Leser-Vote Joschka Fischer düpiert von der Leyen

Für die Leser von SPIEGEL ONLINE ist klar: Joschka Fischer sollte neuer Bundespräsident werden. In einer Abstimmung unter 17 Kandidaten belegte der Grünen-Politiker den ersten Platz, knapp vor Ex-Bischöfin Margot Käßmann. Die bisherige schwarz-gelbe Favoritin Ursula von der Leyen wurde nur vierte.

Joschka Fischer mit Gattin Minu Barati: Das Präsidentenpaar der SPIEGEL-ONLINE-Leser
DDP

Joschka Fischer mit Gattin Minu Barati: Das Präsidentenpaar der SPIEGEL-ONLINE-Leser

Von und


Berlin - Wird Deutschland bald von zwei Frauen angeführt? Gut möglich.

Als neue Bundespräsidentin scheint Kanzlerin Angela Merkel ihre Arbeitsministerin ausgeguckt zu haben - Ursula von der Leyen.

Noch ist nichts sicher. Sollte Merkel Zweifel hegen, könnte sie einen Blick auf die Ergebnisse einer nicht-repräsentativen SPIEGEL-ONLINE-Abstimmung werfen: Die Leserinnen und Leser hatten die Wahl zwischen 17 Kandidaten, gut 50.000 Stimmen wurden abgegeben. Und siehe da: Von der Leyen würde danach nicht einmal in den Vorgarten von Schloss Bellevue kommen. Sie holte mit 4100 Stimmen gerade mal acht Prozent und liegt damit abgeschlagen auf dem vierten Platz.

Auf dem ersten Platz der Leser von SPIEGEL ONLINE: Joschka Fischer. Der Ex-Außenminister kam auf knapp 11.000 Stimmen (21,61 Prozent). Joschka for Bundespräsident? Fischer dürfte sich sehr geschmeichelt fühlen angesichts dieses Popularitätsbeweises. Auch wenn ihm seit seinem Abgang aus der Politik Volkes Meinung egal sein könnte - Anerkennung ist einem wie Fischer immer wichtig. Entsprechend frohgemut nimmt man das Ergebnis in seiner Umgebung zur Kenntnis.

Auch Margot Käßmann wird sich über die Abstimmung freuen. Denn die gestrauchelte Protestantin, die nach ihrer Promille-Autofahrt im Februar als EKD-Ratsvorsitzende zurücktrat, belegte den zweiten Platz. Sie lag nur knapp 300 Stimmen hinter Fischer und kam auf 21,08 Prozent der Stimmen. Der Unterschied zwischen beiden: Während er trotz seiner Popularität keinerlei Chancen angesichts der aktuellen Mehrheitsverhältnisse hätte - Fischer ist und bleibt ein Grüner für die meisten im schwarz-gelben Lager -, wurde Käßmann in der aktuellen Diskussion tatsächlich als mögliche Oppositionskandidatin genannt. Denn als Kirchenfrau wäre sie möglicherweise auch für manchen aus der Union und FDP wählbar.

Lammert immerhin auf dem dritten Platz

Auf den dritten Platz wählten die SPIEGEL-ONLINE-Leser einen, der neben von der Leyen als heißer Kandidat von Schwarz-Gelb galt: Norbert Lammert. Der CDU-Politiker, derzeit Bundestagspräsident, holte fast jede zehnte Stimme und kam so noch vor Merkels Favoritin auf den Bronze-Platz (9,67 Prozent).

Und was ist mit Wolfgang Schäuble? Der CDU-Finanzminister - selbst von manchem politischen Gegner als geborenes Staatsoberhaupt gesehen - fiel bei den Lesern von SPIEGEL ONLINE durch: Schäuble schaffte mit rund 2000 Stimmen gerade so den achten Platz, nur knapp übrigens vor Gesine Schwan. Aber Schwan war ja auch schon zwei Mal Kandidatin der SPD.

Sie sollte es wohl dabei belassen. Auch wenn sich ihr Resultat im Vergleich zum Schlusslicht der Abstimmung noch sehen lassen kann. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers - in Unions-Kreisen ebenfalls als möglicher Bundespräsident genannt - haben die SPIEGEL-ONLINE-Leser beinahe ignoriert: Magere 314 Stimmen erzielte er, umgerechnet sind das 0,62 Prozent.

Das reichte allenfalls für ein Praktikum in Schloss Bellevue.



insgesamt 1855 Beiträge
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Seite 1
Klo, 01.06.2010
1.
Zitat von sysopDer Nachfolger von Horst Köhler wird gesucht - das Anforderungsprofil ist nicht ohne: Er oder sie sollte mindestens so überparteilich sein wie der bisherige Bundespräsident, aber gleichzeitig mehr politisches Gewicht haben. Ihre Meinung: Wer macht das Rennen?
Dann darf es eigentlich nur ein parteiloser sein. Überparteilichkeit ist bei Parteimitgliedern eine Verfälschung der Tatsachen. Es gibt sie nicht. Vielleicht sollte man also doch jemanden wie Frau Käßmann vorschlagen. Die ist ganz bestimmt nicht parteiisch und gilt in weiten Teilen der Bevölkerung als absolut respektable Ehrenperson.
_meinemeinung 01.06.2010
2. ich bin...
Zitat von sysopDer Nachfolger von Horst Köhler wird gesucht - das Anforderungsprofil ist nicht ohne: Er oder sie sollte mindestens so überparteilich sein wie der bisherige Bundespräsident, aber gleichzeitig mehr politisches Gewicht haben. Ihre Meinung: Wer macht das Rennen?
für Urban Priol - intelligent, scharfsinnig und bestimmt der absolute Frisurentrendsetter....:-)
spiegel1977 01.06.2010
3. Wer sucht, die CDU und FDP oder Frau Merkel
Frau Merkel hat die politische Bühne, geordnet und strukturiert vorgefunden. Das kennt aus der Physik! Der Zustand der heutige - dargestellten - politischen Bühne sieht ungeordnet und verworren aus. Personen gehen - ohne einen politischen Grund nennen zu wollen von dieser ab, und wenden sich gleichzeitig von Frau Merkel ab? CDU und FDP sind gescheitert. Ihr ganzheitliches "Politikkonzept" vom Beginn der 2000er Jahre ist mit dem Symbol "Horst Köhler" hinfällig. SPD, Grüne und Die Linke sollten sich nun hüten Frau Merkel beizustehen. Der nächste Bundespräsident wird geschwächt in das politische Amt eintreten, weil Frau Merkel auch dieses , wie ihre eigenen Ämter (CDU-Bundesvorsitzende und Bundeskanzlerin) de-moralisiert hat.
Münchner, 01.06.2010
4.
Zitat von sysopDer Nachfolger von Horst Köhler wird gesucht - das Anforderungsprofil ist nicht ohne: Er oder sie sollte mindestens so überparteilich sein wie der bisherige Bundespräsident, aber gleichzeitig mehr politisches Gewicht haben. Ihre Meinung: Wer macht das Rennen?
Wir brauchen jemand der in der Finanz- und Wirtschaftskrise den Durchblick hat: Oskar Lafontaine
Mastermason 01.06.2010
5.
Wer das Rennen macht, ist eine Frage, die in wenigen Tagen eher zu beantworten ist. Wer das Rennen machen sollte, ist wesentlich spannender. Wenn man von diesem Lena-Käsmann-etc. Unsinn absieht, habe ich bisher auch bei den ernst gemeinten Vorschlägen – vielleicht mit Ausnahme von Peer Steinbrück – von niemanden gelesen, der das Amt wirklich ausfüllen könnte. Mein Vorschlag: Michael Naumann. Er ist - Intelligent, hoch gebildet - integer - Medien-tauglich, ein sehr guter Rhetoriker - ausreichend kritisch gegenüber der Parteien-Demokratie nach deutschem Muster eingestellt
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