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Angeblicher Todesfall am Lageso in Berlin: "Alles frei erfunden"

Wartende Flüchtlinge vor dem Lageso (Archiv): Seit Monaten schwer in der Kritik Zur Großansicht
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Wartende Flüchtlinge vor dem Lageso (Archiv): Seit Monaten schwer in der Kritik

Die Berliner Polizei hat den Helfer befragt, der vom angeblichen Tod eines Flüchtlings berichtet hatte. Der Mann gab demnach zu, dass die Geschichte erfunden ist. Es gibt den toten Syrer nicht.

Die Meldung, in Berlin sei ein syrischer Flüchtling nach langem Warten vor dem Lageso gestorben, ist nach Angaben der Polizei falsch. Ein Flüchtlingshelfer hatte zunächst vom angeblichen Tod des Syrers berichtet.

Doch nach der Vernehmung des Mannes teilte ein Behördensprecher am späten Mittwochabend mit: "Er hat zugegeben, dass er alles frei erfunden hat." Bereits nach der ersten Befragung des Mannes hatte eine Polizeisprecherin klargestellt: "Wir haben keinen toten Flüchtling." Der Helfer habe zwar "die ganze Republik verrückt gemacht" - aber eine Straftat sei sein folgenreicher Internet-Eintrag nicht.

Der Helfer hatte bei Facebook mitgeteilt, den angeblich stark fiebernden Flüchtling zunächst zu sich nach Hause geholt zu haben. Wegen seines schlechten Zustandes sei der Syrer dann von einem Krankenwagen abgeholt worden, sei aber auf dem Weg in die Klinik gestorben. Die Flüchtlingsinitiative "Moabit hilft" hatte die angebliche Information über den verstorbenen Syrer verbreitet. Auch SPIEGEL ONLINE hatte nach Rücksprache mit der Initiative über den Fall berichtet.

Eine Sprecherin von "Moabit hilft" hatte den Helfer als sehr vertrauenswürdig bezeichnet. Er habe per SMS mitgeteilt, sich zunächst nicht äußern und sich noch früh genug an die zuständigen Behörden wenden zu wollen. Den Angaben zufolge verbarrikadierte sich der Mann zwischenzeitlich in seiner Wohnung.

Im Laufe des Tages verdichteten sich die Zweifel an seiner Geschichte. Vor der Polizei hatte bereits die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales betont, die Behauptung habe sich nicht bestätigen lassen. "Wir haben alle Aufnahme-Krankenhäuser abgefragt", sagte eine Sprecherin. "Dort gibt es keine Informationen darüber." Auch ein Sprecher der Feuerwehr sagte, sämtliche Einsätze des Rettungsdienstes in dem entsprechenden Zeitraum seien geprüft worden - allerdings ohne Ergebnis.

Das Lageso steht seit Monaten schwer in der Kritik. Zuletzt war mit Sebastian Muschter ein Unternehmensberater an die Spitze der Behörde gerückt.

Das Bündnis "Moabit hilft" hatte einen Rücktritt des Sozialsenators Mario Czaja ins Spiel gebracht, sollte sich der Fall bewahrheiten. Der CDU-Politiker sagte nun in der RBB-"Abendschau", eine weitere enge Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern sei sehr wichtig. Mit Blick auf den Helfer ergänzte Czaja: "Ich bin nicht der Auffassung, dass man zu Vorverurteilungen oder Allgemeinverurteilungen kommen sollte, wenn eine Person etwas getan hat, das für uns schwer verständlich ist."

mka/aar/dpa

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