Streit um Parteivorsitz: Linke stoppt Lafontaines Durchmarsch

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Viereinhalb Stunden saßen die Linken-Landeschefs mit der Parteiführung in Berlin zusammen - am Ende vertagten sie die Führungsfrage. So einfach wird es also nicht für Oskar Lafontaine. Denn sein Widersacher Dietmar Bartsch hält an seiner Kandidatur für den Parteivorsitz fest.

DPA

Berlin - Es ist dann doch nicht die umjubelte Wiederkehr geworden. Wobei Oskar Lafontaine, der alte politische Fuchs, das wohl schon geahnt hat vor der Sitzung der Linken-Spitze und -Landesvorsitzenden in Berlin. Zu deutlich hatten sich manche im Vorfeld gegen seine Ambitionen ausgesprochen. Viereinhalb Stunden saßen sie im Karl-Liebknecht-Haus zusammen - am Ende musste Noch-Parteichef Klaus Ernst tapfer verkünden, "dass die Debatte weiter geführt wird". Die Debatte also, ob Lafontaine unter seinen Bedingungen erneut Parteichef wird oder Gegenspieler Dietmar Bartsch künftig die Linke führt.

Mit anderen Worten: Das Duell Lafontaine gegen Bartsch geht in die nächste Runde.

Aus Sicht des Reformerflügels, für den Bartsch steht, ist das bereits ein Erfolg. Denn es zeigt, dass Ex-Parteichef Lafontaine eben längst nicht mehr der Riese von einst ist. Die Zeiten sind vorbei, in denen der Mann aus dem Saarland die Partei in der Hand hatte. Klar, mit Lafontaines Wirkmächtigkeit kann in der Linken niemand mithalten. Aber er hat sich auch zu viele Gegner in der Partei gemacht - und sein Beton-Oppositions-Kurs ist inzwischen umstritten.

Eine Kampfkandidatur gegen Bartsch komme für ihn nicht in Frage, hatte Lafontaine vor der Sitzung in Berlin erklärt, seine Bereitschaft für den Parteivorsitz sei zudem "an Voraussetzungen geknüpft". Die Fans des Saarländers, also vor allem die West-Linken, würden dies liebend gerne erfüllen. Zum Beispiel, Lafontaines Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht zur Fraktionschefin im Bundestag zu machen. Aber das kommt für die Reformer - weitestgehend aus den neuen Ländern - nicht in Frage.

Und offensichtlich ist auch Fraktionschef Gregor Gysi, der sich bei der letzten großen Auseinandersetzung gegen seinen langjährigen Vertrauten Bartsch gestellt und Lafontaine klein bei gegeben hatte, dazu diesmal nicht mehr bereit.

Doch die viereinhalb Stunden in der Linken-Parteizentrale haben eben auch gezeigt, dass die Reformer zwar Lafontaine fürs Erste verhindern konnten - nur die Kraft, ihn unmissverständlich wieder zurück ins Saarland zu schicken, fehlt ihnen bisher.

"Sehr kulturvolle" Debatte

Immerhin kam es nicht zum großen Knall im Karl-Liebknecht-Haus. Die Spaltung der Partei, über die manche bereits unken, scheint noch nicht bevorzustehen. "Sehr kulturvoll" habe man miteinander diskutiert, berichtete Parteichef Ernst im Anschluss, Teilnehmer bestätigten diese Einschätzung. Lafontaine und Bartsch gaben demnach jeweils längere Eingangs-Statements ab, dann durften sich die Sitzungsteilnehmer zu Wort melden.

Aber alle Gesprächskultur hilft nichts - der Partei rennt nun die Zeit davon. Nicht nur, weil sie dringend den Abwärtstrend nach den vergeigten Wahlen in Nordhein-Westfalen und Schleswig-Holsteinstoppen muss: Schon in zweieinhalb Wochen trifft sich die Linke zum Bundesparteitag in Göttingen. Bis dahin muss ein Personaltableau stehen, hinter dem große Teile der Partei stehen. Lafontaine oder Bartsch - damit ist es ja nicht getan: Dem Linken-Statut zufolge muss an der Parteispitze auch eine Frau stehen. Der entsprechende Suchauftrag gestaltet sich offenbar sehr schwierig.

Vize-Parteichefin Katja Kipping, die selbst als junge Mutter nicht für den Vorsitz bereit steht, hat inzwischen sogar eine weibliche Doppel-Spitze ins Gespräch gebracht, sollten sich die beiden prominenten Männer nicht einigen. Wer diese Frauen sein würden, ist aber genauso offen. Nach dem Rücktritt der bisherigen Vorsitzenden Gesine Lötzsch aus familiären Gründen hat bisher noch keine Frau ihre Kandidatur erklärt.

Mancher Reformer ist deshalb trotz des abgewehrten Lafontaine-Angriffs unzufrieden. Beispielsweise Bodo Ramelow, Linken-Fraktionschef im Thüringer Landtag. "Das hätte man schon Anfang des Jahres entscheiden müssen", sagt er. Seine Kritik richtet sich an die Parteiführung, insbesondere den Vorsitzenden Ernst. Die ungeklärte Führungsfrage "schadet uns", findet Ramelow.

Die letzten beiden Landtagswahlen und die Umfragen zeigen, dass er mit dieser Einschätzung nicht alleine ist.

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insgesamt 41 Beiträge
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1.
Flari 15.05.2012
Es ist fürchterlich, wie sich die Linke selber auf/durch die Führungsebene schadet. Als "Die Linke"-Wähler habe ich vorgestern auf meine Stimmenabgabe verzichtet. War also ein aktiver Nichtwähler.. Ausgelöst durch den Unsinn, den die Parteispitze derzeit schon etwas länger veranstaltet. Und einige andere aus meinem Bekanntenkreis haben gleich gehandelt. Bisher hätte ich nichts dagegen gehabt, dass Lafontaine an die Spitze geht. Und Wagenknecht halte ich für eine ganz hervorragende Denkerin, auch wenn ich manchen ihrer Ansichten nicht zustimme. Aber nach dieser abstrusen Forderung von Oskar, ist der für mich gestorben. Bartsch ist ein ganz hervorragender Mann! Vielleicht insgesamt besser als Oskar. Jetzt auf jeden Fall.
2.
singer75 15.05.2012
Zitat von sysopViereinhalb Stunden saßen die Linken-Landeschefs mit der Parteiführung in Berlin zusammen - am Ende vertagten sie die Führungsfrage. So einfach wird es also nicht für Oskar Lafontaine. Denn sein Widersacher Dietmar Bartsch hält an seiner Kandidatur für den Parteivorsitz fest. Lafontaine vs. Bartsch: Noch keine Entscheidung im Linken-Führungszoff - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,833369,00.html)
Die Linke scheint, im Gegensatz zu anderen Parteien, das Problem zu haben, zu viele gute Leute zu haben. Vielleicht sollten Sie es einfach bei der Parteiführung mit all den Mitgliedern lassen, eine Art Rat der Weisen. Kann doch nicht wirklich schaden.
3. Wenn die LINKE ...
MephistoX 15.05.2012
Zitat von sysopViereinhalb Stunden saßen die Linken-Landeschefs mit der Parteiführung in Berlin zusammen - am Ende vertagten sie die Führungsfrage. So einfach wird es also nicht für Oskar Lafontaine. Denn sein Widersacher Dietmar Bartsch hält an seiner Kandidatur für den Parteivorsitz fest. Lafontaine vs. Bartsch: Noch keine Entscheidung im Linken-Führungszoff - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,833369,00.html)
... sich Lafontaines Bedingungen "diktieren" und sich somit erpressen lässt, wird Laffi nicht nur der Gründer, sondern auch der Vernichter der LINKEN sein. Ich drücke als Sozi den "Realos" um Bartsch die Daumen, dass sie sich gegen den egozentrisch-narzisstischen Populisten Lafontaine durchsetzen werden. Laffi ist kein Polit-"Messias", seine Zeit ist längst abgelaufen und er ist alles andere als "alternativlos". Auch Gysi wird ihm nicht mehr bis zum Abwinken seine Loyalität bekunden - und das ist gut so !
4. Galionfigur und Schild einer Partei
El Plagiator 15.05.2012
Zitat von singer75Vielleicht sollten Sie es einfach bei der Parteiführung mit all den Mitgliedern lassen, eine Art Rat der Weisen. Kann doch nicht wirklich schaden.
Ein Parteivorsitzender trägt den Kurs einer Partei nach Außen und bestimmt ihn innerhalb der Partei. Der Kurs kann nur so weit bestimmt werden wie die Basis bereit ist mitzugehen. Steht die Partei nicht hinter dem Parteivorsitzenden blamiert er sich mit allem was er sagt bei den Wählern und muss gehen. Steht die Partei zu ihrem Vorsitzenden demonstriert das nach Außen Geschlossenheit. Die Person steht für die Inhalte der Partei und fällt tief sobald es kriselt, harter Kern und vorderste Front in einem. Ein "Rat der Weisen" klingt nobel, wirkt aber feige. Ratsmitglieder können und würden sich hinter Gleichgestellten verstecken und die Schuld von sich schieben wenn etwas schief geht. Selbst wenn es gut läuft gäbe es Streit weil sich jeder mit Erfolg schmücken wollte. Ein guter Parteivorsitzender macht eigene Erfolge zu Erfolgen der Partei und Niederlagen der Partei zu allein seinen. Dafür muss er sich der Zustimmung der Basis sicher sein. Lafontaine hat Recht nur im Falle voller Zustimmung zu kandidieren. Einigt die Partei sich auf Lafontain darf Deutschland auf eine Linkspartei hoffen die links von der SPD realistische Vorhaben anstrebt um vernatwortlich Politik zu machen anstatt wie bisher so sehr an den eigenen Utopien zu zweifeln dass jede Verantwortung prophylaktisch abgelehnt wird. Die inhaltliche Fusion von PDS und WASG ist gescheitert. Die LINKE kann sich für eine Richtung entscheiden und hoffen oder weiter machen wie bisher und auf den sicheren Untergang warten.
5. Weiter so!
c59 15.05.2012
Zitat von sysopViereinhalb Stunden saßen die Linken-Landeschefs mit der Parteiführung in Berlin zusammen - am Ende vertagten sie die Führungsfrage. So einfach wird es also nicht für Oskar Lafontaine. Denn sein Widersacher Dietmar Bartsch hält an seiner Kandidatur für den Parteivorsitz fest. Lafontaine vs. Bartsch: Noch keine Entscheidung im Linken-Führungszoff - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,833369,00.html)
Ist doch schön, wenn diese Quatschköpfe sich herzlich mit sich selbst beschäftigen. Weiter so Randsplittergruppe. Um so weniger stört ihr andere beim regieren mit euren verqueren Ideen.
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