Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Linken-Parteitag: Gysi verzichtet auf neue Kandidatur als Fraktionschef

Gregor Gysi kündigt seinen Rückzug vom Amt des Linken-Fraktionschefs an: Er will im Herbst nicht wieder antreten. Seine Stellvertreterin Sahra Wagenknecht will nun überlegen, ob sie die Nachfolge antritt.

Bis zum zweiten Tag mussten die Genossen warten - dann am Sonntag erklärte sich Gregor Gysi auf dem Bielefelder Parteitag zu seiner Zukunft. Dies sei das letzte Mal, dass er als Fraktionschef auf einem Parteitag spreche, sagte er. "Ich werde nicht erneut kandidieren, da die Zeit gekommen ist, den Vorsitz unserer Fraktion in jüngere Hände zu legen." Gysi versprach, dass er "nicht heimlich versuchen werde, die Fraktion auf indirekte Art weiter zu leiten". Mitglied im Bundestag will er bleiben.

Gysi steht seit 2005 an der Spitze der Bundestagsfraktion und ist damit dienstältester Fraktionschef im Parlament. Mit 64 Abgeordneten ist die Linke derzeit die größte Oppositionspartei, noch vor den Grünen.

Dietmar Bartsch (l.) und Sahra Wagenknecht (r.) in Bielefeld: Zur Großansicht
DPA

Dietmar Bartsch (l.) und Sahra Wagenknecht (r.) in Bielefeld:

Die Wahl der neuen Fraktionsspitze ist für den 13. Oktober geplant. Einen Vorschlag für die Nachfolge mache die Parteispitze, sagte Gysi. Die Linke ist nun in einer schwierigen Situation. Reformer Dietmar Bartsch galt bisher als Nachfolge-Kandidat, allerdings nur für eine Doppelspitze - zusammen mit der zum linken Flügel gehörenden Sahra Wagenknecht. Sie hatte noch im März erklärt, sie wolle nicht mehr Fraktionsvorsitzende werden.

Fotostrecke

11  Bilder
Fraktionschef Gregor Gysi: Nach zehn Jahren ist Schluss

Eine Doppelpsitze mit Bartsch gilt dennoch als Nachfolgemodell für Gysi. Nach dessen Abtrittsrede sagte Wagenknecht SPIEGEL ONLINE: "Es ist eine neue Situation entstanden. In Sachen Fraktionsvorsitz überlege ich neu." Wagenknecht sagte weiter, sie werde "Gespräche mit Dietmar Bartsch führen". Aus ihrem Umfeld heißt es, es sei wahrscheinlich, dass sich die 45-Jährige umentscheide. Das soll in den kommenden Tagen geschehen.

Die Linkspartei braucht nun eine schnelle Lösung: Im kommenden Jahr stehen fünf Landtagswahlen an. Gysi umwirbt - anders als Wagenknecht - die SPD. Er hatte die Linke zuletzt aufgefordert, für ihre Regierungsfähigkeit zu Zugeständnissen an SPD und Grüne bereit zu sein. Gysi betonte am Sonntag: "Wir können und sollten auch auf Bundesebene regieren wollen, und zwar selbstbewusst, mit Kompromissen, aber ohne falsche Zugeständnisse." Es gebe in der Linken viele, die eine Regierungsverantwortung anstreben, und es gebe solche, die sie nicht wollen. "Letztere können das aber nicht zugeben und werden nur für sehr viele rote Haltelinien streiten, die man auf gar keinen Fall unterschreiten dürfe, in der Hoffnung, dass SPD und Grüne schon an der zweiten Haltelinie scheitern."

Wagenknecht betont im aktuellen SPIEGEL: Ein Bündnis mit den Sozialdemokraten im Bund sei erst denkbar, wenn "da wieder Leute an die Spitze kommen, die sich nicht damit abfinden wollen, dass ihre Partei auf jeden politischen Gestaltungsanspruch verzichtet". (Lesen Sie dazu mehr hier).

heb/fab/AFP/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 70 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
xtdrive 07.06.2015
Schade.
2. Danke
niktim 07.06.2015
Damit zieht sich einer der schillernsten Figuren aus der aktiven Politik zurück! Schade. Viel Glück im weiteren Leben, Herr Gysi!
3. Schade
inkognitobesserwisser 07.06.2015
Er ist einer der wenigen, die eine klare Forderung haben und die wirklich ihre Meinung sagen und keinen Mist labern.
4. Da
n.nixdorff 07.06.2015
geht er hin und mit ihm wohl auf absehbare Zeit der Traum von Rot-Rot-Grün. Danke, Fundis, da habt ihr der CDU eine Steilvorlage gegeben. Jetzt gibt es nur noch zwei Optionen, CDU mit Juniorpartner SPD oder, viel schlimmer noch, CDU mit FDP. Gute Nacht, Deutschland.
5. Gute Nachricht
rickmarten 07.06.2015
Vielleicht können seine Nachfolger endlich die Schatten der Vergangenheit hinter sich lassen. Es wäre zu wünschen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: