Lafontaine-Nachfolge Ernst und Lötzsch sollen Linke führen

Die Linke steht offenbar kurz vor einer Neuauflage der Doppelspitze: Wie es aus der Partei heißt, sollen Klaus Ernst und Gesine Lötzsch gemeinsam die Führung übernehmen. Fraktionschef Gregor Gysi bestätigte den Plan.

Führen sie künftig die Partei? Die Linken-Politiker Klaus Ernst und Gesine Lötzsch
dpa

Führen sie künftig die Partei? Die Linken-Politiker Klaus Ernst und Gesine Lötzsch


Berlin - Die Linke soll künftig offenbar von Klaus Ernst und Gesine Lötzsch gemeinsam geführt werden. Parteikreise bestätigten der Nachrichtenagentur dpa am Dienstagmorgen entsprechende Angaben des Berliner Landesvorsitzenden Klaus Lederer.

Lederer sagte am Dienstagmorgen im Deutschlandradio Kultur wörtlich auf die Frage, ob Ernst und Lötzsch die Parteichefs sein werden: "Ja. Das ist jetzt auch kein Wunder." Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi sei nicht bereit gewesen, allein die Parteiführung zu übernehmen.

Gysi bestätigte auf einer Pressekonferenz am Dienstag die Entscheidung, dass Ernst und Lötzsch künftig an der Parteispitze stehen sollen. Es sei darum gegangen, bei dem Personaltableau einen "guten und fairen Kompromiss" zu finden, sagte Gysi. Er sei stolz, dass man so rasch eine Lösung gefunden habe. Sie sei vom geschäftsführenden Vorstand einstimmig beschlossen worden.

Viele Genossen hatten Gysi gedrängt, die Partei zu führen. Der 62-Jährige hatte aber keine großen Ambitionen auf ein weiteres Spitzenamt. Linke-Sprecher Daniel Bartsch konnte entsprechende Berichte zur künftigen Doppelspitze am Dienstagmorgen gegenüber SPIEGEL ONLINE noch nicht bestätigen.

Der geschäftsführende Vorstand saß nach Lederers Angaben bis halb vier Uhr morgens zusammen. Die Neuformierung der Parteiführung war nach dem angekündigten Rückzug der Linke-Chefs Oskar Lafontaine und Lothar Bisky notwendig geworden.

Ernst und Lötzsch galten als Favoriten für den Fall einer Doppelspitze. Der scheidende Parteichef Lafontaine hatte sich für eine Fortsetzung dieser Konstellation stark gemacht. Sie war bisher als Übergangslösung zur Vereinigung der Ost- und Westteile der Linken gedacht und sollte 2010 auslaufen. Nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit könnte der Parteitag eine Satzungsänderung für eine Beibehaltung der Doppelspitze beschließen.

Auch bei der Suche nach einer Nachfolge für den nach Illoyalitätsvorwürfen nicht mehr kandidierenden Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch gibt es den dpa-Informationen zufolge eine Lösung. Künftig soll es zwei Bundesgeschäftsführer geben. Demnach sollen der aus Hessen stammende Fraktionsvize Werner Dreibus und die Bundestagsabgeordnete Caren Lay Nachfolger von Bartsch werden. Neuer Schatzmeister soll nach dpa-Informationen der Bundestagsabgeordnete Raju Sharma aus Schleswig-Holstein werden.

Die Parteigremien und die Landesverbände hatten darauf gedrungen, eine "Gesamtarchitektur" für die neue Parteiführung zu erstellen.

hen/dpa



Forum - Rückzug: Wohin steuert die Linke ohne Lafontaine?
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Seite 1
Roque Spiegel 23.01.2010
1.
Zitat von sysopAusstieg aus der Bundespolitik: Oskar Lafontaine gab Parteivorsitz und Bundestagsmandat ab. Wohin steuert die Linke ohne Oskar Lafontaine?
Hoffentlich wieder dahin, wo sie vor seinem Einstieg mit Gysi unter dem Namen PDS rumkrebste (jedenfalls auf bundespolitischer Ebene). Das halte ich auch gar nicht für so unwahrscheinlich, nachdem die Bevölkerung so langsam aber sicher irritiert ist, dass die Linke immer noch kein Parteiprogramm auf die Beine gestellt hat und die Zugfigur Lafontaine sich verabschiedet.
Klaus.G 23.01.2010
2. Nun..........
das ist definitiv das Ende der Linken. In NRW wird die Linke scheitern und in keinem einigen Parlament im Westen mehr einziehen. Bei der SPD können die Sektkorken knallen und die Wirtschaft kann dies auch tun. Jetzt ist der Weg entgültig frei für eine völlige Zerstörung der sozialen Marktwirtschaft. Es ist einfach unverantwortlich von Oskar Lafontaine jetzt auch noch den Parteivorsitz hinzuschmeissen. Die Linken die auf einen gleichwertigern Ersat im Westen spekulieren werden sich noch wundern. Der Abstieg der Linken hat heute begonnen. Glückauf!
Kalix 23.01.2010
3. Der Weg in die Bedeutungslosigkeit hat begonnen.
Mit Rückgang der Akzeptanz im Westen fehlen der LINKE 3 - 4 % bundesweit. Kommt es im Osten zu einer neuen Fokussierung zwischen Altkommunisten und Reformern, kommen dann noch 1x 2 - 3 % Verlust dazu - das war's.
UweKarl 23.01.2010
4. Na denn
und Tschüss......ohne Bedauern Uwe Karl
Langles 23.01.2010
5.
Zitat von sysopAusstieg aus der Bundespolitik: Oskar Lafontaine gab Parteivorsitz und Bundestagsmandat ab. Wohin steuert die Linke ohne Oskar Lafontaine?
In Richtung ortsspezifischer Bedeutung, gleichsam die Rolle einer Ost-CSU einnehmend. (Zu Lafontaines Rückzug wären mir auch noch ein paar Sätze eingefallen, aber man sollte wohl zumindest abwarten, inwieweit das direkt mit seinem gesundheitlichen Zustand zu tun hat.)
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