Kunduz-Bombardement Steinmeier bestreitet eigene Erkenntnisse

Frank-Walter Steinmeier wehrt sich gegen Berichte, er habe als Außenminister über exklusive Informationen zum verheerenden Luftanschlag bei Kunduz verfügt. Die Kenntnisse des Auswärtigen Amtes seien auch der Bundeswehr bekannt gewesen, betonte der SPD-Fraktionschef.

Frank-Walter Steinmeier: "Keinerlei exklusive Informationen zum Luftangriff in Kunduz"
ddp

Frank-Walter Steinmeier: "Keinerlei exklusive Informationen zum Luftangriff in Kunduz"


Berlin - Frank-Walter Steinmeier hat Berichten widersprochen, wonach er als Außenminister eigene Informationen zum tödlichen Luftschlag am 4. September nahe Kunduz hatte. Er stellte zwar nicht die Darstellung in Frage, dass ein Vertreter des Auswärtigen Amtes in Kunduz an den Voruntersuchungen teilgenommen habe. Sein Ministerium habe aber "über keinerlei exklusive Informationen zum Luftangriff in Kunduz" verfügt, sagte der jetzige SPD-Fraktionschef der "Frankfurter Rundschau". "Die Informationen, die wir hatten, waren auch der Bundeswehr bekannt und gingen in deren Gesamtbewertung ein."

Steinmeier betonte, dass es "vom ersten Tag an" widersprüchliche Meldungen "über die Zahl der getöteten Taliban-Kämpfer und zivile Opfer" gegeben habe. Deshalb habe er damals sofort eine gründliche Untersuchung des Vorfalls gefordert. "Zu keinem Zeitpunkt habe ich ausgeschlossen, dass es auch zivile Opfer gab", sagte Steinmeier.

Am Wochenende hatte unter anderem die ARD berichtet, dass ein Vertreter des Auswärtigen Amtes bereits kurz nach der Bombardierung in Gesprächen erfahren habe, dass es wohl auch eine bestimmte Anzahl an zivilen Opfern gegeben habe.

Steinmeier hatte sich in den ersten Tagen nach dem Bombardement ausdrücklich vom damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) distanziert - damals wollte er Jungs Feststellung nicht unterstützen, dass unter den Opfern ausschließlich Taliban seien. Am 8. September, als Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Bundestag in ihrer Regierungserklärung sagte, "über zivile Opfer gibt es widersprüchliche Meldungen", sprach Steinmeier von einem "bedauerlichen Zwischenfall", bei dem man die Zahl der zivilen Opfer noch nicht kenne.

hen/dpa/APD

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lebenslang 04.12.2009
1.
vom militärischen standpunkt her ist es egal, die bundeswehr wurde von der regierung und der deutschen öffentlichkeit soweit in ihrer militärischen funktionstüchtigkeit herabgedrückt, dass sie mit 4500 oder 6500 mann eh kaum etwas gescheites auf die beine stellen wird. wichtig sind diese 2000 man eher als symbolische geste den kampf der amerikaner und briten sichtbar unterstützen zu wollen.
reinhard_m, 04.12.2009
2.
Zitat von lebenslangvom militärischen standpunkt her ist es egal, die bundeswehr wurde von der regierung und der deutschen öffentlichkeit soweit in ihrer militärischen funktionstüchtigkeit herabgedrückt, dass sie mit 4500 oder 6500 mann eh kaum etwas gescheites auf die beine stellen wird. wichtig sind diese 2000 man eher als symbolische geste den kampf der amerikaner und briten sichtbar unterstützen zu wollen.
Aber es kostet wieder eine Menge Geld für nichts.
sagichned 04.12.2009
3.
Zitat von lebenslangvom militärischen standpunkt her ist es egal, die bundeswehr wurde von der regierung und der deutschen öffentlichkeit soweit in ihrer militärischen funktionstüchtigkeit herabgedrückt, dass sie mit 4500 oder 6500 mann eh kaum etwas gescheites auf die beine stellen wird. wichtig sind diese 2000 man eher als symbolische geste den kampf der amerikaner und briten sichtbar unterstützen zu wollen.
Ja, jetzt ist die öffentlichkeit schuld für das von anfang an zum scheitern verdammte abenteuer.
lebenslang 04.12.2009
4.
Zitat von reinhard_mAber es kostet wieder eine Menge Geld für nichts.
abgerechnet wird wie im zum schluss.
lebenslang 04.12.2009
5.
Zitat von sagichnedJa, jetzt ist die öffentlichkeit schuld für das von anfang an zum scheitern verdammte abenteuer.
zumindest ist sie dafür mitverantwortlich wenn es scheitern sollte. allerdings ist dies dann nicht auf deren eigenem mist gewachsen sondern ergebnis einer völlig verfehlten informationspolitik der bundesregierung.
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