Lichtprojektion: Greenpeace-Slogan an deutschen Kraftwerken

Mit einer spektakulären Aktion protestiert Greenpeace gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Aktivisten der Umweltschutzorganisation projizierten den Satz "Das Lügen geht weiter" auf die sieben ältesten Kernkraftwerke und den Reaktor in Krümmel.

Greenpeace-Aktion in Neckarwestheim: Protest gegen die Atompolitik Zur Großansicht
DPA

Greenpeace-Aktion in Neckarwestheim: Protest gegen die Atompolitik

Biblis - Zwei Stunden lang hat Greenpeace mit einer Lichtprojektion auf acht Kraftwerke vor den Gefahren der Kernkraft gewarnt und gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung protestiert. Sie warfen in den frühen Morgenstunden den Satz "Das Lügen geht weiter" auf die Meiler.

Nach zwei Stunden war die Aktion der Umweltorganisation an den AKW Neckarwestheim I, Philippsburg I (Baden-Württemberg), Biblis A und B (Hessen), Isar I (Bayern), Unterweser (Niedersachsen), Brunsbüttel und Krümmel (Schleswig-Holstein) beendet. Die Bundesregierung und die Atomkonzerne verbreiteten weiterhin die Unwahrheit über Anlagensicherheit, Klimaschutz und Versorgungssicherheit, erklärte Greenpeace. Greenpeace forderte ein Gesetz zur Laufzeitverkürzung der Atomkraftwerke.

"Es ist und bleibt eine Lüge, wenn die Bundeskanzlerin behauptet, deutsche Atomkraftwerke seien die sichersten der Welt. Und es ist auch eine Lüge, dass Atomkraft eine unverzichtbare Brückentechnologie ist", erklärte Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl. "Gäbe es keine Wahlen in Baden-Württemberg, würde die Regierung vermutlich kein Moratorium und keine vollständige Sicherheitsüberprüfung anordnen."

Die Bundesregierung und die Länder mit AKW-Standorten hatten wegen der Atomkatastrophe in Japan beschlossen, die sieben ältesten Kraftwerke für die Dauer eines Laufzeit-Moratoriums von drei Monaten vom Netz zu nehmen. In dieser Zeit soll ihre Sicherheit überprüft werden.

Die Stufen der INES-Skala
7 - Katastrophaler Unfall
Folgen außerhalb der Anlage Folgen innerhalb der Anlage Bedeutung für die Sicherheit Fallbeispiele
Schwerste Freisetzung von Radioaktivität, Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld Katastrophe von Tschernobyl 1986 (UdSSR, heute Ukraine)
Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES)
Quelle: NDR/ INES
6 - Schwerer Unfall
Folgen außerhalb der Anlage Folgen innerhalb der Anlage Bedeutung für die Sicherheit Fallbeispiele
Erhebliche Freisetzung von Radioaktivität, voller Einsatz der Katastrophenschutz- Maßnahmen Katastrophe von Kyschtym 1957 (UdSSR, heute Russland)
Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES)
Quelle: NDR/ INES
5 - Ernster Unfall
Folgen außerhalb der Anlage Folgen innerhalb der Anlage Bedeutung für die Sicherheit Fallbeispiele
Begrenzte Freisetzung von Radioaktivität, teilweiser Einsatz der Katastrophenschutz- Maßnahmen Reaktorkern / radiologische Barrieren schwer beschädigt Atomunfälle von Windscale/Sellafield 1957 (Großbritannien), Three Mile Island 1979 (USA) und Tokaimura 1999 (Japan)
Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES)
Quelle: NDR/ INES
4 - Unfall
Folgen außerhalb der Anlage Folgen innerhalb der Anlage Bedeutung für die Sicherheit Fallbeispiele
Geringe Freisetzung von Radioaktivität, Strahlenbelastung der Bevölkerung etwa in Höhe natürlicher Quellen Reaktorkern / radiologische Barrieren erheblich beschädigt, Strahlen- belastung von Mitarbeitern mit Todesfolge Atomunfälle von Windscale/Sellafield 1973 (Großbritannien), Saint-Laurent 1980 (Frankreich)
Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES)
Quelle: NDR/ INES
3 - Ernster Störfall
Folgen außerhalb der Anlage Folgen innerhalb der Anlage Bedeutung für die Sicherheit Fallbeispiele
Sehr geringe Freisetzung von Radioaktivität, Strahlenbelastung der Bevölkerung in Höhe eines Bruchteils natürlicher Quellen Schwere radioaktive Kontaminierung, Mitarbeiter erleiden akute Gesundheits- schäden Beinahe-Unfall: keine weiteren Sicherheits- vorkehrungen, die einen Unfall verhindert hätten Störfall von Vandellòs 1989 (Spanien)
Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES)
Quelle: NDR/ INES
2 - Störfall
Folgen außerhalb der Anlage Folgen innerhalb der Anlage Bedeutung für die Sicherheit Fallbeispiele
Erhebliche radioaktive Kontaminierung, unzulässige Strahlen- belastung von Mitarbeitern Störfall mit erheblichen Ausfällen von Sicherheits- vorkehrungen Störfälle von Philippsburg 2001 (Deutschland) und Forsmark 2006 (Schweden)
Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES)
Quelle: NDR/ INES
1 - Störung
Folgen außerhalb der Anlage Folgen innerhalb der Anlage Bedeutung für die Sicherheit Fallbeispiel
Abweichung von den zulässigen Bereichen für den sicheren Anlagenbetrieb Störung durch Ventilschaden im südhessischen Atomkraftwerk Biblis, Block A im Dezember 1987
Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES)
Quelle: NDR/ INES
0
Folgen außerhalb der Anlage Folgen innerhalb der Anlage Bedeutung für die Sicherheit Fallbeispiel
Keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung
Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES)
Quelle: NDR/ INES

als/dpa/AFP

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Ergebnis absehbar..
nordschaf 21.03.2011
Das Ergebnis der umfassenden Sicherheitsüberprüfung ist bereits absehbar und man könnte eigentlich bereits eine Pressemitteilung dazu vorbereiten: es gäbe leichte bis mittelschwere Sicherheitsmängel, diese liessen sich jedoch durch Nachrüstung beheben. Man würde dies überwachen. Angriffe aus der Luft z.B. mit entführten Passagiermaschinen könnten durch die Luftsicherung rechtzeitig abgewehrt werden. Insofern könnten alle Meiler weiter betrieben werden. Es liesse sich ja meinswegen über die Nutzung von Atomenergie diskutieren (z.B. Ersatzneubau von moderneren bzw. sichereren Kugelhaufen-Reaktoren), aber man hat doch so langsam die Nase endgültig davon voll, immer wieder mit Beschwichtigung, Vernebelung und der Pauschalaussage, die deutschen Atomkraftwerke seien "die sichersten der Welt" für dumm erklärt zu werden. Es ist nunmal eine gefährliche Technologie und wir können uns dafür oder dagegen entscheiden. Aber diese Volksverdummung und das durchsichtige Spielen auf Zeit (in drei Monaten wird ja hoffentlich eine andere Sau durchs Dorf getrieben) sind unerträglich.
2. Demagogen auf dem Vormarsch
Olaf 21.03.2011
Zitat von sysopMit einer spektakulären Aktion protestiert Greenpeace gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Aktivisten der Umweltschutzorganisation projizierten den Satz "Das Lügen geht weiter" auf die sieben ältesten Kernkraftwerke und den Reaktor in Krümmel. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,752145,00.html
Natürlich, wer anderer Meinung ist als Greenpeace lügt. Erst recht demokratisch gewählte Regierungen. Ein gutes Beispiel für Demagogie in reinster Form.
3. ..natürlich ist bei uns alles sicher !
downgrade0815 21.03.2011
Zitat von OlafNatürlich, wer anderer Meinung ist als Greenpeace lügt. Erst recht demokratisch gewählte Regierungen. Ein gutes Beispiel für Demagogie in reinster Form.
Wenn sowas : http://de.wikipedia.org/wiki/AVR_%28J%C3%BClich%29 weltweit das "Sicherste" ist - na dann rauchen wir uns nicht zu fragen, warum einige die Atomkraft immer noch so verteidigen. Wer weis, wie sich sowas aufs "Denken" auswirkt. Aber, das war natürlich eine Ausnahme, alles andere ist sicher ;-) Sicher ! Wer sagt eigentlich das "demokratisch" gewählt irgendwas mit Wahrheit zu tun hat ? Wie schaffen Sie denn diesen Gedankensprung ? Sieht mehr wie ein Quantensprung aus (und der ist entgegen der oftmaligen Verwendung dieses Vergleich imens ;-) klein)
4. Demokraten lügen nicht
MaxHeadram 21.03.2011
Zitat von OlafNatürlich, wer anderer Meinung ist als Greenpeace lügt. Erst recht demokratisch gewählte Regierungen. Ein gutes Beispiel für Demagogie in reinster Form.
Auch demokratisch gewählte Politiker lügen wenn es ihren Zwecken dient. Die Atomlobby winkt mit Parteispenden und lukrativen Pöstchen nach der Legislaturperiode. Wer würde da nicht ein wenig lügen um seine Wiederwahl oder seine Rente zu sichern? Ein gutes Beispiel für Ignoranz in reinster Form.
5. @ Olaf zum Thema Sicherheit u. AKWs
smokingsucker 21.03.2011
Sicherheit in einem AKW gibt es nur, solange keine Probleme auftreten. Oder mit anderen Worten: Haben wir ein Problem in einem Reaktor, haben wir ein Problem. "Oder frei nach Goethe: Die ich rief, die Geister, werd ich dann nicht los". Unter Sicherheit verstehe ich etwas anderes. Da können Merkel und Röttgen noch so oft predigen, dass "nach derzeitigem Wissensstand deutsche AKWs sicher seien". Wenn in einem deutschen AKW die Kühlung ausfällt (aus welchen Gründen auch immer), passiert genau dasselbe wie in Japan. Das ist Fakt und keine Demagogie. Wer etwas anders behauptet, lügt, und das hat Greenpeace zurecht an die richtigen Adressen projeziert.
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Kernkraftwerke in Fukushima
Fukushima I (Daiichi)
Das Atomkraftwerk Fukushima I (Fukushima Daiichi) besteht aus sechs Blöcken mit jeweils einem Reaktor. Probleme gibt es vor allem in Block 1 und Block 3. Bei beiden Reaktoren wird zumindest eine teilweise Kernschmelze befürchtet. Die Kühlsysteme sind ausgefallen, die Betreiber haben Meerwasser in die Reaktoren gepumpt. Das Gebäude um Block 1 explodierte am Samstag - Grund soll eine Verpuffung der Gase zwischen Reaktor und Reaktorhülle gewesen sein. Der atomare Notstand wurde ausgerufen, im Umkreis von 20 Kilometern wurde evakuiert. Am Montag ereignete sich eine weitere Explosion. Nach Angaben der Regierung hat die Stahlhülle des Blocks 3 aber standgehalten. Die schlechten Nachrichten reißen allerdings nicht ab: Auch in Reaktor 2 ist die Kühlung inzwischen ausgefallen.
Fukushima II
Das Atomkraftwerk Fukushima II (Fukushima Daini) besteht aus vier Blöcken. Betreiber ist ebenfalls die Tokyo Electric Power Company (Tepco). Die Kühlsysteme der Reaktoren 1, 2 und 4 sind nach Angaben der japanischen Regierung ausgefallen. Der atomare Notstand wurde ausgerufen, im Umkreis von zehn Kilometern wird evakuiert.