Anti-Islam-Kundgebung in Leipzig Polizei befürchtet Randale bei Legida-Demo

Vor der Legida-Demo stellt sich die Polizei auf Krawalle ein: Sie rechnet mit einem großen Aufmarsch Rechtsextremer am Jahrestag der Nazi-Machtergreifung. Auch linke Militante machen überregional mobil.

Legida-Demo in Leipzig (am 21.1.): "Mit hoher Wahrscheinlichkeit Personen mit rechter Orientierung und gewaltbereite Fußballanhänger"
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Legida-Demo in Leipzig (am 21.1.): "Mit hoher Wahrscheinlichkeit Personen mit rechter Orientierung und gewaltbereite Fußballanhänger"

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Leipzig/Berlin - Die Polizei in Leipzig rechnet bei der Kundgebung der antiislamischen Legida-Bewegung am Abend in Leipzig mit möglichen gewalttätigen Ausschreitungen zwischen linken und rechten Gruppen.

Die Behörden befürchten wegen des Jahrestags der Machtergreifung durch Hitler am 30. Januar 1933 eine stärkere Mobilisierung von Rechtsextremen, die dann in Leipzig mit linken Gegendemonstranten zusammenstoßen könnten.

Das geht aus einer "Gefahrenprognose" der Polizeidirektion Leipzig vom 27. Januar hervor, die Teil des umfangreichen Auflagenbescheids für die Legida-Versammlung ist. Das Papier hatte Legida selbst veröffentlicht; seine Authentizität wurde SPIEGEL ONLINE von der Stadt Leipzig bestätigt.

In dem 27-seitigen Bescheid werden den Veranstaltern strenge Auflagen auferlegt. So erlaubte die Stadt nicht, dass die Legida-Anhänger durch die Stadt marschieren. Stattdessen wurde nur eine zentrale Kundgebung auf dem Augustusplatz genehmigt, zudem muss Legida Hunderte Ordner bereitstellen.

"Mindestens 1000 gewaltbreite Personen"

Die Krawall-Befürchtungen werden mit Fakten untermauert. So wird beschrieben, dass sich unter den Teilnehmern des jüngsten Legida-Aufzugs am 21. Januar "mindestens 1000 gewaltbreite Personen befanden", viele "mit starkem Bezug zur rechtsextremistischen Szene". Aus dieser Gruppe sei es zu Angriffen auf Reporter gekommen.

Wegen des Jahrestags der Machtergreifung fürchtet die Polizei nun, dass der aktuelle Termin "auf die rechtsextremistische Szene zusätzlich mobilisierend wirkt". Für die Kundgebung müsse man damit rechnen, dass sich "mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederholt Personen mit rechter Orientierung und gewaltbereite Fußballanhänger anschließen" werden.

Gleichzeitig zählte die Polizei am 21. Januar "circa 1500 gewaltbereite bzw. gewaltgeneigte Personen aus dem linksextremistischen, autonomen Spektrum". Für den Freitag müsse von einer "überregionalen Mobilisierung" ausgegangen werden. Folglich sei "mit einer Verschärfung der Angriffe" zu rechnen.

Das Fazit: "Erneute schwere Gewalttaten sind zu erwarten."

Zudem befürchtet die Polizei, dass sich "militante Autonome unter die Teilnehmer der Veranstaltung begeben" könnten. So hätten linke Internetseiten dazu aufgerufen, die Legida-Demo "zu stören" oder gar zu verhindern. Schon bei einer früheren Veranstaltung seien Legida-Demonstranten "massiv körperlich angegriffen" worden, auch wurden Brandanschläge auf Signalanlagen der Deutschen Bahn verübt. Auch am Freitag legten Unbekannte auf der Bahnstrecke von Dresden nach Leipzig bei Naunhof einen Brand, möglicherweise sollte damit eine Anreise zu den Kundgebungen verhindert werden. Am späten Abend wurde zudem ein Brandanschlag auf den Bahnhof Markkleeberg verübt. Laut Medienberichten wurde der S-Bahnverkehr stark beeinträchtigt. Die Bahnstrecke zwischen Leipzig und Dresden sei gesperrt worden.

Drohender Engpass der Sicherheitskräfte

Die Bedrohung durch die linksextreme Szene wird ernst genommen. So existiere in Leipzig eine "starke, militante, autonome Szene, welche aus Erfahrung vergangener Einsätze sehr gut organisiert agiert". Mit einem "ebenso geplanten, systematischen Vorgehen" müsse gerechnet werden. So könnten die Militanten "hochmobil und in Kleingruppen" versuchen, die Demo zu infiltrieren.

Die Beschränkung der Demo auf den Augustusplatz begründet die Stadt mit einem drohenden Engpass der eigenen Sicherheitskräfte. Wegen der spontanen Terminänderung seien nur 20 Hundertschaften der Polizei verfügbar gewesen. "Mit diesem Ansatz" sei der Schutz einer Legida-Demonstration durch das Stadtgebiet "nicht möglich".

Unklar ist, wie viele Legida-Demonstranten tatsächlich in Leipzig erscheinen werden. Bereits bei der Veranstaltung am 21. Januar kamen deutlich weniger Menschen als erwartet. Selbst an der später von Stadt und Polizei veröffentlichten offiziellen Teilnehmerzahl von "ca. 15.000" gibt es erhebliche Zweifel: Nach Messungen von Wissenschaftlern der Universität Leipzig und der Auswertung hochauflösender Übersichts-Bilder hatten sich am 21. Januar maximal 5.000 Legida-Anhänger am Augustusplatz versammelt.

Die Zahl der Gegendemonstranten, die an jenem Tag an rund 20 verschiedenen Anti-Pegida-Kundgebungen im Leipziger Stadtgebiet teilgenommen hatten, wurde von Behördenseite auf etwa 20.000 beziffert. Eine neutrale Überprüfung dieser Zahl, etwa durch Wissenschaftler, war bisher nicht möglich: Luftaufnahmen der Polizei, die eine genauere Analyse ermöglichen könnten, wurden von den Behörden bislang nicht freigegeben.

Vor dem Hintergrund des Zahlenstreits hat der Leipziger Polizeisprecher Andreas Loepki gegenüber dem ARD-Morgenmagazin angekündigt, zunächst "keine eigenen Zählungen" mehr bekannt zu geben - sondern sich lediglich "auf die Angaben der Veranstalter" zu beziehen.

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spon-facebook-10000283853 30.01.2015
1.
Die Gewalt bei den letzten Demos - die keine "Aufmärsche" waren - ging bisher von den Linksextremisten aus.
AbuHaifa 30.01.2015
2.
Zitat von spon-facebook-10000283853Die Gewalt bei den letzten Demos - die keine "Aufmärsche" waren - ging bisher von den Linksextremisten aus.
Sie lügen. http://www.sueddeutsche.de/politik/islamfeindlicher-protest-in-leipzig-legida-demonstration-muendet-in-gewalt-1.2315895
freekmason 30.01.2015
3.
Zitat von AbuHaifaSie lügen. http://www.sueddeutsche.de/politik/islamfeindlicher-protest-in-leipzig-legida-demonstration-muendet-in-gewalt-1.2315895
selbst wenn er nicht lügen würde, frage ich mich, wo der informationsgehalt oder sinn dieses einwurfs sein soll.
BlakesWort 30.01.2015
4.
Warum wird es überhaupt erlaubt, dass Hobbynazis und Linken sich in der Innenstadt einer deutschen Großstadt versammeln? Der Augustusplatz in Leipzig ist die Nebenstation des Hauptbahnhofs, die Pforte in die Innenstadt und zentraler Knotenpunkt. Kann man diese Leute mit ihren kruden Ideen nicht irgendwo auf die grüne Wiese verbannen, anstatt dass sie Hunderttausende Bürger behindern und Geschäfte ruinieren, die sowohl Linksextreme als auch Pegidisten gleichermaßen als Randgruppen einer demokratischen Gesellschaft sehen?
in_peius 30.01.2015
5. Diese Theorie...
Zitat von spon-facebook-10000283853Die Gewalt bei den letzten Demos - die keine "Aufmärsche" waren - ging bisher von den Linksextremisten aus.
können Sie sicherlich mit Quellen untermauern, oder?
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