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Leipzig: Anschlag auf Gelände von geplanter Moschee

Aufgespießte Schweineköpfe, brennende Mülltonnen: Auf das Gelände einer geplanten Moschee in Leipzig ist ein Anschlag verübt worden. Der Staatsschutz ermittelt, der Bürgermeister entschuldigte sich bei der Gemeinde.

Mögliche Blutspuren in Leipzig: Schweineköpfe auf Moschee-Gelände aufgespießt Zur Großansicht
DPA

Mögliche Blutspuren in Leipzig: Schweineköpfe auf Moschee-Gelände aufgespießt

Leipzig - Unbekannte haben einen Anschlag auf das Gelände einer geplanten Moschee der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde in Leipzig verübt. Wie ein Polizeisprecher am Freitag mitteilte, hatten die Täter am späten Donnerstagabend fünf Holzpflöcke in den Boden gerammt und darauf Schweineköpfe gespießt.

Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen. Ein fremdenfeindlicher Anschlag werde nicht ausgeschlossen, sagte der Polizeisprecher.

Den Angaben zufolge war zunächst die Feuerwehr wegen eines Mülltonnenbrandes alarmiert worden. Vor Ort entdeckten die Einsatzkräfte dann die Schweineköpfe und riefen die Polizei. Ob es sich bei der auf dem Boden verteilten roten Flüssigkeit um Schweineblut handelte, war laut Polizei noch nicht abschließend untersucht.

Die islamische Ahmadiyya-Gemeinde plant im Leipziger Stadtteil Gohlis den Bau einer neuen Moschee mit zwei Minaretten. Ein entsprechender Antrag liegt bereits vor.

Es wäre der erste Moschee-Bau Ostdeutschlands außerhalb Berlins. Die Stadtverwaltung steht dem Vorhaben positiv gegenüber. Allerdings regt sich seit Wochen Protest, unterstützt auch von der rechtsextremen NPD. Anfang November hatten sich einige hundert Demonstranten einem Aufmarsch der NPD entgegengestellt.

Die ursprünglich in Indien entstandene Ahmadiyya-Gemeinschaft versteht sich als friedliche islamische Erneuerungsbewegung. Sie hat in Deutschland nach eigenen Angaben rund 30.000 Mitglieder und mehr als 30 Moscheen.

Der Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser gab sich nach dem Vorfall unbeeindruckt. Er finde es nur sehr traurig, dass sich Menschen auf eine solche Ebene begeben, sagte er der "Leipziger Volkszeitung". Provokationen kenne er bereits von Projekten aus Westdeutschland. "Da wurden auch schon Kreuze aufgestellt, das war noch hanebüchener", so Wagishauser.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung zeigte sich entsetzt: "Die Stadt Leipzig ist geschockt von diesem widerwärtigen Anschlag", teilte er mit. Die Ahmadiyya-Gemeinde bitte er "im Namen der Stadt um Entschuldigung", so der SPD-Politiker.

fab/AFP/dpa

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