Lafontaine-Gattin: Christa Müller wirft Linksfraktion soziale Ungerechtigkeit vor

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Schlagabtausch bei den Linken: Familien-Sprecher Wunderlich wirft der Ehefrau seines Chefs vor, sie rede das Leid von Millionen Frauen klein. Christa Müller bleibt bei ihrem Vergleich vom Kampf gegen Krippenbetreuung und Genitalverstümmelung - und leitet den Gegenangriff ein.

München - Es waren deutliche Worte: Ein scharfer Vergleich zwischen ihrem Kampf gegen die Beschneidung von jungen Frauen und Mädchen mit jenem gegen die Fremdbetreuung von Kindern: "Diesen Vergleich wage ich, denn bei der Genitalverstümmelung handelt es sich um Körperverletzung, bei der Krippenbetreuung in einigen Fällen um seelische Verletzung - und die ist manchmal schlimmer als Körperverletzung", sagte Christa Müller zu SPIEGEL ONLINE.

Linke-Politikerin Müller vor "Intact"-Plakat: "Weiß nicht, wieviele Mädchen Herr Wunderlich gerettet hat"
DPA

Linke-Politikerin Müller vor "Intact"-Plakat: "Weiß nicht, wieviele Mädchen Herr Wunderlich gerettet hat"

Müller ist familienpolitische Sprecherin der Saar-Linken, zudem Ehefrau von Linke-Chef und Fraktionsvorsitzendem Oskar Lafontaine. Mit ihren Vorschlägen zu einem Erziehungsgehalt von anfangs 1600 Euro pro Monat und Kindhat sie ihre Partei in der Vergangenheit gegen sich aufgebracht. Der Beschneidungsvergleich führt nun zur harten Auseinandersetzung zwischen Lafontaines Linksfraktion in Berlin und Christa Müller im Saarland.

Müller kämpfe "nicht für mehr Gestaltungsspielräume für Familien, sondern gegen den Krippenausbau und für ein traditionelles Familienbild", empörte sich Jörn Wunderlich, der familienpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag: "Mit ihrer unerträglichen Gleichstellung von Genitalverstümmelung und Krippenbetreuung redet Christa Müller das Leid von Millionen Frauen klein, die weltweit Genitalverstümmelungen erlitten haben." Die Lafontaine-Gattin beleidige Eltern und Erzieher, "die für unsere Kinder nur das Beste wollen".

Christa Müller wies die Kritik auf SPIEGEL ONLINE zurück: "Ich bleibe bei dem Vergleich. Zwar nicht in jedem Einzelfall, aber für manche Kinder ist Krippenbetreuung eine traumatische Erfahrung, wenn sie zu früh und zu abrupt von ihrer Bindungsperson getrennt werden."

Die Argumentation ihres Parteifreundes Wunderlich kontert Müller als Vorsitzende von "Intact", einer Organisation zur Bekämpfung der Genitalverstümmelung von Frauen: "Ich weiß nicht, wieviel Mädchen Herr Wunderlich vor Beschneidung gerettet hat, aber der Verein 'Intact', den ich 1996 mitgegründet habe, hat Zehntausende von Mädchen in Benin, Togo, Burkina Faso und anderswo vor dieser furchtbaren Operation gerettet."

Den Vorwurf, sie kämpfe für ein traditionelles Familienbild, weist Christa Müller als "Irrtum von Herrn Wunderlich" zurück. Denn nach ihrem Modell sollten alle Eltern ein Erziehungsgehalt bekommen: "Die entscheiden dann selbst, ob sie es in einen guten Betreuungsplatz investieren oder die Kinder selbst erziehen." Mit den dafür nach ihrer Rechnung insgesamt benötigten 48 Milliarden Euro werde so "auch ein Beitrag gegen Kinderarmut geleistet".

In diesem Bereich beklagt Müller Defizite der Berliner Linksfraktion: Sprecher Wunderlich habe vor kurzem zwar die "soziale Schieflage beim Elterngeld" moniert und die Anhebung der Mindestauszahlung auf 450 Euro gefordert. Doch sei damit die soziale Ungerechtigkeit nicht behoben: "Wenn das Höchstelterngeld 1800 Euro betragen soll, das Mindestelterngeld aber nach Forderung der Linksfraktion nur 450 Euro, dann soll mir der Herr Wunderlich mal erklären, wo das sozial gerecht ist." So könne man armen Familien nicht helfen, sagte Müller.

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