Landtagswahlen NPD will sich in neuen Bundesländern festsetzen

Mit plumpem Rassismus auf Stimmenfang: Interne Fehden, Finanzaffären und skandalöse Auftritte scheinen der NPD nicht zu schaden - bei den Landtagswahlen am Sonntag hofft sie auf einen Erfolg in Thüringen. In Sachsen könnte ihr sogar erstmals der Wiedereinzug in ein Landesparlament gelingen.

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Berlin - Das altersschwache, riesige Wohnmobil rumpelt mit einiger Verspätung auf den Dresdner Postplatz. Nicht so schlimm, allzu viele Neugierige haben die Ankunft des NPD-Trosses ohnehin nicht erwartet: Holger Apfel, der lachend aus dem Wagen springt, kann die paar Dutzend Anhänger einzeln per Handschlag begrüßen. Man kennt sich.

Doch auch für das kleine, braune Häuflein legt sich der sächsische Fraktionschef am vergangenen Wochenende ins Zeug - auch wenn die meisten der angerückten Kameraden seine Rede schon ein paar Mal gehört haben dürften. "Die NPD ist heute die einzige Partei in Deutschland, die sich als Sprachrohr der sozial Schwachen in diesem Lande verpflichtet fühlt", schreit Apfel. Er muss das Hup- und Pfeifkonzert der Gegendemonstranten übertönen.

Der zur Unterstützung angereiste Amtskollege aus Mecklenburg-Vorpommern, Udo Pastörs, schwadroniert über "Togo-Neger" und homosexuelle Partnerschaften als "Brutkasten, aus dem das Unglück erwächst". Schließlich darf noch der "nationale Barde" Frank Rennicke - von der NPD im Mai allen Ernstes als Bundespräsidentenkandidat nominiert - ein rassistisches Liedchen trällern: "Gastarbeiter in Millionen wollen unser Land sich holen."

Chancen in Sachsen und Thüringen

Die NPD auf Stimmenfang im Osten. Mit ihrem "Flaggschiff", einem alten Mercedes-Camper, den ihnen "ein älteres Ehepaar" überlassen hat (NPD-Chef Udo Voigt), tourt die rechtsextreme Parteiprominenz derzeit durch Sachsen und Thüringen. Wahlkampfhelfer plakatieren jedes noch so kleine Dorf in der ostdeutschen Provinz mit ausländerfeindlichen Parolen zu, verteilen Tausende Handzettel, besuchen Bürgerfeste und Fußballspiele.

Die braune Truppe investiert für ihre Verhältnisse viel, um bei den Landtagswahlen am Sonntag endlich wieder mit Abstimmungserfolgen Schlagzeilen zu machen. Die andauernden Machtkämpfe in den eigenen Reihen und die Enthüllungen über das Finanzchaos haben in den vergangenen Monaten tiefe Gräben quer durch die Partei gerissen, das Ergebnis Anfang des Jahres in Hessen fiel mager aus.

Am Sonntag will die NPD punkten, um die eigene Klientel zu befrieden - und die Parteikasse wieder ein wenig zu füllen. Schließlich winken satte Zuschüsse aus der Parteienfinanzierung jenes Staates, den die Neonazis eigentlich bekämpfen wollen.

SPIEGEL ONLINE zeigt, wo die Hetze der NPD auf fruchtbaren Boden fallen könnte.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels wurde behauptet, das Ergebnis der NPD bei der Europawahl im Juni dieses Jahres sei "mager" ausgefallen. Tatsächlich stand die NPD bei der Europawahl gar nicht auf dem Stimmzettel. Die Ergebnisse der anderen rechtsextremen Parteien, DVU und Republikaner, fielen mit 0,4 bzw. 1,3 Prozent tatsächlich mager aus. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Forum - NPD - wie umgehen mit den Rechtsradikalen?
insgesamt 1151 Beiträge
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Seite 1
zbigbrz 13.08.2009
1.
Zitat von sysopDie Hetze gegen einen CDU-Wahlhelfer in Thüringen hat für die NPD ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Wie soll die Politik am besten mit Rechtsradikalen umgehen?
Mit dem Strafgesetzbuch. Verbot der Partei. Ist längst überfällig.
kevin i. 13.08.2009
2.
Zitat von zbigbrzMit dem Strafgesetzbuch. Verbot der Partei. Ist längst überfällig.
Meine Meinung.
AEGtocas 13.08.2009
3.
Zitat von sysopDie Hetze gegen einen CDU-Wahlhelfer in Thüringen hat für die NPD ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Wie soll die Politik am besten mit Rechtsradikalen umgehen?
Am Besten die NPD verbieten. Was kann man dagegen machen? Aufklärung an den Schulen über Rassismus. Skinheads wegsperren. Der Kampf gegen rechts ist nicht so leicht wie man glauben könnte. Nur gemeinsam können wir das schaffen, indem wir unsere Kinder so erziehen, dass sie tolerant und offen sind.
Dr. Allesklar 13.08.2009
4.
Zitat von zbigbrzMit dem Strafgesetzbuch. Verbot der Partei. Ist längst überfällig.
Und dann? Meinen Sie, dadurch lösen sich die Rechtsradikalen in Luft auf?
zbigbrz 13.08.2009
5.
Zitat von Dr. AllesklarUnd dann? Meinen Sie, dadurch lösen sich die Rechtsradikalen in Luft auf?
Nein, aber ihr Goldesel, der Steuergelder ausspuckt.
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