Landrätin-Affäre "Sankt Pauli", das Höschen und die Brief-Fehde

Die Fotos von CSU-Rebellin Gabriele Pauli in "Park Avenue" stoßen auf Empörung: bei der Landrätin selbst. In einem offenen Brief attackiert sie die Macher der Zeitschrift, wirft ihnen Unseriosität vor. Die Magazin-Macher reagieren verwundert - und kontern.

Von Franziska Badenschier und


Hamburg/München - Mit schwarz-glänzenden eingeölten Latex-Handschuhen und rothaariger Perücke, im goldenen Stretch-Mini und auf High Heels im Cocktailkleid aus schwarzer Seide, in verruchten Posen, dazu ein lasziver Blick: Gabi, der Vamp - Pauli, die Latex-Landrätin. So ist die CSU-Rebellin in einer Fotostrecke der heute erschienenen Ausgabe des Lifestyle-Magazins "Park Avenue" zu sehen, unter dem Titel "Sankt Pauli".

"Mausgraue Politiker gibt es zu Genüge", rechtfertigte sich Gabriele Pauli noch gestern im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Doch da will sie nur einige Bilder gekannt haben, aber nicht den Text, den die Redaktion von "Park Avenue" dazu schrieb. Auszug: "Die Unterhose drückt sich unfotogen unterm Kleid durch? Sie zieht sie aus und lässt sie diskret in ihrer Handtasche verschwinden."

Pauli: "Stets von einer ernsthaften Aufmachung ausgegangen"

Als sie an diesem Mittwoch den Text liest, ist für Gabriele Pauli der Spaß zu Ende. Umgehend schreibt sie einen offenen Brief an Michael Stoessinger, Redaktionsleiter von "Park Avenue".

"Sehr geehrter Herr Stoessinger, auf die Fotostrecke in Ihrem Magazin habe ich mich sehr gefreut", heißt es da zu Beginn. Dann schreibt Gabriele Pauli Klartext: "Der Titel 'Sankt Pauli' in der Überschrift verbunden mit sehr gezielten Foto-Ausschnitten und einigen Textpassagen erwecken bei vielen Betrachtern eine Assoziation, die ich nicht hinnehmen kann."

Sie sei "stets von einer absolut ernsthaften Aufmachung der Fotostrecke ausgegangen", so Pauli in dem Schreiben. Sie habe Aufnahmen und Interview zugestimmt, nachdem ihr "beispielhaft andere Interviews Ihres Magazins" vorgelegt worden seien, "die seriös und sympathisch waren". Sie habe deshalb "entsprechendes Niveau und Professionalität" erwartet.

Empörung über die "Höschen-Passage"

Dann rechnet Pauli mit den Zeitschriften-Machern wegen der Höschen-Passage ab: Es sei nicht abgesprochen gewesen, "dass ich auch während des Fotoshootings 'unter Beobachtung' stehe und private Äußerungen oder Handlungen während des Shootings in den Text einfließen. Bezug nehmend auf die 'Höschen-Passage' möchte ich feststellen, dass ich zur Wahrung meiner Privatsphäre alle Anwesenden darum gebeten hatte, den Raum zu verlassen."

Gabriele Pauli empört: "In jedem Fall hätten Sie die gewählte provokante Aufmachung mit mir absprechen und mir den Text zur Autorisierung vorlegen müssen." Ihr Büro habe "mehrfach darum gebeten", Text und Fotos vorab zu erhalten. Während aber Fernsehsender und Zeitungen "von Ihnen (gezielt?) beliefert wurden", habe sie bis heute keinen Abzug erhalten.

Gabriele Pauli wirft "Park Avenue" vor, die "Grenze seriöser Berichterstattung" überschritten zu haben - "ungeachtet des Ansehens meiner Person". Pauli fordert abschließend den Redaktionsleiter zu einer "umgehenden Stellungnahme" auf und stellt fest: "Ihre Methoden sind untragbar."

"Park Avenue": Pauli hat Zitate autorisiert, Bilder freigegeben

Die Redaktion von "Park Avenue" ist sich hingegen keiner Schuld bewusst, sondern verwundert. "Mit Erstaunen haben wir die Stellungnahme von Frau Dr. Pauli zur Kenntnis genommen", heißt es in einer Stellungnahme. In der werden Paulis Vorwürfe dementiert: Vor Drucklegung der neuen Ausgabe habe es von Frau Pauli "keine Anfrage bezüglich der Bilder oder Bildstrecke" gegeben. Außerdem habe die Redaktion gestern nach Anfragen anderer Redaktionen, die Bilder vorab zeigen zu dürfen, um eine Freigabe für andere Medien gebeten, woraufhin das Büro die Freigabe schriftlich erteilt habe. Außerdem seien "sämtliche Zitate" zur Autorisierung freigegeben worden.

"Im Zusammenhang mit der Bildstrecke sagte Frau Pauli: 'Es ist genau das richtige Kontrastprogramm.'", heißt es in dem "Park Avenue"-Schreiben weiter. Außerdem wird erwähnt, dass ein Bekannter der Landrätin alle Motive für den privaten Gebrauch der Landrätin mitfotografiert habe.



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