Von Christian Teevs und Severin Weiland
Die Spekulanten haben die Politik vorgeführt. Mit ihren Wetten gegen Griechenland haben sie die mangelnde Geschlossenheit der Euro-Länder aufgezeigt. Egal was Merkel, Sarkozy und Co. auch probierten, um die Märkte zu beruhigen - es half nicht.
Mit Kreditausfallversicherungen - CDS (Credit Default Swaps) - die schon bei der geplatzten US-Immobilienblase 2008 eine unrühmliche Rolle spielten, wetteten viele Spekulanten auf eine Pleite Griechenlands. Damit haben sie die Probleme des Landes verschärft. Die Zinsen für Staatsanleihen schossen in so astronomische Höhen, dass sich Athen kein Geld mehr an den Kapitalmärkten leihen konnte.
Ökonomen warnen dennoch davor, die Spekulanten nun zu Sündenböcken zu machen. "Wenn es keinen Anlass für eine Wette gibt, gibt es auch keine Spekulation", sagt Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Burghof geht sogar noch weiter: "Das Schimpfen auf die Spekulanten ist falsch", sagt er. Die Wetten gegen Griechenland seien eine realistische Warnung gewesen: "Es ist seriöse Spekulation, wenn man darauf wettet, dass ein Holzschober abbrennt." Man dürfe sich dann "nur nicht reinsetzen und rauchen".
Das sei aber schon nach den geltenden Gesetzen strafbar. Der Ökonom hält die politische Debatte daher für populistisch. Boysen-Hogrefe widerspricht: Er sehe durchaus Übertreibungen in der Spekulation auf eine Griechenland-Pleite. Die Rolle der Märkte müsse auf den Prüfstand, "der Handel mit CDS transparenter werden".
Bei einer Aufarbeitung geht es auch um die Rolle der Rating-Agenturen. Sie haben mit ihren Abwertungen die Euro-Krise verschärft. "Die Rating-Agenturen haben zuletzt regelmäßig versagt", sagt Sebastian Dullien von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin. Allerdings hätten sie in diesem Fall nur die Entwicklung der Märkte nachvollzogen, im Grunde sogar "zu spät reagiert".
Das liegt laut Burghof daran, dass die drei US-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch einen politischen Tatbestand beurteilen mussten - und keine Zahlen: "Damit sind sie überfordert." Wie sehen mögliche Konsequenzen aus? Eine Entmachtung der Unternehmen, wie sie der Ökonom Thomas Straubhaar fordert? Oder eine eigene europäische Rating-Agentur, die europäische Politiker immer wieder ins Spiel bringen?
Die Ökonomen sind skeptisch. Er frage sich, wer die politischen Szenarien besser beurteilen könne, sagt Dullien. "Neue Rating-Agenturen lösen das Problem nicht", argumentiert auch Boysen-Hogrefe. Sie würden vor dem gleichen Problem stehen.
Burghof schlägt vor, die Struktur der Bonitätsbewertungen zu ändern und isolierte Ratings zu machen - "eins nur aufgrund der wirtschaftlichen Daten eines Landes und eins, das politische Entwicklungen bewertet".
Ob sich dadurch etwas am generellen Problem ändert, ist fraglich. Doch zumindest transparenter wären die Ratings damit.
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