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01. September 2013, 18:33 Uhr

Liberalismus

FDP war gegenüber Pädophilen toleranter als bislang bekannt

Wie offen sympathisierte die FDP mit Pädophilen? SPIEGEL-Recherchen zeigen, dass die Verbindungen in den achtziger Jahren weitaus enger waren, als die Partei heute zugeben will.

Hamburg - Auch die Liberalen haben pädophile Positionen in ihren Reihen geduldet und unterstützt. Das geht nach SPIEGEL-Recherchen aus Unterlagen des FDP-nahen Archivs des Liberalismus hervor. So sorgte die Berliner FDP beispielsweise dafür, dass die Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft Steuergelder erhielt. Dabei forderte deren Arbeitsgruppe Pädophilie öffentlich, Sex zwischen Erwachsenen und Kindern zu entkriminalisieren.

Auch die FDP-Bundestagsabgeordneten setzten sich mit dem Thema auseinander: Bei einer Fraktionsanhörung im Jahr 1981 durfte unter anderem der Sexualforscher Helmut Kentler sprechen. Er berichtete von einem Projekt in Berlin, bei dem er 13- bis 15-jährige Jungen, die an "sekundärem Schwachsinn" litten, bei Päderasten unterbrachte: "Diese Leute haben diese schwachsinnigen Jungen nur deswegen ausgehalten, weil sie eben in sie verliebt, verknallt und vernarrt waren." Die Abgeordneten irritierte der Bericht offenbar nicht, es gab weder Zwischenrufe noch Nachfragen.

Dabei hatte FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einem Interview mit der "Welt" vor zwei Wochen noch behauptet: "Pädophilie war und ist in der FDP kein Thema."

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