Künftiger Außenminister Maas Herausforderungen aus allen Himmelsrichtungen

Unterschätzen sollte man Heiko Maas nicht - das bewies der Sozialdemokrat schon im Justizministerium. Aber hat der Saarländer auch das Zeug zum Chefdiplomaten?

CLEMENS BILAN/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

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Aus Sicht des scheidenden Ministers bleibt das Amt in guten Händen. "Er wird das exzellent machen", sagte Sigmar Gabriel am Donnerstag über den Mann, der in der kommenden Woche als neuer Chef des Auswärtigen Amts (AA) vereidigt werden soll: der SPD-Politiker Heiko Maas, 51. Kurz vor Gabriels wohl letztem öffentlichen Auftritt im Außenministerium war bekannt geworden, dass ihn der Mann aus Saarlouis beerben wird.

Gabriel wäre gerne Außenminister geblieben, aber die SPD-Führung wollte ihn nicht mehr. Mit seinem Nachfolger kann er wohl leben: Gabriel machte Maas 2013 als damaliger Parteichef überraschend zum Bundesjustizminister und holte ihn damit aus der landespolitischen Versenkung. Im Saarland war Maas dreimal im Rennen um das Ministerpräsidentenamt gescheitert.

Seine Sache als Justiz- und Verbraucherschutzminister hat Maas so ordentlich gemacht, dass er vier Jahre später in die nächste Liga aufsteigen darf: Das Außenministerium mag zwar in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren haben, weil Kanzlerin Angela Merkel sich zunehmend selbst um die Krisen dieser Welt kümmert - aber prestigeträchtig ist es nach wie vor. Vor allem lässt es den jeweiligen Chef in der Regel wie in keinem anderen Ministerium glänzen. Das war zuletzt besonders gut zu beobachten: In wenigen Monaten schaffte es der als SPD-Chef und Wirtschaftsminister so ungeliebte Gabriel weit nach oben in der Gunst der Bürger.

Maas ist ein ganz anderer Typ als Gabriel

Der Jurist Maas ist freilich ein ganz anderer Typ als Gabriel: zurückhaltend, feine Züge, früher hat er Triathlon gemacht. Disziplin hat Maas mehr als sein Vorgänger, dafür geht ihm das Genialische Gabriels ab. Die "Zeit" nannte ihn mal einen "Anti-Alpha-Politiker". Außenpolitische Raubauze wie Russlands Chefdiplomat Sergej Lawrow oder der Amerikaner Rex Tillerson werden sich umgewöhnen müssen, wenn ihnen plötzlich der schmale Saarländer gegenübersteht. Aber unterschätzen sollten sie ihn nicht.

Als Justizminister hat er sich früh mit Pegida angelegt, im Kabinett ging Maas selbst Konflikten mit einem wie Wolfgang Schäuble nicht aus dem Weg. Freundlich, aber sehr verbindlich - mit diesem Stil dürfte er es auch als Außenminister versuchen.

Im AA war seit einigen Tagen mit Maas als künftigem Chef gerechnet worden. Ein Kenner der Außenpolitik kommt da nicht ins Haus, so viel weiß man über den neuen Minister - ansonsten ist da vor allem Neugierde.

Maas ist schon als Justizminister gelegentlich mit außenpolitischen Aufschlägen und Bemerkungen aufgefallen. "Keiner fördert den Antiamerikanismus weltweit so stark wie der amerikanische Präsident", sagte er im August vergangenen Jahres über US-Präsident Donald Trump. Dieser agiere so katastrophal, "wie ich es mir bei einem Präsidenten der USA nie zuvor habe vorstellen können", sagte Maas - man dürfe sich aber "mit Trumps Eskapaden nicht abfinden". Als Außenminister wird er das künftig wohl ein wenig diplomatischer ausdrücken.

Im Video: Interview mit Heiko Maas zum Film "Nervöse Republik"

dbate.de

Der Umgang mit der Trump-Administration, mit dem Russland von Wladimir Putin, die deutsche Chinapolitik, der künftige Kurs in der auseinanderdriftenden EU - dafür wird Maas in seiner neuen Funktion bei diesen Themen eine Menge mitreden dürfen.

Erleichtert werden dürfte ihm der Wechsel ins Auswärtige Amt dadurch, dass er am Werderschen Markt auf eine erfahrene und hochprofessionelle Beamtenschaft trifft, die noch (fast) jeden Minister bei seinen ersten Schritten und diplomatischen Missionen unterstützte.

Als geschäftsführender Justizminister hätte Maas ohnehin in Kürze einen Auslandsbesuch gemacht: Am 19. März sollte er in Israel auf einer Konferenz sprechen, auf der es unter anderem um Hate Crime im Internet geht. Den Israelis war auf Mitarbeiterebene allerdings seit Längerem signalisiert worden, dass in Deutschland mit einem neuen Kabinett und möglicherweise auch mit einem neuen Amtsinhaber zu rechnen ist. Nun dürfte Maas' Nachfolger oder Nachfolgerin nach Israel reisen.

Als Außenminister wird Maas mehr reisen müssen

Angesichts der Herausforderungen aus allen Himmelsrichtungen wird auf den künftigen Außenminister in jedem Fall eines zukommen: mehr reisen zu müssen. Im Justizministerium war er dafür nicht bekannt, wohl auch wegen seiner Familienkonstellation. Maas hat zwei schulpflichtige Söhne, von der gemeinsamen Mutter lebt er getrennt.

Maas ist mit der Schauspielerin Natalia Wörner liiert, was im Zusammenhang mit seinem neuen Amt eine gewisse Ironie hat: Wörner ist ihrem Partner außenpolitisch voraus. In zwei Folgen des ARD-Films "Die Diplomatin" spielt sie als Karla Lorenz eine deutsche Sonderbotschafterin für komplexe Fälle. Um sie auf die Rolle vorzubereiten, vermittelte der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Hilfe des AA. Und auf einer Reise Steinmeiers nach Korea durfte sie einst als Teil der Kulturdelegation mit dabei sein und sich die Arbeit der Diplomaten aus der Nähe anschauen.

Der dritte Film mit Wörner als deutsche Diplomatin wurde erst im Herbst 2017 in Tschechien abgedreht. Ihn zeigt die ARD zufällig am 31. März zur besten Sendezeit. Ihr Partner Heiko Maas wird dann längst Deutschlands "Top-Diplomat" sein.



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insgesamt 86 Beiträge
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Seite 1
aurifizz 08.03.2018
1. bravo
besser kann man dieses Amt nicht besetzen!
rosskal 08.03.2018
2. Eine Katastrophe!
Eignet man sich in besonderer Weise für den sehr wichtigen Außenminister-Posten, wenn man schon als Justizminister kläglich versagt hat?
flux71 08.03.2018
3.
"Unterschätzen sollte man Heiko Maas nicht", schreibt SPON -- und dieser Meinung bin ich auch. Allerdings: Unterschätzen sollte man auch das Maas-Bashing nicht, das hier schnell wieder einsetzen wird, das unter die Gürtellinie trifft und die Grenzen des guten Geschmacks übertreten wird. Ich finde, es wird langsam wirklich Zeit, zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren. Das "Feindbild Maas" abzubauen, könnte da ein weiterer Schritt sein. Und wenn es erstmal nur sprachlich ist. Aber ich bin da vielleicht auch einfach verblendet.
peteftw 08.03.2018
4. aha
Nein unterschätzen würde ich ihn nicht, das würde ja bedeuten dass ich von seiner Unfähigkeit noch nicht überzeugt wäre
Kopfschütteln angesagt 08.03.2018
5. gute Arbeit
Auf dem Weg nach unten SPD. Den einzigen halbwegs Sympathieträger im Amt, den die SPD noch hat, schicken Sie in Rente und holen diesen unsäglichen Zensur Maas. Prima. Ich glaube die SPD will über die 5%-Hürde. Von oben
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