Blitzanalyse zu den Landtagswahlen AfD triumphiert, schwarzer Sonntag für die CDU

Mehr als 20 Prozent in Sachsen-Anhalt, starke Ergebnisse in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg - die AfD steht nach diesem Wahlabend vor dem Durchbruch. Die CDU erlebt bittere Stunden. Die Blitzanalyse.

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Jubelnde AfD-Anhänger in Stuttgart
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Jubelnde AfD-Anhänger in Stuttgart


Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt haben gewählt - und wie! Zwar sieht es ganz danach aus, als könnten die bislang regierenden Ministerpräsidenten in allen drei Ländern ihre Staatskanzleien verteidigen. Doch die Umstände sind bemerkenswert.

Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann hängt in Baden-Württemberg die CDU ab, in Rheinland-Pfalz überholt die bisher regierende SPD im Schlussspurt die lange Zeit siegesgewissen Christdemokraten - und in Sachsen-Anhalt verliert Reiner Haseloffs CDU zwar nur wenig, steht aber wie alle Wahlgewinner dieses Abends vor einer schwierigen Mehrheitssuche.

Durch die Erfolge der AfD in allen drei Ländern wird die Regierungsbildung schwieriger. Womöglich muss man sich neue Bündnisbezeichnungen einprägen - im Gespräch sind schon "Deutschland-Koalition", "Kenia-Koalition" oder "Afghanistan-Koalition".

Für Kanzlerin Angela Merkel ist es ein schwarzer Sonntag. Lange Zeit konnte sie hoffen, trotz aller Widerstände gegen ihre Flüchtlingspolitik, zwei Staatskanzleien im Südwesten des Landes zu erobern. Daraus wird nun nichts. Und Merkel wird mit dem Vorwurf leben müssen, es zugelassen zu haben, dass sich die AfD endgültig rechts der Union etabliert hat.

Was bedeuten die Ergebnisse…

…für Baden-Württemberg?

Winfried Kretschmann ist der Star des Ländles (die Details lesen Sie hier). Nach fünf Jahren an der Regierung hat er seine Partei nun sogar zur stärksten Kraft gemacht, deutlich vor der CDU, deren Absturz im einstigen Stammland weitergeht. Für eine Fortsetzung der Koalition mit der SPD reicht es aber wohl nicht, die Sozialdemokraten müssen ordentlich Federn lassen. Kretschmann muss also die Union als Juniorpartner oder die FDP als dritten Partner für sich gewinnen. Rechnerisch möglich ist auch ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP - es wäre allerdings eine Koalition der Verlierer. Die rechtspopulistische AfD wird im künftigen Landtag eine starke Stimme haben, sie kommt aus dem Stand auf ein zweistelliges Ergebnis.

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Wahlen in drei Ländern: Das sind die Gewinner und Verlierer
Die Hochrechnungen für Baden-Württemberg finden sie hier.

Sehen Sie hier eine Videoanalyse zu Kretschmanns Sieg:

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…für Rheinland-Pfalz?

Es ist eine Schmach für CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner, die große Zukunftshoffnung der CDU (die Details lesen Sie hier). Vor einigen Monaten noch lagen ihre Christdemokraten mit riesigem Abstand vor der SPD von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Doch binnen wenigen Wochen hat sich das Blatt vollkommen gewendet - Dreyer kann wohl weiterregieren. Allerdings nicht mehr allein mit den Grünen, die dramatisch verlieren. Am Ende bleibt womöglich nur die Große Koalition - oder eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP. Auch in Rheinland-Pfalz punktet die AfD zweistellig.

Die Hochrechnungen für Rheinland-Pfalz finden sie hier.

…für Sachsen-Anhalt?

In Sachsen-Anhalt holt die AfD mehr als 20 Prozent - mit einem Spitzenkandidaten André Poggenburg, der selbst in dieser Partei zum äußersten rechten Rand gehört (die Details lesen Sie hier). Für die politische Stimmung im Land verheißt das nichts Gutes. Und auch nicht für die Regierungsbildung. Reiner Haseloffs CDU bleibt zwar stärkste Kraft, aber für eine Fortsetzung der Koalition mit der SPD wird es wohl nicht reichen. Kommt nun die FDP als zusätzlicher, dritter Partner ins Spiel für eine sogenannte Deutschland-Koalition? Dafür müssten die Liberalen aber erst einmal den Einzug in den Landtag schaffen. Oder bekommt Sachsen-Anhalt ein sogenanntes Kenia-Bündnis aus CDU, SPD und Grünen?

Die Hochrechnungen für Sachsen-Anhalt finden Sie hier.

Video: Jubel bei der AfD in Magdeburg

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…für die Bundespolitik?

Die AfD schafft den endgültigen Durchbruch, sie sitzt nun in jedem zweiten Landtag der Republik. Für die Rechtspopulisten um Frauke Petry geht es nun stramm Richtung Bundestagswahl 2017. Und weil die Flüchtlingskrise die Politik noch lange beschäftigen wird, dürfte sich der Aufstieg nicht ohne Weiteres bremsen lassen, selbst wenn die Partei sich weiterhin in internen Personal- und Richtungskämpfen verstricken sollte.

Für Angela Merkel hätte es kaum schlimmer kommen können. Ihr droht einmal mehr eine heftige innerparteiliche Debatte, ob ihre Flüchtlingspolitik die CDU massiv Stimmen kostet. Im Merkel-Lager wird man darauf verweisen, dass gerade alle drei Spitzenkandidaten in unterschiedlichem Maße versucht haben, sich im Wahlkampf von der Kanzlerin abzusetzen - und damit einen strategischen Fehler begangen hätten. Und dass der bekennende Merkel-Fan Kretschmann für die Grünen siegreich war. Vor allem die CSU wird sich davon kaum beeindrucken lassen.

Wirklich gefährlich dürfte es für Merkel aber nicht werden. Zuletzt sind ihre Popularitätswerte wieder gestiegen. Und eine echte Alternative gibt es in der CDU derzeit ohnehin nicht.

Für die SPD ist das Ergebnis in Sachsen-Anhalt ein Desaster, obwohl das schwache Abschneiden vor allem landespolitische Gründe haben dürfte. Auch in Baden-Württemberg litt die SPD unter ihrer Juniorpartnerrolle in der Koalition mit den Grünen. Dennoch ist die Stimmung nicht total im Keller: Malu Dreyer rettet die Genossen, sie rettet Sigmar Gabriel. Der Last-Minute-Sieg der Amtsinhaberin in Rheinland-Pfalz wird die Debatten über den Parteichef und die Ausrichtung der SPD nicht beenden, aber Gabriel zumindest ein bisschen stabilisieren.

Aus Sicht der Grünen ist der Abend wegen Kretschmanns Sieg zwar zunächst einer zum Feiern - doch das Ergebnis in Rheinland-Pfalz ist niederschmetternd. Die Frage stellt sich: Hat der laue Kurs der vergangenen Monate, um den Super-Realo Kretschmann im Südwesten nicht zu beschädigen, den Grünen im Rest der Republik eher geschadet?

Für die Linke ist es ein gebrauchter Wahlabend. In Baden-Württemberg und Rehinland-Pfalz weiter draußen, deutliche Verluste auch im Osten. Und die Wählerwanderung wird wohl eine unangenehme Wahrheit für Sahra Wagenknecht und Co. zeigen: dass auch die Linke viele Wähler an die AfD verloren hat.

Vergessen wir nicht die FDP: Die Liberalen stabilisieren sich, sie gewinnen in Baden-Württemberg dazu, schaffen in Rheinland-Pfalz wohl den Sprung in den Landtag, in Sachsen-Anhalt wird es knapp. Im Idealfall, aus Sicht der FDP - reicht es womöglich sogar für die eine oder andere Regierungsbeteiligung.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Öko Nom 13.03.2016
1. Vernichtende Niederlage für Merkel
Sie sollte die Konsequenzen tragen und das klare Votum der Wähler gegen ihre Politik demütig akzeptieren!
joes.world 13.03.2016
2. Ja, ihr lieben CDU Bundestagsabgeordneten
Jetzt müsst ihr die schwierige Entscheidung treffen, was für eure persönliche Karriere schlimmer ist: entweder still zu halten, damit euch die CDU wieder aufstellt. Für die nächste Bundestagsperiode. Und so, sehenden Auges, die CDU bei den nächsten Bundestagswahlen verlieren lassen. Und so, möglicher Weise den eigenen Job zu verlieren. Oder gegen Merkel zu rebellieren. Und so den Zorn der Kanzlerin auf sich zu ziehen. Welches Übel könnte euren Arbeitsplatz weniger gefährden? Eure Entscheidung, liebe Bundestagsabgeordnete der CDU. Jedenfalls gilt für euch ab sofort die Losung: Aussitzen war gestern, ab jetzt regiert die Absturzangst.
halitd 13.03.2016
3. Welche Farbe sollte ein Sonntag mit der CDU haben, ...
wenn nicht schwarz? Der Denkzettel war doch zu erwarten. Was nicht zu erwarten ist, ist ein Umdenken in D. Das kann unser System nicht, weil die Politik nicht unser Land regiert.
danido 13.03.2016
4. Herrlich!
Und am Montag kommt die Schuldzuweisung von Merkel an Seehofer.
hockeyversteher 13.03.2016
5. Frau Merkel hat es ja schon gesagt
"Es ist Zeitverschwendung, darüber zu diskutieren, was mein Anteil an diesem Ergebnis ist." Sie macht stur weiter - da fallen die Prognosen der nächsten Wahlen sehr leicht aus.
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