Wahlanalyse Die Hochburgen der AfD

Die AfD gewinnt bei den Landtagswahlen zweistellig, holte zwei Direktmandate in Baden-Württemberg, 15 in Sachsen-Anhalt. Die Hälfte ihrer Wähler traut den Rechtspopulisten jedoch gar keine Problemlösungen zu. Die Übersicht.

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Keine drei Jahre alt ist die AfD, und schon sitzt sie in der Hälfte der Landtage. Die Rechtspopulisten haben die politische Parteienlandschaft durcheinandergewirbelt. Die AfD konnte in der Flüchtlingskrise bei den drei Landtagswahlen bei den Wählern profitieren, die den Kurs von Kanzlerin Angela Merkel und ihrer schwarz-roten Bundesregierung ablehnen.

In Sachsen-Anhalt bescherte den Rechtspopulisten dieser Protest aus dem Stand Platz zwei mit 24,2 Prozent (24 Mandate im Landtag). In Rheinland-Pfalz erreichte die AfD 12,6 Prozent (14 Mandate), in Baden-Württemberg 15,1 Prozent (23 Mandate). Interessant dürfte werden, wie lange die Abgeordneten der Rechtspopulisten in den Landesparlamenten zusammenarbeiten.

Denn in fast allen anderen Bundesländern sind die Fraktionen mittlerweile geschrumpft, da einige Politiker ausgetreten sind, so etwa in Hamburg, wo die AfD noch sieben Sitze hat (ein Ex-AfDler ist mittlerweile fraktionslos), oder in Thüringen, wo die AfD acht Mandate hat, drei ehemalige Mitglieder sind fraktionslose Abgeordnete. Sehen Sie hier alle Ergebnisse der Rechtspopulisten in den Bundesländern:



In Baden-Württemberg sicherte sich die AfD zwei Direktmandate: Eines gewann sie im Wahlkreis in Mannheim I mit 23 Prozent der Stimmen und verdrängte damit die einstige Arbeiterpartei SPD auf Platz zwei. Das andere holte sie in Pforzheim mit 24,2 Prozent. Die CDU, die dort vor fünf Jahren noch gewonnen hatte, kam nur auf den dritten Rang.

Wahlkreise in Baden-Württemberg - mit den AfD-Direktmandaten in blau

Wahlkreise in Baden-Württemberg - mit den AfD-Direktmandaten in blau

Die regionalen Extreme zeigen, wie stark sich die Ergebnisse einzelner Wahlkreise unterscheiden. Auf der einen Seite stehen Pforzheim und Mannheim I, wo die AfD besonders viele Wähler überzeugen konnte - und sogar stärkste Kraft wurde. Ganz anders sieht das Wahlergebnis in Stuttgart I und Freiburg I aus. Hier liegt die AfD weit abgeschlagen hinter Grünen, CDU und SPD.

In Sachsen-Anhalt gewann die AfD sogar 15 Direktmandate aus dem Stand. Das beste Erststimmenergebnis verbuchten die Rechtspopulisten im Wahlkreis Bitterfeld mit 33,4 Prozent, gefolgt von Querfurt mit 33,1 Prozent.

Vergleicht man die regionalen Stimmenanteile der AfD in den Wahlkreisen, schneidet die Partei vor allem im Süden Sachsen-Anhalts stark ab. Hier hat sie fast überall mehr als 30 Prozent der Zweitstimmen geholt. Auffällig ist, dass die Rechtspopulisten in den größeren Städten Halle und Magdeburg weniger Wähler überzeugten, hier erreichen sie weit unter 30 Prozent.

Die Beteiligung aber ist in diesen Wahlkreisen überdurchschnittlich. In Halle III liegt sie mit mehr als 72 Prozent weit über dem Landesdurchschnitt von 61 Prozent, in Magdeburg II gaben 67 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Beide Städte weisen einen im Vergleich zu vielen anderen Wahlkreisen hohen Ausländeranteil auf.

Klicken Sie in die Karte, um die Ergebnisse und weitere Kennzahlen zu vergleichen. SPIEGEL ONLINE zeigt die Resultate für die Wahlkreise, da nur auf dieser Ebene auch die Briefwähler eindeutig zuzuordnen sind.


Die AfD versammelt in Sachsen-Anhalt vor allem Arbeitslose und Arbeiter hinter sich (Wo die Rechtspopulisten punkten: Lesen Sie hier mehr). Auch ehemalige Nichtwähler kann sie mobilisieren, bei den jüngeren Altersgruppen zwischen 25 und 44 Jahren ist die AfD die stärkste Partei.

Auffällig sind auch hier die regionalen Unterschiede. Im Wahlkreis Bitterfeld verbucht die AfD 31,9 Prozent der Zweitstimmen, der Spitzenwert in Sachsen-Anhalt. Die Rechtspopulisten lassen auch die CDU hinter sich - und dort ist das Lager rechts neben den Christdemokraten noch größer, auch die rechtsextreme NPD verzeichnet 2,2 Prozent.

Die Rechtsextremisten hatten noch kurz vor der Abstimmung versucht, von den absehbaren Erfolgen der AfD zu profitieren und zu einem Stimmensplitting aufgerufen: Erststimme AfD, Zweitstimme NPD - genützt hat das wenig, die NPD verbuchte insgesamt ein Minus von 2,7 Prozentpunkten.

Im Wahlkreis Halle III teilt sich die AfD dagegen Platz vier mit der SPD: 12,9 Prozent erreicht sie dort. Dort erreicht die CDU den höchsten Wert, gefolgt von den Linken und den Grünen. Die NPD kommt nur auf 0,6 Prozent.

CSU wäre eine Alternative für AfD-Anhänger

Befragt nach ihrer Wahlentscheidung, gibt eine große Mehrheit der AfD-Anhänger an, ihre Stimme aus Enttäuschung über die anderen Parteien den Rechtspopulisten gegeben zu haben. In Baden-Württemberg waren das nach Erhebungen von Infratest dimap für die ARD 70 Prozent der AfD-Wähler, in Sachsen-Anhalt 64 Prozent und in Rheinland-Pfalz 62 Prozent.

Eine große Mehrheit der AfD-Wähler fordert, dass der Zuzug von Flüchtlingen begrenzt werden müsste. Zudem machen sie sich Sorgen, dass der Einfluss des Islam zu stark werde und die Kriminalität in Deutschland steige.

Mehr als jeder zweite Wähler der Rechtspopulisten sagt: "Die AfD löst zwar keine Probleme, nennt die Dinge aber beim Namen." In Sachsen-Anhalt stimmen diesem Statement den Umfragen zufolge 64 Prozent zu, in Rheinland-Pfalz 90 Prozent und in Baden-Württemberg sogar 93 Prozent.

Wähler der Rechtspopulisten wollten am Sonntag vor allem ihren Protest ausdrücken - die AfD war für sie die einzige Partei, mit der sie ihren Unmut über die Asylpolitik zeigen konnte. Zumindest liegt diese Interpretation nahe, wenn man sich auch folgende Aussage der AfD-Wähler anschaut:

Eine deutliche Mehrheit der Anhänger findet es nach Daten von Infratest dimap für die ARD gut, wenn sie auch in ihrem Land die CSU hätten wählen können - jene Partei also, die auf klaren Konfrontationskurs zu Merkels Flüchtlingskurs gegangen ist. 57 Prozent der AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt stimmen dem zu, 61 Prozent in Baden-Württemberg und 72 Prozent in Rheinland-Pfalz. Dazu passt auch, dass rund die Hälfte der AfD-Wähler in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie 77 Prozent ihrer Anhänger in Sachsen-Anhalt finden, dass sich die rechtspopulistische Partei "nicht genug von rechtsradikalen Positionen distanziert".

Allerdings bleibt jeweils noch eine große Gruppe übrig, die dies anscheinend nicht als Problem ansieht.


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