr als 2% dürfte für diesen drittklassigen Politdarsteller nicht drin sein.
Alias_aka_InCognito 14.12.2011
2. Leichtmatrose Rösler
Also Rösler selbst ist ein selten politisches Leichtgewicht. Wenn über ihn berichtet wird, muss immer daran erinnert werden, dass er gerade Vizekanzler und Wirtschaftsminister ist. Die letzten Vizekanzler hatten es nicht nötig, als solche auch benannt zu werden. Ein Name wie Donnerhall wird Rösler aber auch nicht mehr werden.
ollux 14.12.2011
3. Das Traumduo der Loser
Doring als Geheimwaffe Röslers zum Erreichen der Hürde Bundestagswahl 2013 ist natürlich nur als "untauglich" einzustufen, da er nicht in der Lage ist, das Profil der FDP dem Wähler schmackhaft zu verkaufen. Das Tandem Rösler/Döring wird also grandios scheitern und so den fast schon apokalyptisch zu nennenden Niedergang der FDP nur noch beschleunigen.
biwak 14.12.2011
4. "Das Vakuum in der Führungsriege der FDP währte nicht lange" Zitat
Da habe Sie etwas verwechselt. Das Vakuum in der FDP - Führung dauert an. Kurios, dass man glaubt mit nassforschen Typen irgend jemand überzeugen zu können.
PublicTender 14.12.2011
5. Ganz klar
Rösler ist Geschichte, er weiss es nur noch nicht. Döring hält ihm beim Sprung in den Abgrund die Hand. Die FDP wird noch viele Jahre brauchen um wieder das zu werden was sie mal war, eine politische Kraft. Dazu muss sie sich aber den unseligen Geist der Leistungsträger-Yuppie-Partei austreiben. Liberale Politik bedeutet nicht andere auszugrenzen!
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