Wahlanalysen Wie die SPD Rheinland-Pfalz verteidigt

Die SPD hat sich in Rheinland-Pfalz deutlich gegen die CDU durchgesetzt - sie profitiert von ihrer Spitzenkandidatin Malu Dreyer, die bei weiblichen Wählern und Ex-Grünen gut ankommt. Alle Analysegrafiken.

SPD-Politikerin Malu Dreyer
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SPD-Politikerin Malu Dreyer

Von , und (Grafiken)


Monatelang lag die SPD in Rheinland-Pfalz abgeschlagen hinter der CDU - Julia Klöckner wurde schon als neue Ministerpräsidentin gesehen. Doch die strahlende Siegerin heißt: Malu Dreyer. Die jetzige Regierungschefin wird auch die künftige sein. Dreyer profitierte vor allem von ihrem Amtsbonus, wie aktuelle Wahlumfragen zeigen. 54 Prozent hätten sich für die Sozialdemokratin entschieden, wäre die Ministerpräsidentin direkt gewählt worden.

Für die SPD ist Rheinland-Pfalz ein Erfolg, hier hat sie ihr Ergebnis mit 36,2 Prozent verteidigt (plus 0,5 Prozentpunkte). Angesichts der massiven Einbußen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt, wo die Sozialdemokraten jeweils über zehn Prozentpunkte verloren, ist das ein Trost.

Dieser wurde auch möglich, weil die CDU in Rheinland-Pfalz am Ende schwächelte - die Christdemokraten verloren zum Beispiel 50.000 Wähler an die rechtspopulistische AfD. Hier spielte die Flüchtlingskrise eine große Rolle: Klöckner hatte versucht, sich von Kanzlerin Angela Merkel zu distanzieren, aber eben nur ein bisschen.

Die SPD profitierte im Vergleich zur Wahl 2011 von enttäuschten Grünen-Wählern: 90.000 votierten für die Sozialdemokraten. Die Grünen sind die großen Verlierer dieser Abstimmung, sie geben an alle Parteien Stimmen ab - sogar an die AfD 5000 Wähler. Das zeigen Daten der Meinungsforscher von Infratest dimap für die ARD (Stand: 23:50 Uhr), die SPIEGEL ONLINE in einer interaktiven Grafik darstellt. Hier können Sie die Wählerströme von Partei zu Partei im Vergleich zur Landtagwahl 2011 verfolgen. Fahren Sie dafür mit der Maus über die Parteien oder klicken Sie auf diese, um einzelne Ströme im Detail zu sehen:

Wählerwanderung
Wie schneiden die Parteien bei den Jungwählern ab, wie erfolgreich sind sie bei den Senioren? Im Vergleich der Altersgruppen fallen vor allem die starken Parallelen auf: Bei jungen wie älteren Wählern liegt die SPD vorn, gefolgt von CDU und AfD. Ihre stärksten Ergebnisse erzielen Sozial- und Christdemokraten bei den Senioren, die AfD punktet vor allem bei den 25- bis 44-Jährigen. Und die Grünen erreichen bei den Jungwählern unter 25 Jahren immerhin ein zweistelliges Ergebnis.

Welche Parteien wählen die Männer in Rheinland-Pfalz, für welche votieren die Frauen? Unterschiede zeigen sich im Geschlechtervergleich lediglich bei zwei Parteien: Die SPD holt deutlich mehr Stimmen bei den Frauen und erreicht bei den Wählerinnen rund 40 Prozent. Die AfD hingegen wählten 15 Prozent der Männer - und nur 9 Prozent der Frauen.

Welche Berufsgruppen unterstützen die großen Parteien - und bei welchen können die kleinen punkten? Auch im Vergleich der Berufsgruppen kann die SPD mehr Siege verbuchen als die CDU, sie erreicht die höchsten Werte bei Rentnern, Angestellten, Arbeitern und Arbeitslosen. Die CDU hingegen erzielt bei Selbstständigen und Beamten sehr gute Werte - und verliert bei den Arbeitslosen ganze 16 Prozentpunkte. In dieser Gruppe holt die AfD ihr stärkstes Ergebnis.

In welchen Bildungsgruppen können SPD, CDU und AfD Stimmen sammeln? Bemerkenswert konstant sichert sich die CDU etwa jede dritte Stimme in allen Bildungsgruppen. Die SPD hingegen erreicht ihr mit Abstand stärkstes Ergebnis bei den Wählern mit niedrigem Bildungsstand, die AfD in der mittleren Bildungsschicht. Zwar sind die Grünen noch immer bei Wählern mit hohem Bildungsstand am erfolgreichsten, verzeichnen aber in dieser Gruppe auch ihre größten Verluste - ein Minus von 16 Prozentpunkten auf nur noch 8 Prozent.



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