Internationale Presseschau Das schreiben Medien weltweit zum Rechtsruck in Deutschland

"Die extreme Rechte zeigt ihre Kraft": Das Ausland beobachtet den Ausgang der drei Landtagswahlen genau. Von "New York Times" über "Guardian" und "El País" - die Reaktionen der internationalen Medien.


USA - "The New York Times"

"Rückschlag für Angela Merkel", heißt es im Artikel von Alison Smale, Leiterin des Berliner Büros der "New York Times". Die Landtagswahlen hätten gezeigt, wie sehr die Flüchtlingskrise die Politik und den Alltag in Deutschland durcheinandergebracht haben. "Frau Merkel, die jetzt vor der härtesten Herausforderung ihrer politischen Karriere steht, gab am Sonntag keinen Kommentar ab", schreibt Smale. Die Niederlagen der CDU würden auch Merkels Position beim bevorstehenden EU-Türkei-Deal schwächen.


Großbritannien - "The Guardian"

Der "Guardian" befasst sich ebenfalls in einem ausführlichen Artikel mit den deutschen Wahlergebnissen. Gleich zu Beginn heißt es: "Die Anti-Flüchtlings-Partei AfD hat mit drastischen Gewinnen bei den Landtagswahlen die politische Landschaft Deutschlands erschüttert." Als Ursache wird gleich danach der wachsende Ärger über Merkels Flüchtlingspolitik genannt.

Im Folgenden geht es um den Beginn und Aufstieg der AfD, zitiert werden unter anderem der SPIEGEL und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Durch das gute Abschneiden der Rechtspopulisten werde die Regierungsbildung in den kommenden Wochen kompliziert, heißt es in dem Bericht. Bebildert ist er mit einem Foto von AfD-Chefin Frauke Petry.


Großbritannien - "The Telegraph"

"Angela Merkels Partei verliert bei den Landtagswahlen", schreibt Justin Huggler, der Berlin-Korrespondent des britischen "Telegraph". Und ergänzt: Dies könne die schwerste Belastungsprobe in Merkels Kanzlerschaft sein. "Die Ergebnisse könnten die deutsche Kanzlerin ernsthaft schwächen bei ihrem Versuch, die EU-Staats- und Regierungschefs zu einem Türkei-Deal zu bewegen, um die Flüchtlingskrise zu lösen."


Großbritannien - "Daily Mail"

Die deutschen Wähler strafen die Politik der offenen Türen ab - so steht es in dem Artikel der "Daily Mail" über die Landtagswahlen. Die Rechtsaußen-Partei habe mit ihrem Ruf nach einem Flüchtlingsstopp große Gewinne verzeichnet, Angela Merkel sei bestraft worden. "Bei den regionalen Wahlen wurde sie von der Anti-Einwanderungs-AfD gedemütigt." Die Partei sei erst vor drei Jahren gegründet worden und verzeichne raschen Zuwachs, seitdem Merkel sich entschieden habe, für mehr als eine Million Flüchtlinge den roten Teppich auszurollen.


Spanien - "El País"

Luis Doncel, der Berlin-Korrespondent der spanischen Tageszeitung, überschreibt seinen Artikel zu den deutschen Wahlen wie folgt: "Der Aufstieg der Populisten schlägt Merkel und die deutschen Sozialdemokraten." Die Wahlergebnisse würden die Fähigkeit der AfD belegen, "das politische System Deutschlands durcheinanderzuwirbeln". Über die SPD heißt es: "Die Demütigung der Sozialdemokraten ist enorm." Deutschland habe gerade ein "politisches Erdbeben" erlebt, "das Einfluss auf sämtliche Parteien hat". Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen sei der einzige große Gewinner die AfD.


Spanien - "La Vanguardia"

"Die Wähler bestrafen Merkels Koalition und beflügeln den Populismus der Rechten" - so überschreibt die Tageszeitung "La Vanguardia" ihre Meldung zum Thema. Die deutsche Regierung zahle nun die Rechnung für ihre Flüchtlingspolitik. Dazu ist ein Foto mit jubelnden AfD-Anhängern in Sachsen-Anhalt zu sehen.


Frankreich - "Le Monde"

"Die extreme Rechte in Deutschland zeigt ihre Kraft", schreibt Frédéric Lemaître aus Berlin für "Le Monde". Dass eine rechtsextreme Partei bei den Wahlen 2017 einmal als zweit- oder drittstärkste Kraft hervorgehen könnte, sei ein Szenario gewesen, das bis zu diesem Sonntag absurd erschienen sei. Dann führt Lemaître die Ergebnisse der AfD in den einzelnen Bundesländern auf. "Die Nichtwähler von gestern sind die AfD-Wähler von heute."


Schweiz - "Neue Zürcher Zeitung"

Die Zeitung im Nachbarland befasst sich in mehreren Artikeln mit den deutschen Landtagswahlen. Der Leiter der Auslandsredaktion, Peter Rásonyi, schreibt in seinem Kommentar, der "Wahltriumph der Alternative für Deutschland ist ein klares Zeichen der Unzufriedenheit". Es sei zudem ein "Warnschuss für die in eineinhalb Jahren anstehende Bundestagswahl".

Norwegen - "Aftenposten"

Per Kristian Haugen, Kommentator der norwegischen Zeitung "Aftenposten" schreibt: "Angela Merkel wird den 13. März erinnern als einen der schlechtesten Tage in ihrer politischen Karriere." Ihr künftiger Weg werde schwierig, mit Missmut in den eigenen Reihen und aggressiven Kritikern von rechts, so die "Aftenposten".

Dänemark - "Berlingske"

Die AfD-Erfolge bei den Landtagswahlen seien ein "Fiasko für Merkel" schreibt Troels Heeger, Korrespondent der dänischen Zeitung "Berlingske". Die deutsche Parteienlandschaft könne sich nun grundlegend verändern. Merkel müsse sich am meisten Sorgen über die Wählerwanderung nach rechts machen, so der Kommentator und verweist auf Franz Josef Strauß und seine Aussage, rechts von der CSU dürfe es keine demokratische Partei geben.

aar/anr

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.