Streit in der Linkspartei Harald Wolf soll Höhn als Bundesgeschäftsführer beerben

Der Linken-Vorstand hat den Berliner Ex-Senator Harald Wolf als kommissarischen Bundesgeschäftsführer vorgeschlagen. Damit folgt er auf Matthias Höhn, der nach Querelen in der Partei zurückgetreten war.

Harald Wolf
DPA

Harald Wolf


Er soll helfen, die Partei zu befrieden: Harald Wolf wird neuer Bundesgeschäftsführer der Linken - zumindest bis zum Parteitag im Juni kommenden Jahres. Der Parteispitze hat den früheren Wirtschaftssenator von Berlin als kommissarischen Nachfolger von Matthias Höhn vorgeschlagen. Dieser hatte am Freitag nach wochenlangen Querelen seinen Rücktritt erklärt.

Wolf war von 2002 bis 2011 Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen in Berlin. Wie Höhn ist auch er Mitglied des Reformerlagers - genießt jedoch lagerübergreifend Ansehen. Nach dem Vorschlag der beiden Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger und des Geschäftsführenden Parteivorstands muss nun der gesamte Vorstand in einer Sitzung am Samstag Wolf noch offiziell als Parteimanager benennen.

"Harald Wolf verfügt über einen breiten Erfahrungshintergrund auch in Leitungs- und Regierungsfunktionen, über eine ausgewiesene wirtschafts- und finanzpolitische Kompetenz und wird strömungsübergreifend als verbindender Akteur geschätzt", heißt es in einer Mitteilung der Linken.

Höhn kritisiert Vorstand

Der Entscheidung vorausgegangen war ein erneut hochgekochter Streit zwischen Parteiführung und den Fraktionschefs Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Kipping und Riexinger sollen Höhn unter anderem vorgeworfen haben, den Fokus auf die Fraktionsvorsitzenden im Wahlkampf unterstützt zu haben. Außerdem habe er die Parteichefs nicht genügend gegen Angriffe von Oskar Lafontaine, Wagenknechts Ehemann, in Schutz genommen.

In einem Brief an den Parteivorstand erklärte Höhn nun seinen Rücktritt mit deutlichen Worten: Eine Partei braucht eine Führung und einen Vorstand, die auf Vertrauen, Verlässlichkeit und Kooperation beruhen." Dies sei für ihn "nicht mehr gegeben."

Aus Parteikreisen heißt es, die Entscheidung für Wolf sei ein Zugeständnis an das Höhn-Lager. Wolf zeichne sich zudem durch eine ruhige und sachliche Art aus.

In einem Brief an den gesamten Parteivorstand, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, schreiben Kipping und Riexinger: "Uns ist bewusst, dass es ein ungewöhnliches Verfahren ist, Euch auf dem schriftlichen Wege über unseren Vorschlag zu informieren." Man habe jedoch mit Höhn, "dass er zunächst den Parteivorstand über seine Entscheidung informiert. Da nun seit gestern in den Medien wilde Spekulationen sowohl über Namen wie über die Motive von Matthias angefeuert werden, haben wir uns dafür entschieden, Euch direkt im Anschluss an Matthias Schreiben zu informieren, auch um die entsprechenden Spekulationen auszuräumen."

kev



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.