Seehofer gegen Söder Harmonie im Hochzeitszimmer

Kerzen, Lebkuchen und Pferdekutschen: Bei einem Spaziergang über den Nürnberger Christkindlesmarkt marschieren der bayerische Ministerpräsident und sein Finanzminister Seite an Seite. Ist jetzt wieder alles gut zwischen den CSU-Streithanseln Seehofer und Söder?

dapd

Von , Nürnberg


Nürnberg - Der Tisch ist nicht so lang, dass fünf wichtige Persönlichkeiten dort bequem sitzen könnten. Vor allem solche mit breiter Brust. Am Dienstag gibt es eine der typischen Pressekonferenzen nach einer bayerischen Kabinettssitzung, vorne die Politiker in einer Reihe, jeder mit Namensschild und Mikrophon, gegenüber ein Pulk von Journalisten und Kameraleuten.

Vorne ist es verdammt eng. Vier schwere Männer der Staatsregierung pressen sich aneinander, links außen sieht man eine eher zierliche Staatssekretärin. In der Mitte sitzt der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und rechts neben ihm Finanzminister Markus Söder. Zwei Kontrahenten und ein mächtiges Zerwürfnis. Jetzt reiben sich ihre Oberarme aneinander, es geht gar nicht anders. Wenn einer nach dem Wasserglas greift oder die Hände bewegt, rumpelt er dem anderen in die Seite. Selten sah man einen solchen Schulterschluss in der Partei. Wenn auch unter Zwang.

Irgendwann knickt Seehofer weg und sinkt nach hinten. Ein Symbol? Möglich. Es ist sowieso beileibe nicht der Tag des Horst Seehofer, dieser werbeträchtige Auftritt in Nürnberg.

Das Kabinett, so war es seit langem geplant, hat das Arbeitsjahr in der mittelfränkischen Stadt beendet, spaziert nach der Tagung über den Christkindlesmarkt und wünscht sich dann bei einem Gottesdienst Frohe Weihnachten. Außerdem geht es um viel Geld.

Franken bekommt vom Freistaat ein paar hundert Millionen Euro für Kultur und Infrastruktur. Nürnberg ist die Heimat von Söder. Dem CSU-Kronprinzen, von dem Seehofer vor gut einer Woche öffentlich behauptet hatte, er verfüge über charakterliche Schwächen und krankhaften Ehrgeiz. Innerhalb nur weniger Tage erreichten Mediatoren der Landtagsfraktion eine vorübergehende Versöhnung, und die galt es am Dienstagnachmittag in der alten Kaiserburg der Dürer-Stadt zu demonstrieren.

Im Hochzeitszimmer der Burg, unter der Granittafel mit den Namen von Kaisern und Königen, bemühen sich beide Seiten um die nötigsten Höflichkeiten. Ab und an flüstert man sich ein paar Worte ins Ohr, das Signal für die Kameras ist klar: Wir verstehen uns, es geht um die Sache, es geht um Bayern.

Selbst der Kotau klingt spöttisch

Einmal macht Seehofer den Kotau, doch auch das klingt bei ihm schon wieder spöttisch. Als er nach Geld fürs Staatstheater gefragt wird, sagt der Ministerpräsident: "Die wichtigen Fragen beantwortet bei uns der Finanzminister." So, wie Seehofer dazu lacht, als würde sich sein ganzer Rumpf vor Freude schütteln, könnte es auch heißen: "Was interessiert mich ein Staatstheater in Franken, fragt doch den Lokalpolitiker."

Die Inszenierung in Nürnberg ist irgendwie zu aufwändig. Echtes Einverständnis ist unkomplizierter. Der Burgfrieden ist der Vernunft geschuldet, wenn alles gut geht könnte er bis zur Wahl im nächsten Herbst andauern. In warme Mäntel gehüllt stehen Seehofer und Söder wenig später dicht nebeneinander im Pfarrhof der St. Sebald Kirche. Kerzen brennen, es werden Glühwein und Plätzchen gereicht, auf einem Holzbalkon schmettern Bläser das Weihnachtsstück "Tochter Zion - freue dich". Nur so recht zu freuen scheint sich niemand.

Wenn nicht gefilmt wird, zieht Söder die Stirn in Falten und blickt ins Leere. Die Damen und Herren des Kabinetts treten von einem Bein aufs andere, sie wollen zurück nach München und dann nach Hause, statt dessen müssen sie hier die heilige CSU-Familie spielen. Hinter dem breiten Rücken ihrer Vorsitzenden marschiert der Tross über den Weihnachtsmarkt. Seehofer plaudert vor Pferdekutschen, Bratwurstständen und vor allem vor Kameras, der Abend wird länger als befürchtet. Immerhin, alle haben sich vertragen. Kein neuer Streit, keine neuen Gemeinheiten, zumindest nicht so kurz vor Heilig Abend.

Der Ministerpräsident sagt dann noch, man habe das Jahr friedlich, freundlich und fröhlich ausklingen lassen. Und dass es in Bayern neben München ein zweites Kraftzentrum gebe, nämlich in Nürnberg. Gut möglich, dass das Duell zwischen beiden erst begonnen hat.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
steiger68 18.12.2012
1. Ein altes Sprichwort....
Zitat von sysopdapdKerzen, Lebkuchen und Pferdekutschen: Bei einem Spaziergang über den Nürnberger Christkindlesmarkt marschieren der bayerische Ministerpräsident und sein Finanzminister Seite an Seite. Ist jetzt wieder alles gut zwischen den CSU-Streithanseln Seehofer und Söder? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/laesterattacke-seehofer-und-soeder-zeigen-sich-demonstrativ-harmonisch-a-873728.html
... mehr gibt es zu dieser Meldung über die Populisten Seehofer und Söder nicht zu sagen: "Pack schlägt sich- Pack verträgt sich"!!!
Schroekel 18.12.2012
2. jo mei...
Zitat von sysopdapdKerzen, Lebkuchen und Pferdekutschen: Bei einem Spaziergang über den Nürnberger Christkindlesmarkt marschieren der bayerische Ministerpräsident und sein Finanzminister Seite an Seite. Ist jetzt wieder alles gut zwischen den CSU-Streithanseln Seehofer und Söder? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/laesterattacke-seehofer-und-soeder-zeigen-sich-demonstrativ-harmonisch-a-873728.html
... mir san halt mir. und übahaupt, sowahs geaht nicht nur inna csu so, sowas ist innar politiek üperall iedentisch dah fall. nuar dass da söder an varrükter is der unbedingt franz josef spülln wüll un da seehofa an alta integrant. machtjanix. is eh nur bayan.
abcabab 18.12.2012
3. Dieser ganze CSU-Firlefanz
ist weder Yin noch Yang, sondern schlichtweg wurscht.
Chr Suess 18.12.2012
4. Immer das gleiche
Wahrscheinlich hat doch der eine dem anderen mal die Frau ausgespannt. Das ist doch immer so. Bestimmt.
madmatl 18.12.2012
5.
Zitat von Schroekel... mir san halt mir. und übahaupt, sowahs geaht nicht nur inna csu so, sowas ist innar politiek üperall iedentisch dah fall. nuar dass da söder an varrükter is der unbedingt franz josef spülln wüll un da seehofa an alta integrant. machtjanix. is eh nur bayan.
leiden Sie unter Legasthenie oder sind sie einfach nur betrunken? Dialekt war das nämlich nicht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.