Lebensqualität Potsdam Spitze, Unna Schlusslicht

Landau, Erlangen, Baden-Baden und Potsdam sind die kinderfreundlichsten Städte Deutschlands. Unna in Nordrhein-Westfalen gehört zu den Schlusslichtern. Das ist ein Ergebnis des Familienatlas. Kommunen und Kreise in Ostdeutschland schneiden besser ab als die in den West-Bundesländern.


Berlin - Wer mit Familie in einer großen Stadt leben will, sollte am besten nach Potsdam oder Dresden ziehen - und nicht nach Wuppertal. So lautet die grobe Bilanz des neuen Familienatlas, den Bundesfamilienministerin von der Leyen (CDU) heute in Berlin vorstellte.

Insgesamt 439 Städte und Landkreise werden in der Studie nach ihrer Familienfreundlichkeit bewertet. Untersucht wurden vier Bereiche: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Wohnsituation, die Bildung und Freizeitangebote und die Freizeitangebote speziell für Kinder und Jugendliche.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, Ministerin Ursula von der Leyen mit dem Familienatlas 2007
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Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, Ministerin Ursula von der Leyen mit dem Familienatlas 2007

Dies seien die Felder, die die Kommunen beeinflussen könnten, sagte Ministerin von der Leyen: "Alle Städte und Landkreise haben Potentiale, die sie nutzen können und müssen." Daneben flossen Anhaltspunkte zu Rahmenbedingungen ein, die nicht unmittelbar beeinflussbar sind, nämlich der Arbeitsmarkt und die jetzige Altersstruktur der Bevölkerung.

Dass die Geburtenrate nicht allein von einer familienfreundlichen Infrastruktur abhängt, zeigt der Familienatlas auch. Die meisten Kinder werden nach wie vor dort geboren, wo das Angebot an Krippen und Kindergärten spärlich ist, wie zum Beispiel im westlichen Niedersachsen.

Unter den 40 größten Städten liegt Dresden vorne und Wuppertal am Ende der Bewertung. Überhaupt schnitten die Ruhrgebietsregionen wie Essen, Bochum oder der Ennepe-Ruhrkreis schlecht ab. Düster sieht es dem Atlas zufolge auch in den alten Zonenrandgebieten wie dem Landkreis Helmstedt, Salzgitter oder Osterode am Harz sowie in den Landkreisen Hof oder Tischenreuth aus.

Kinderfreundlicher Osten, Berlin ist "gefährdete Region"

Die Städte und Landkreise in Ostdeutschland sind bei diesen Kriterien dagegen durchweg kinderfreundlicher als die Kommunen in den West-Länder. Berlin nimmt einen mittleren Rang ein und zählt familienpolitisch zu den "gefährdeten Regionen".

Mit dem von der Prognos AG erstellten Familienatlas will von der Leyen den Städten und Landkreisen ein Instrument an die Hand geben, um die Lebensbedingungen für Familien zu verbessern. "Vor allem die westdeutschen Landkreise müssen mehr tun", sagte sie. Sie seien sonst langfristig von der Abwanderung junger Familien bedroht.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, warb für gut ausgestattete Kita- und Schulplätze als Voraussetzung für die Ansiedlung von Firmen. Von 81 Kammern seien inzwischen 74 Mitglieder der Bündnisse für Familie, die es deutschlandweit gibt. Er sprach sich gegen einen "Wettbewerb" zwischen Betriebs-Kitas und kommunalen Betreuungseinrichtungen aus. Vor allem in der Fläche sei die Unterstützung kommunaler Kitas besser.

Der Familienatlas zeigt, dass es etwa in Nordrhein-Westfalen und Bayern trotz besserer Wirtschaftsbedingungen noch erheblichen Nachholbedarf bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei bezahlbaren Wohnungen sowie guten Kita- und Schulangeboten gibt.

Zu den Top-Regionen für Familien zählen Nordfriesland, Schleswig-Flensburg, Main-Tauber-Kreis, Kitzingen, Erlangen, Bernkastel-Wittlich, Landau, Baden-Baden, Tübingen, Breisgau-Hochschwarzwald und Garmisch-Partenkirchen.

In den ostdeutschen Regionen zahlen sich laut von der Leyen die Investitionen in die Familienfreundlichkeit und die besseren schulischen Rahmenbedingungen langsam aus. Wenn dazu noch die Ansiedlung von Betrieben kommt, sei eine Trendumkehr bei der Abwanderung junger Familien möglich. So steigt die Geburtenrate in der Stadt Görlitz und im Muldentalkreis inzwischen wieder um mehr als 20 Prozent an und liegt jetzt auf westdeutschem Niveau.

Beim Freizeitwert sind die kleineren und mittleren Städte an der Spitze. Bei den Städten liegen mit den Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche Freiburg, Stuttgart und Münster vorne. Dortmund, Oberhausen und Duisburg sind Schlusslichter.

asc/dpa/AP



insgesamt 239 Beiträge
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Seite 1
Umberto, 04.10.2007
1.
Zitat von sysopFreizeitangebot, Familienfreundlichkeit, Bildungseinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten... Was brauchen Sie, um sich wohlzufühlen?
Ruhe, ab und zu mal ein wenig Ruhe!
Motorpsycho 04.10.2007
2.
Zitat von UmbertoRuhe, ab und zu mal ein wenig Ruhe!
Das ist aber ein bischen wenig. Ab und zu einmal etwas erleben und sich lebendig fühlen gehört doch wohl auch dazu.
DJ Doena 04.10.2007
3.
* Nachbarn, die einen in Ruhe lassen * ADSL/ADSL2/VDSL
SeniorDingDong 04.10.2007
4.
Meine jetzige Nachbarschaft ist in Ordnung. Eine kleine Nebenstraße. Sind überwiegend junge Famillien oder Senioren hier. Ziemlich spießig, aber ruhig und angenehm ! Denn 700m weiter steht nämlich schon eine art 8 Stockwerke großer Hart4-proved "Würfel" oder "Wohnklotz" der so eine Art "Assi-Aura" auf sämtliche Häuser in der unmittelbaren Nähe erzeugen muss : Typen die keinen Job haben und jeden Tag im Unterhemd/Trainingsanzug vor ihren getunten Karren stehen und bei ein paar Bier die "geilheit" ihres Opel diskutieren ~~ deren Frauern und Kinder runden (sprichwörtlich) das Bild ab. Ich bin so froh über diese 700m "Sicherheitsabstand" (freie Wiese) die da zwischen uns ist.
Iggy Rock, 05.10.2007
5.
Ruhe, viel Natur, keine weiten Wege in die Ballungszentren, es lebt sich schön im Herzen Hessens, auch wenn diese Veröffentlichung aus dem Familienministerium anderes besagt. Aber warum um Himmels Willen fragt niemand nach Sinn und Unsinn dieser komischen Studie? Als ob wir das nicht schon vorher geahnt hätten das im Osten alles besser läuft, naja bis auf die fehlenden Arbeitsplätze vielleicht. Warum gibt es in den Regionen mit den besten Chancen, wo wir alle sinnvollerweise noch hinziehen sollten, neben den wunderbaren Möglichkeiten für ein schönes Leben: Beruf und Familie im Einklang, Kinderbetreuung und sehr gute Ausbildung so viele Rentner, Landstriche ohne normal hohen Frauenanteil, mit hoher Arbeitslosigkeit und nicht zu wenige Rechtsextremisten? Was stimmt da wohl nicht?
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