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Künftiger Präsident im Check: Jetzt muss Gauck liefern

Von und Yassin Musharbash

Die Erwartungen sind gigantisch: Nicht weniger als die "Erneuerung der Demokratie" erhoffen sich manche von einem Präsidenten Gauck. Der 72-Jährige bringt Qualitäten mit, die man für eine solche große Aufgabe braucht - aber er hat auch Schwächen.

dapd

Hamburg/Berlin - Kann ja nicht schaden, ein bisschen die übergroßen Hoffnungen zu dämpfen, mag er sich gedacht haben. Also sagte Joachim Gauck kurz nach seiner Nominierung für das Amt des Bundespräsidenten, man möge von ihm bitte nicht erwarten, "dass ich ein Supermann und ein fehlerloser Mensch bin".

Ach Gott, wie eitel, mögen Arglistige bei diesen Worten des 72-Jährigen gedacht haben - als ob da jemand ernsthaft erklären müsse, kein überirdischer Alleskönner zu sein! Aber vielleicht ist das im Fall von Gauck ein bisschen anders. Man muss dazu nur schauen, in welche Sphären der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde gerückt wurde, als er 2010 als Kandidat von SPD und Grünen für das höchste Staatsamt antrat und erst im dritten Wahlgang gegen Christian Wulff unterlag: Als "Lichtgestalt" wurde er gefeiert, als "Präsident der Herzen" und "Bürgerrechtler der Nation".

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Joachim Gauck: Der Konsenskandidat
Seine Anhänger und Bewunderer haben ihm diesen Thron gezimmert, bis heute haben sie ihn davon nicht heruntersteigen lassen. Und jetzt erwartet Deutschland am 18. März eine Art Frühlingsmärchen: Der Mann, für den die "Bild am Sonntag" einst mit der Zeile "Yes, we Gauck" warb, der Mann, den die Mehrheit der Bürger im Fall einer Direktwahl schon 2010 ins Schloss Bellevue geschickt hätte, soll zum nächsten Bundespräsidenten gewählt werden - getragen von einer breiten Stimmenmehrheit aus Union, FDP, SPD und Grünen. Da wundert es nicht, wenn Gauck in seinem ersten Statement einräumt, "überwältigt und auch ein wenig verwirrt" zu sein.

Wer ist Joachim Gauck, was zeichnet ihn aus, womit könnte er sich selbst schaden? Eine Annäherung an den designierten Bundespräsidenten.

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1. Noch..
mm01 20.02.2012
Zitat von sysopdapdDie Erwartungen sind gigantisch: Nicht weniger als die "Erneuerung der Demokratie" erhoffen sich manche von einem Präsidenten Gauck. Der 72-Jährige bringt Qualitäten mit, die man für eine solche große Aufgabe braucht - aber er hat auch Schwächen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816481,00.html
nicht im Amt und schon wird die Jagd eröffnet ....
2. Gauck kann das
KonsulOtto 20.02.2012
Gauck wird das sicher gut machen. Es ist ein fähiger Mann.
3. Fehler
heighi 20.02.2012
Zitat von mm01nicht im Amt und schon wird die Jagd eröffnet ....
Vor zwei Jahren war ich für Gauck, weil er der bessere Kandidat war. Heute ist er Kandidat, weil die Merkel sich nicht noch eine Niete leisten kann. Hoffentlich hat sie wenigstens den Mut, dem Schnorrer den Ehrensold zu verweigern.
4. Alles Gute Herr Gauck!
Spiegelleserin57 20.02.2012
Zitat von KonsulOttoGauck wird das sicher gut machen. Es ist ein fähiger Mann.
so sehe ich das auch!
5. der Onkel
hegelotl 20.02.2012
"Nicht weniger als die "Erneuerung der Demokratie" erhoffen sich manche von einem Präsidenten Gauck." Wer sowas hofft, hat keine Ahnung, was Demokratie bedeutet. "Demokratie ist die Herrschaft des klugen Volkes"(Montesquieu). Entweder das Volk erneuert die Demokratie oder sie wird eben nicht erneuert, schon gar nicht durch einen pastoralen Dampfplauderer wie den Onkel Gauck.
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Joachim Gauck: Der Demokratielehrer


Vom Kandidaten zum Präsidenten
Wer wählt den Bundespräsidenten?
Die Bundesversammlung, die sich aus den Abgeordneten des Bundestages und einer gleichen Zahl von Wahlmännern beziehungsweise -frauen aus den Ländern zusammensetzt. Letztere werden von den Länderparlamenten entsprechend den jeweiligen politischen Stärkeverhältnissen gewählt. Derzeit gehören dem Parlament 620 Abgeordnete an. Die Bundesversammlung umfasst somit 1240 Wahlleute.
Wie wird gewählt?
Das Staatsoberhaupt wird geheim und ohne vorherige Aussprache gewählt. Gewählt ist, wer die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Die Wiederwahl ist einmal möglich. Wählbar ist jeder Deutsche, sofern er das 40. Lebensjahr vollendet hat. Sollte kein Bewerber im ersten oder zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen, reicht im dritten Wahlgang die relative Mehrheit. Drei Mal waren bislang drei Wahlgänge erforderlich: 1969 bei Gustav Heinemann, 1994 bei Roman Herzog und 2010 bei Christian Wulff.
Wann wird gewählt?
Laut Gesetz muss die Bundesversammlung spätestens 30 Tage vor dem Ende der Amtszeit des Bundespräsidenten zusammentreten. Sollte eine Amtszeit verfrüht enden muss die Bundesversammlung spätestens dreißig Tage später den Nachfolger wählen. Als spätester Termin für die Neuwahl kommt somit der 18. März in Frage. Einberufen wird die Versammlung vom Bundestagspräsidenten.
Wer hat die Mehrheit?
Die parteipolitische Mehrheit der Bundesversammlung muss nicht identisch sein mit den Mehrheitsverhältnissen im Bundestag. Nach Berechnungen des Portals wahlrecht.de hätte Schwarz-Gelb derzeit nur eine Mehrheit von zwei bis vier Stimmen in der Bundesversammlung. Da SPD und Grüne mit im Boot sind, gilt die Wahl von Joachim Gauck als sicher.


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