NRW-Wahldebakel: Lafontaine will Linke im Handstreich übernehmen

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Die Linke steht nach der Wahlpleite in NRW vor der Zerreißprobe: Oskar Lafontaine stellt nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen Bedingungen für eine Kandidatur als Parteichef, die selbst enge Parteifreunde ablehnen. So will er seine Lebensgefährtin Wagenknecht zur Fraktionschefin machen.

Linke-Politiker Lafontaine: Harte Bedingungen für eine mögliche Rückkehr als Parteichef Zur Großansicht
dapd

Linke-Politiker Lafontaine: Harte Bedingungen für eine mögliche Rückkehr als Parteichef

Hamburg - Oskar Lafontaine verfolgt das Schauspiel, das sich derzeit bei der Linken in der Berliner Parteizentrale vollzieht, noch aus der Distanz. Erst am Dienstag will er aus dem Saarland in die Hauptstadt reisen, dann treffen sich der geschäftsführende Parteivorstand und die Landesvorsitzenden, aber schon an diesem Montag sind führende Genossen im Karl-Liebknecht-Haus versammelt: Der Parteivorstand ist zusammengekommen. Offiziell steht die Analyse des Debakels bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen auf der Tagesordnung - mehr noch geht es dabei aber um die Frage, wer künftig die kriselnde Partei führen soll, die den Rauswurf aus den Landtagen in Kiel und Düsseldorf verkraften muss - und um ihre Existenz in den westlichen Bundesländern fürchtet.

Wochenlang hatte Lafontaine zu seinen eigenen Plänen geschwiegen und darauf verwiesen, die Landtagswahlen in NRW und Schleswig-Holstein abzuwarten. Jetzt ist er offenbar zu einer Kandidatur für das höchste Parteiamt bereit - knüpft seine mögliche Kandidatur aber an Bedingungen, die die Linke vor eine Zerreißprobe stellen.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE aus Parteikreisen hat der Saarländer vor allem drei Bedingungen für seine mögliche Kandidatur gestellt:

  • Sahra Wagenknecht, Lafontaines Weggefährtin, Vize-Parteichefin und stellvertretende Fraktionschefin, soll zur Vorsitzenden der Fraktion aufsteigen und damit Gregor Gysi gleichgestellt werden.
  • Heinz Bierbaum, bisher stellvertretender Parteichef und Vertrauter des Saarländers, soll nach dem Willen Lafontaines den Posten des Bundesschatzmeisters übernehmen.
  • Dietmar Bartsch, bisher der einzige offizielle Kandidat für den Posten des Parteichefs und Widersacher des 68-Jährigen, soll lediglich Parteivize werden.

Fraktionschef Gregor Gysi wehrt sich demnach bislang strikt gegen Lafontaines Forderung, Wagenknecht zur Co-Vorsitzenden in der Fraktion zu machen. "Ich hoffe, dass Gysi in dieser Frage standhaft bleibt", sagte eine einflussreiche Linke SPIEGEL ONLINE.

Bartsch hat am Montag erneut angekündigt, an seiner Kandidatur für den Parteitag in Göttingen am 2. und 3. Juni festzuhalten. "Wie ich es im November 2011 angekündigt habe, werde ich in Göttingen als Parteivorsitzender kandidieren", erklärte Bartsch.

"Gestus des Retters"

Der Partei droht damit eine Kampfkandidatur zwischen Bartsch und Lafontaine. Der Ausgang gilt in der Linken als offen. Der in Stralsund geborene Bartsch wird dem Kreis der Reformer zugerechnet, die ihre Partei in Koalitionen mit SPD und Grünen führen wollen, Lafontaine dagegen setzt auf einen scharfen Kurs vor allem gegen die Sozialdemokraten. Bartschs Unterstützer kommen vor allem aus den ostdeutschen Landesverbänden, die Anhänger Lafontaines stammen eher aus dem Westen. Im Fall einer Kampfabstimmung in Göttingen zwischen Bartsch und Lafontaine wäre der Ausgang "völlig unberechenbar", sagte ein Genosse.

Noch ist aber völlig unklar, ob es dazu kommt. In Parteikreisen heißt es, dass Lafontaine sich möglicherweise gegen eine eigene Kandidatur entscheiden könnte, sollten seine Bedingungen nicht erfüllt werden. In dem Fall wird damit gerechnet, dass er den amtierenden Vorsitzenden Klaus Ernst für eine zweite Amtszeit vorschlägt. Ernst gilt als Vertrauter des Saarländers. Der frühere Bevollmächtigte der IG Metall hatte am Montag erklärt, dass er "selbstverständlich" für eine Kandidatur Lafontaines sei.

"Ich werde mir zuerst anhören, was die anderen sagen", sagte Lafontaine in einem Rundfunk-Interview am Montag über das Parteitreffen am Dienstag und sein mögliches Comeback. "Es kann ja auch sein, dass niemand jetzt nach dieser Wahl diese Lösung für richtig hält, sondern andere Lösungen befürwortet werden."

Vor allem bei ostdeutschen Linken ist die Verärgerung über das Taktieren des früheren Parteichefs derzeit groß. "Oskar Lafontaine hätte schon vor Wochen die Karten auf den Tisch legen können", sagte Bodo Ramelow, Linke-Fraktionschef in Thüringen, SPIEGEL ONLINE. "Jetzt tritt er plötzlich mit dem Gestus des Retters auf, der uns zeigen will, wie man die Partei wieder nach vorne bringt. Das passt nicht zu einer emanzipatorischen Linken."

Auch Steffen Bockhahn, Linke-Chef in Mecklenburg-Vorpommern, bezog eine klare Position: Er sei dafür, "Klaus Ernst abzulösen - allerdings durch Dietmar Bartsch".

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1. ..wie die Vielzahl der Kommentare hier zeigt...
cerberus99 14.05.2012
...lohnt es nicht mehr, die Kapriolen der Linken-Grnaden zu kommentieren. Die Partei hat fertig.
2. ***
wolly21 14.05.2012
Zitat von sysopDie Linke steht nach der Wahlpleite in NRW vor der Zerreißprobe: Oskar Lafontaine stellt nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen Bedingungen für seine Kandidatur als Parteichef, die selbst enge Parteifreunde ablehnen. So will er seine Lebensgefährtin Wagenknecht zur Fraktionschefin machen. Lafontaine contra Bartsch: Linke steht vor Machtkampf - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,833081,00.html)
"Nescio quid mihi magis farcimentum esset" (Bismarck)!
3.
immerfreundlich 14.05.2012
Zitat von sysopDie Linke steht nach der Wahlpleite in NRW vor der Zerreißprobe: Oskar Lafontaine stellt nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen Bedingungen für seine Kandidatur als Parteichef, die selbst enge Parteifreunde ablehnen. So will er seine Lebensgefährtin Wagenknecht zur Fraktionschefin machen. Lafontaine contra Bartsch: Linke steht vor Machtkampf - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,833081,00.html)
So isser halt der Oskar :) in allen Parteinen gleich... wundert sich noch jemand darüber?
4.
DJ Doena 14.05.2012
Ich finde, die Ossis sollten wir ihr eigenes Ding machen. Werden sie halt nie Bundespartei. So what. Ist die CSU ja auch nicht. Aber im Osten ist die Linke wenigstens verankter und bekommt pragmatischen Politikernachwuchs aus den Stadträdten und Gemeinden. Immer nur "nein" sagen ist einfach nur Kinderkram.
5. Wie Napoleon
Ruhri1972 14.05.2012
Die Linke soll sich Lafontaine ergeben. Er will sich die Partei zur Beute machen - kläglich was grade passiert. Mit demokratischen Willensbildungsprozessen hat dies nichts mehr zu tun. Eine Partei schafft sich ab ........
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