Linke streiten weiter "Souverän geht anders"

Offiziell ist der Führungsstreit bei den Linken beigelegt, doch die Sticheleien gehen weiter. Die Abgeordnete Petra Pau fordert "Schluss mit Kindergarten".

Katja Kipping
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Katja Kipping


Auch nach der Beilegung des Machtkampfs zwischen Fraktions- und Parteispitze rumort es bei den Linken weiter.

Parteichefin Katja Kipping hat sich über das Auftreten von Fraktionschefin Sahra Wagenknecht überrascht gezeigt. "Ich hab gedacht: Okay, souverän geht anders", sagte Kipping in der ARD. Wagenknecht hatte Riexinger das Wort abgeschnitten, als man gemeinsam vor die Presse trat und der Parteichef die Anwesenden begrüßte. "Bernd, das ist die Pressekonferenz der Fraktion", wies Wagenknecht ihn zurecht (lesen Sie hier einen Kommentar zu dem Thema).

Die frisch als Vizechefin der Fraktion gewählte Abgeordnete Sevim Dagdelen verteidigte Wagenknecht wiederum: "Sahra Wagenknecht hat mehr als deutlich gemacht, was souverän ist", sagte sie. Sie sei froh, dass sich Wagenknecht und Bartsch durchgesetzt hätten.

Der Wiederwahl war ein Machtkampf zwischen Fraktions- und Parteispitze vorangegangen. Mit einem Kompromiss und erweitertem Rederecht der Parteichefs im Bundestag legte die Fraktion den Streit vorerst bei.

Kipping sagte: "Ich habe in der Sitzung mehrmals sehr nachdrücklich für einen Kompromiss geworben. Ich bin froh, dass dann Sahra Wagenknecht das am Ende akzeptiert hat." Dagdelen wünscht sich unterdessen ein schnelles Ende des Führungsstreits: "Ich hoffe, dass wir dieses Kapitel abschließen und unsere Aufgabe wahrnehmen können, sozialer Oppositionsführer zu sein für höhere Löhne, sichere Renten und Bekämpfung von Fluchtursachen."

Die erneut als Bundestagsvizepräsidentin nominierte Abgeordnete Petra Pau forderte im MDR: "Schluss mit Kindergarten". Lange Selbstbeschäftigung sei überflüssig. Der selbst wiedergewählte Bartsch sagte dem Fernsehsender Phoenix, Konflikte seien offen ausgetragen worden. "Das hätte ich mir anders gewünscht."

Die Berliner Linke-Landesvorsitzende Katina Schubert warnte vor verheerenden Auswirkungen. "Ich habe natürlich nur den Blick von außen. Und der sagt mir, dass es eine ausgesprochen schwierige Gemengelage ist, die für die Partei insgesamt schädlich ist", sagte Schubert. Das werde auch in zahlreichen Zuschriften von Wählern deutlich. "Die Wähler erwarten, dass wir unsere Arbeit machen." Dies gelte auch für die Parteiführung.



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apr/dpa



insgesamt 14 Beiträge
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sogehtdasnicht 18.10.2017
1. Kipping hat sich als Parteivorsitzende disqualifiziert.
Das Interview im Morgenmagazin war äußerst ärgerlich, souverän geht da tatsächlich anders, und sie hat sämtliche Steilpässe durchrutschen lassen, der Fraktionsführung den Rücken zu stärken. Das eigene Rollenverständnis von Frau Kipping und auch Herrn Riexinger ist sehr verbesserungswürdig. Fraktion ist Fraktion und Partei ist Partei.
isegrim der erste 18.10.2017
2. Der Begriff Kindergarten trifft es voll und ganz
Es geht weniger um die Sache sondern hauptsächlich um Befindlichkeiten der Partei-Oberen. So etwas möchte man nicht in einer Regierung haben. Dazu kommt, dass viele Wähler diese Partei nur aus Protest gewählt haben und nicht wegen des Programms der Linken. Diese Stimmen können bei dernächsten Wahl sonstwo sein, z.B. bei der AfD oder der NPD.
klausbacker 18.10.2017
3. Erbärmlich
Es wird höchste Zeit, dass Kipping endlich kapiert, dass sie der Partei mit ihren Eifersüchteleien nur schadet. Sie ist halt ein Aparatschik, der sich nur in Floskeln äußern kann und der redegewandten Wagenknecht hoffnungslos unterlegen.
droptableall 18.10.2017
4. was ist
Mit der Umsetzung des Parteiprogramms? Liebe Linke, habt bitte ein Auge auf die Rüstungsexporte und auf die Ungleichheiten zugunsten der Reichen, deckt auf und schlagt Alarm anstatt euch mit internen Machtgelüsten und Eitelkeiten zu befassen. Und bleibt Kosmopolitisch und Global denkend anstatt von "Fremden" und "Gastrecht" zu sprechen. Wir sind alle Gäste auf der Erde.
samspandau 18.10.2017
5. Souverän ist anders
Eine Partei, in welcher die Spitze anders spricht als die Fraktion, verliert ihre Glaubwürdigkeit. Wem soll ich trauen? "Die Reihen fest geschlossen" heißt es in einem alten Arbeiterlied. Davon ist bei den Linken nicht viel zu merken. Wenn sie sich weiterhin selbst zerfleischen, unterstützen sie alle Vorurteile, auch die nicht gerechtfertigten. Regieren kann nur, wer erstmal seinen eigenen Laden im Griff hat. Dieser Zickenkrieg zeugt von Profilneurosen, wobei ich allerdings glaube, dass die wahren Gegensätze tiefer liegen. Allerdings muss gesagt werden, dass es auch in den anderen Parteien Kompetenz- und Richtungsstreitigkeiten gibt und Animositäten ebenso an der Tagesordnung sind ("ich kann deine Fresse nicht mehr sehen" - CDU).
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