AfD-Chef Lucke "Wir sind die Kraft, die die politische Landschaft erneuert"

Die AfD konnte in Brandenburg und Thüringen fast allen Parteien Wähler abjagen - ein Triumph für Bernd Lucke, der den Erfolg als Denkzettel für die etablierten Parteien wertet.

Jubel bei AfD-Chef Lucke (l.) und seinem brandenburgischen Spitzenkandidaten Gauland: "Das gibt uns enormen Rückenwind"
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Jubel bei AfD-Chef Lucke (l.) und seinem brandenburgischen Spitzenkandidaten Gauland: "Das gibt uns enormen Rückenwind"


Erfurt/Potsdam - Rund 12 Prozent in Brandenburg, mehr als zehn Prozent in Thüringen: Die Alternative für Deutschland (AfD) zieht in zwei weitere Landtage ein. Parteichef Bernd Lucke feierte am Sonntagabend die Ergebnisse seiner AfD, die zum ersten Mal in beiden Bundesländern angetreten war.

Die Wahlergebnisse seien noch besser als in Sachsen: "Das gibt uns enormen Rückenwind", sagte er im ZDF. Die AfD stehe für Anliegen, die die Bürger nicht mehr bei den "profillosen" Altparteien vertreten sehen. "Wir sind die Kraft, die die politische Landschaft erneuert", so Lucke. Die AfD werde sich nun konstruktiven Gesprächen nicht verweigern, laufe aber auch niemandem hinterher. Die anderen Parteien lehnen bislang Koalitionen mit der Anti-Euro-Partei ab.

Luckes Co-Vorsitzende Frauke Petry sprach in der ARD von "überwältigenden Ergebnissen". "Alle demokratischen Kräfte müssen miteinander reden." Die AfD sei bereit, "auf Sachebene" mit anderen Landtagsparteien zu sprechen.

Stimmen aus allen Lagern abgesogen

Nach ersten Berechnungen der Meinungsforscher von Infratest dimap für die ARD nahm die rechtskonservative AfD allen Parteien Stimmen ab: In Brandenburg verloren die Linke und CDU jeweils 19.000 ehemalige Wähler an die AfD, die Liberalen 14.000 Stimmen. Trotz der sehr niedrigen Wahlbeteiligung votierten 18.000 ehemalige Nichtwähler für die AfD.

In Brandenburg konnte die AfD ihr Wählerklientel weiter ausbauen: Votierten bei der Bundestagswahl im September vergangenen Jahres noch rund 83.000 Stimmberechtigte für die neue Partei, waren es jetzt etwa 120.000 Wähler. Spitzenkandidat Alexander Gauland hatte vor allem auf das Thema Flüchtlinge und Zuwanderung gesetzt. Abgelehnte Asylbewerber müssten viel schneller abgeschoben werden, so seine Forderung.

"Bestimmte Dinge werden in diesem Land nicht mehr angesprochen", erklärte Gauland am Sonntagabend seinen Wahlerfolg. "Wir werden die anderen Parteien immer wieder testen", kündigte er an. "Wir sind in der deutschen Politik angekommen, und es wird uns daraus keiner mehr verdrängen." Björn Höcke, sein Parteikollege und Spitzenkandidat in Thüringen, sagte: "Ich denke, das ist wirklich eine historische Phase, die wir hier erleben."

"Wir müssen uns härter mit der AfD auseinandersetzen"

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte in der ARD: "Wir müssen uns härter und offensiver mit der AfD und ihrem Programm auseinandersetzen." Es müsse deutlich werden, dass die AfD mit ihrem antieuropäischen Programm Hunderttausende Arbeitsplätze gefährde. Es handele sich um ein "Jobkiller-Programm". Gabriel nannte es einen "Fehler", dass es bislang keine wirkliche Debatte über die Inhalte der AfD gegeben habe.

Den Hochrechnungen zufolge liegt die AfD in Brandenburg bei 12,0 Prozent (ARD)/(ZDF). In Thüringen erreicht sie demnach 10,4 Prozent (ARD)/(ZDF).

heb/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
pepe-b 14.09.2014
1. Jo
Haben andere auch schon von sich behauptet. Zuletzt die Piraten. Entweder zerlegen sie sich selbst oder machen mit der Macht den gleichen Quark :-)
carolusmagnus-2 14.09.2014
2. Die AfD ist die alte gute CDU,
wie ich sie aus den 70. Jahren kenne. Damals habe ich im RCDS im Frankfurt/M. gearbeitet. Gratuliere ! AfD ist gleichzeitig das schlechte Gewissen der nach links gerutschten CDU.
exilant64 14.09.2014
3. Chimäre
Zitat von carolusmagnus-2wie ich sie aus den 70. Jahren kenne. Damals habe ich im RCDS im Frankfurt/M. gearbeitet. Gratuliere ! AfD ist gleichzeitig das schlechte Gewissen der nach links gerutschten CDU.
Eine alte gute CDU hat es nie gegeben.
cluehr 14.09.2014
4. ...
sagten auch mal DVU und Republikaner, wer kennt sie heute noch ?
schmusel 14.09.2014
5. Selbstüberschätzung
Selbstpberschätzung kommt vor dem Fall. Fragt mal die FDP. Die Piraten. Die Grünen. Ja im Grunde sogar die SPD. Quer durch die politische Landschaft haben schon ganz andere, die bereits etabliert und erfolgreich waren, den Fahrstuhl nach unten genommen. Die afd wird den auch finden.
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