Reaktionen auf Bettina Wulff "Meine Güte, ist das alles peinlich"

Mit einer breiten Presse-Offensive will Bettina Wulff ihr Bild in der Öffentlichkeit zurechtrücken. Ausgiebig plaudert sie in mehreren Interviews über ihr Privatleben. Nun wird sie öffentlich kritisiert - auch von SPIEGEL-ONLINE-Lesern.

Ehepaar Wulff (im Juli): "Wer hat ihr denn das Rampenlicht ermöglicht?"
dapd

Ehepaar Wulff (im Juli): "Wer hat ihr denn das Rampenlicht ermöglicht?"


Hamburg - Der Auszug aus Bellevue, ständige öffentliche Beobachtung, schlüpfrige Gerüchte über ihre Vergangenheit - Bettina Wulff musste viel einstecken. Nun meldet sie sich öffentlich zurück: Gleich vier Magazinen gab sie Interviews zu ihrer Rolle als First Lady und dem Leben danach. Dabei gibt sie Details aus ihrem Privatleben preis und rechnet mit ihrem Mann ab, der sie in die Rolle der Präsidentengattin gedrängt habe.

Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass Bettina Wulff gerichtlich gegen Gerüchte über eine angebliche Rotlicht-Vergangenheit vorgeht. Gleichzeitig ist der Erscheinungstermin ihres Buches "Jenseits des Protokolls" vorgezogen worden. Eine ehrliche, emotionale Abrechnung - oder geschicktes PR-Kalkül?

Zumindest die Leser von SPIEGEL ONLINE sind sich weitgehend einig. Die zahlreichen Forenkommentare und Leserbriefe zeugen von Unverständnis und Entsetzen: "Meine Güte, ist das alles peinlich", schreibt ein Leser im SPIEGEL-ONLINE-Forum. "Wieso geht man, wenn man mit dem ständigen Druck der Öffentlichkeit nicht klarkommt, jetzt provokant in die Öffentlichkeit", fragt ein anderer. Auch drastischere Worte sind im Forum zu lesen. Ein User schreibt: "Liebe Familie Wulff, genießen Sie Ihren Ehrensold und verschonen Sie uns mit Ihrer Vita." Nur wenige Nutzer sind anderer Meinung. Für eine Leserin ist Wulff "eine starke Frau", die "ihre eigenen Tränen" zulässt.

Der Fischer und seine Frau

Vor allem die Tatsache, dass Bettina Wulff nun öffentlich ihren Mann kritisiert, verärgert viele Leser. Ein Kommentator schreibt: "Wer hat ihr denn das Rampenlicht erst ermöglicht?" Ein weiterer meint, es wirke, als "sei ihr die Ehe mit Christian Wulff inzwischen peinlich, keineswegs aber die öffentliche Aufmerksamkeit, die sie aufgrund dieser Ehe genießt". Ein anderer Benutzer fühlt sich von Familie Wulff an das Märchen vom Fischer und seiner Frau erinnert, in dem der Ehemann unter seiner undankbaren Frau zu leiden hat. Per E-Mail erreichte auch diese Zuschrift eines Lesers die Redaktion: "Sie möge uns nun doch wirklich mit dem Kitsch aus ihrem Eheleben verschonen. Bislang war doch alles schon peinlich genug."

Zu alledem muss Bettina Wulff sich vorwerfen lassen, der Schritt in die Öffentlichkeit diene vornehmlich der Werbung für ihr Buch "Jenseits des Protokolls", dessen Veröffentlichung kurzfristig vorgezogen wurde. In der Tat hat ihr juristisches Vorgehen gegen die Prostitutionsgerüchte und nicht zuletzt die Plauderei aus dem Privatleben für einen ordentlichen Aufmerksamkeitsschub gesorgt. So haben sich etwa die Google-Anfragen zu den Begriffen "Buch von Bettina Wulff" seit Sonntag mehr als verdoppelt.

Die "Frankfurter Rundschau" nennt Wulff deshalb "weinerlich, aber geschäftstüchtig". Die "Berliner Morgenpost" spricht von einem "kalkulierten Krawall". Auch einige Leser von SPIEGEL ONLINE werfen Bettina Wulff "offensichtliche Berechnung" vor. "Die Scheinwerfer aus der Glamourwelt sind erloschen, und jetzt wird der Rückwärtsgang eingelegt? Peinlich, peinlich, Frau Wulff", schreibt ein Leser im Forum.

Unterstützung von Alice Schwarzer

Auf dem Mikroblogging-Dienst Twitter schreibt ein Nutzer: "Dass Bettina Wulff sich die Kampagne organisiert, beschädigt das Amt weiter." Sozialwissenschaftler und PR-Berater Klaus Kocks nannte Wulffs öffentliche Äußerungen "peinlich eitle PR-Kaspereien". Die ehemalige First Lady habe "trotz einschlägigen Studiums keine Ahnung von PR", sagte er der "Hamburger Morgenpost". Das Buch sei zudem eine "professionelle Tragödie".

Unterstützung bekommt Bettina Wulff von der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Das Buch sei kein "Groschenroman", es gehe vielmehr "schlicht um eine für diesen Menschen existentielle Richtigstellung in eigener Sache", schrieb sie auf ihrer Webseite. "Das ist doch auch mal schön, dass hier eine, die mit größtmöglicher Wucht gehetzt und verleumdet wurde, mit größtmöglicher Wucht zurückschlägt", so Schwarzer weiter.

Seit Dienstag ist Wulffs Biografie offiziell im Handel, bereits am Samstag waren erste Exemplare in Buchläden aufgetaucht. Beim Online-Buchhändler "Amazon" belegt "Jenseits des Protokolls" bereits Platz sieben der Verkaufsliste. Aber auch hier muss Wulff einstecken: Das Buch wird nur mit 1,5 von 5 Sternen bewertet, zahlreiche negative Kommentare stehen auf der Produktseite.

jls

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insgesamt 96 Beiträge
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Seite 1
steinaug 12.09.2012
1. Frau
Frau Wulff ist doch angeblich beruflich im PR-Bereich tätig gewesen. Erst läßt sie das PR-Desaster ihres Mannes zu und nun verbpckt sie ihr eigenes. Die hat es echt drauf.
spon-facebook-10000267253 12.09.2012
2. Stell Dir vor
eine Millionen Bücher sind gedruckt und keiner kauft es.
brehn 12.09.2012
3. Alice Schwarzer...
Alice Schwarzer......mehr fiel mir nicht ein bevor ich anfangen musste zu lachen :D
Willi Wacker 12.09.2012
4. wie isses mit dem Geld?
Zitat von steinaugFrau Wulff ist doch angeblich beruflich im PR-Bereich tätig gewesen. Erst läßt sie das PR-Desaster ihres Mannes zu und nun verbpckt sie ihr eigenes. Die hat es echt drauf.
geht das Autorenhonorar auf den eigene Konto oder auf das gemeinsame des Ehepaares? Bei Fall 1 kommt mir sofort eine etwas gemeine Fortsetzung dieser Schicksalsgemeinschaft in den Sinn. So im Sinne der schwarzen Frau Alice.
audumbla 12.09.2012
5. Falscher Ansatz!
Ich würde doch niemals öffentlich über mein Privatleben plaudern. Das sollte Frau Wulff auch, oder ist das Ganze nur ein PR-Geck um ihr Buch gut zu verkaufen?
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