Libanon-Einsatz Fregatten "Mecklenburg-Vorpommern" und "Karlsruhe" machen sich bereit

Die Marine-Fregatten "Mecklenburg-Vorpommern" und "Karlsruhe" bereiten sich nach Informationen von SPIEGEL ONLINE auf einen Einsatz vor der libanesischen Küste vor. Die "Mecklenburg-Vorpommern", eigentlich ein Schiff zur Bekämpfung von U-Booten, könnte den Verband anführen.


Rostock – Noch ist unklar, wie viele Bundeswehr-Soldaten in den Libanon geschickt werden – doch die Marine ist bereits startklar. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ist der Beschluss gefallen, welche Schiffe möglicherweise ins Mittelmeer entsandt werden: Die Fregatten "Mecklenburg-Vorpommern" und "Karlsruhe" machen sich bereit für den Einsatz vor der libanesischen Küste. Der Grundsatzbeschluss über den Einsatz deutscher Soldaten muss allerdings noch von Kabinett und Bundestag getroffen werden.

Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern": Bereit zum Auslaufen
DPA

Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern": Bereit zum Auslaufen

"Die Besatzungen der Fregatten 'Mecklenburg-Vorpommern' und 'Karlsruhe' sind darüber informiert, sich für einen Einsatz bereitzuhalten", sagte ein hochrangiger Offizier zu SPIEGEL ONLINE. Ob tatsächlich zwei Fregatten eingesetzt würden, sei aber noch nicht klar, hieß es aus Wilhelmshaven, wo die Schiffe stationiert sind. Zusätzlich seien mehrere Schnellboote aus Warnemünde einsatzbereit. "Wir werden sehen, wie groß der Verband insgesamt wird. Ziemlich sicher ist, dass die 'Mecklenburg-Vorpommern' den Verband führen wird." Die Hauptaufgabe dieser Fregatte liegt eigentlich im Bereich U-Boot-Bekämpfung.

Die Deutsche Marine verfügt derzeit über 15 Fregatten. "Sieben davon sind durch Manöver, Einsätze oder Werftliegezeiten gebunden", sagte ein Marinesprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die "Mecklenburg-Vorpommern" gehört zu den Fregatten der sogenannten 123-Klasse. Das erste Schiff dieses Typs, die Fregatte "Brandenburg", wurde 1994 in Dienst gestellt - zwei Jahre vor der "Mecklenburg-Vorpommern". "Wir haben zwar noch drei modernere Fregatten der 124-Klasse, aber die sind zurzeit anderweitig verplant", sagte ein Marineoffizier. "Die "Mecklenburg-Vorpommern" ist aber bestens geeignet, die Führung eines Verbandes vor dem Libanon zu übernehmen."

Die 218 Soldaten starke Besatzung ist erst im Mai aus dem Mittelmeer zurückgekehrt, wo das Schiff einen Nato-Verband geführt hatte. Im Rahmen der Operation "Active Endeavour" nahm die "Mecklenburg-Vorpommern" an einem Einsatz im Kampf gegen den internationalen Terrorismus teil. Die Hauptaufgabe der Fregatte liegt eigentlich im Bereich der U-Boot-Bekämpfung. Die "Karlsruhe" wurde 1984 in Dienst gestellt.

Merkel macht der Marine Mut

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte heute eine moderne Fregatte der 124-Klasse, die "Sachsen", um sich von der Einsatzbereitschaft der deutschen Truppe ein Bild zu machen. Die deutsche Soldaten seien gut motiviert, erklärte Merkel bei einer Manöverfahrt im Seegebiet vor Rostock. Sie habe den Eindruck gewonnen, "dass die Marine bereit ist, Verantwortung zu übernehmen".

Die Bundesregierung wartet immer noch auf die Anforderung aus dem Libanon, die einer Entsendung deutscher Soldaten vorausgehen muss, wie Merkel noch einmal betonte. Laut einem Sprecher hat Libanons Ministerpräsident Fuad Siniora bereits gestern zugesagt, die Anforderung zu schicken. Merkel wollte erneut keine genaueren Angaben zum Umfang der Libanon-Truppe machen.

Erler: Es werden insgesamt nur 1400 Mann gebraucht

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, bezweifelte heute, dass Deutschland 1200 Soldaten in die Krisenregion schicken müsse."Die letzte Zahl, die ich aus New York gehört habe, war, dass etwa 1400 Mann insgesamt für die maritime Streitmacht gebraucht würden", sagte Erler dem Rundfunk Berlin-Brandenburg. Es gebe aber weitere Zusagen für Schiffe, vor allem von skandinavischen Ländern. "Wenn sich diese Zahl bestätigt, dann ist gar nicht soviel Platz, dass Deutschland da mehr als bisher zugesagt entsenden könnte."

Erler schloss aus, dass der Einsatz der Bundeswehrsoldaten auf das Gebiet an der libanesisch-syrischen Grenze ausgeweitet werde. "Dazu gibt es klare Aussagen sowohl der Bundeskanzlerin als auch des Außenministers, dass dafür Beratung oder Ausstattung zur Verfügung stehen, aber keine Soldaten oder Polizisten."

Bei der Abstimmung im Bundestag wird von den SPD-Abgeordneten wie bei der Entscheidung über andere Bundeswehr-Einsätze keine Fraktionsdisziplin erwartet, sagte SPD-Fraktionschef Peter Struck der "Frankfurter Rundschau". Er gehe aber von einer breiten Mehrheit für den Einsatz aus, auch in der SPD-Fraktion, ergänzte Struck.

kaz/agö/AFP/Reuters/dpa

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