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DDR-Vergangenheit: Linke nimmt Merkel gegen Steinbrück in Schutz

Steinbrück: Für die Linken "nicht wählbar". Zur Großansicht
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Steinbrück: Für die Linken "nicht wählbar".

Noch am Wochenende dienten sich die Linken der SPD als Koalitionspartner an. Doch jetzt kritisieren sie Peer Steinbrück massiv wegen Äußerungen des Kanzlerkandidaten über die DDR-Vergangenheit von Angela Merkel: "So jemand ist nicht wählbar", wettert Parteichef Bernd Riexinger.

Berlin - Die Linken nehmen Kanzlerin Angela Merkel gegen Kritik ihres Herausforderers Peer Steinbrück in Schutz. Steinbrück hatte in einer Diskussionsveranstaltung des Berliner "Tagesspiegels" kritisiert, der CDU-Chefin fehle es unter anderem wegen ihrer DDR-Herkunft an Leidenschaft für die Europapolitik. Steinbrück habe nicht die geringste Ahnung vom Osten, sagte Spitzenkandidat Gregor Gysi dem "Berliner Kurier". "Sowohl in der DDR als auch jetzt gab und gibt es einen ebenso großen Wunsch nach europäischer Integration wie in den alten Bundesländern."

Steinbrück war in der Diskussionsveranstaltung auf eine Äußerung von 2011 angesprochen worden, in dem er Merkels Europapolitik mit ihrer DDR-Herkunft in Zusammenhang bringt. "Ich halte daran fest: Die Tatsache, dass sie jedenfalls bis 1989/1990 eine ganz andere persönliche und politische Sozialisation erlebt hat als die, die diese europäische Integration seit Anfang der fünfziger Jahre erlebt haben, beginnend mit den Montanverträgen, das spielt in meinen Augen schon eine Rolle", sagte er, Steinbrück hatte aber hinzugefügt: "Das will ich nicht missverstanden haben als Vorwurf, denn sie konnte sich ja nicht aussuchen, ob sie auf der östlichen oder westlichen Seite Deutschlands und Europas aufgewachsen ist."

"Das ist eine bodenlose Unverschämtheit", wetterte auch Linken-Chef Bernd Riexinger. "Dafür muss sich Steinbrück entschuldigen, und wenn er es nicht tut, dann muss Gabriel nach Canossa gehen", sagte er der "Welt". "Das ist die schlimmste Entgleisung gegen Ostdeutsche seit Jahren." Mit seinen Äußerungen habe sich Steinbrück für die Kanzlerwahl "selbst aus dem Rennen genommen": "So jemand ist nicht wählbar." Die Linke werde jetzt offensiv im Osten um enttäuschte SPD-Wähler werben.

Noch am Wochenende hatten sich die Linken heftig als Koalitionspartner der SPD angedient. Bereits jetzt gebe es große inhaltliche Schnittmengen etwa bei Mindestlöhnen, gleicher Bezahlung von Männern und Frauen und der Abschaffung des Betreuungsgeldes, sagte Gysi. "Ihr Wahlprogramm kann die SPD mit uns am besten umsetzen."

Der CDU kamen Steinbrücks Äußerungen natürlich gelegen. Die Äußerung gehöre zur "Endloskette der Peinlichkeiten dieses Kandidaten", sagte Generalsekretär Hermann Gröhe. "Gerade Menschen, die in der früheren DDR, in Ost- und Mitteleuropa Freiheit, Demokratie und Menschenrechte schmerzlich vermisst haben, haben doch die Europäische Union stets als etwas verstanden, was mehr ist als Sicherheit fürs Portemonnaie."

als/dpa

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insgesamt 153 Beiträge
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1. Zusammenarbeit im 'Ostblock'
tam_venceremos 05.08.2013
Die Zusammenarbeit der Länder des Warschauer Paktes war wesentlich intensiver als die der westlichen Welt. Wenn DDR Bürger zum Eisenbahnbau in die UdSSR gingen um dafür Öl und gaslieferungen zu erhalten, dann ist das größere internationale Integration als das was die Eu fabriziert.
2.
friedrich_eckard 05.08.2013
Die verzweifelten Bemühungen der sPD und ihres Kandidatendarstellers, doch noch einen schwarzgelben Wahlerfolg herbeizuführen und dadurch von der Beantwortung der Koalitionsfrage entbunden zu werden gewinnen allmählich einen rührenden Zug. Die NachDenkSeiten haben ihm ja einst bescheinigt, "kein sehr helles Licht" zu sein - aber so sparsam ausgeleuchtet kann doch selbst dessen Oberstübchen nicht sein, um den Fettnapf mit dem Durchmesser eines Kugelstossrings nicht zu erkennen, in den er da wieder hineingelatscht ist. Und nicht einmal in der Sache hat er Recht - Merkel hat ja durchaus einen Bezug zu Europa und will es, als Fortsetzerin und Vollenderin des Werkes der Zerstörung ihres Vorgängers, in einen einzigen grossen Niedriglohnsektor, ein Paradies für Lohndrücker, kurz: ein Gross-Agendistan verwandeln. Dazu fragt sich ja auch, ob sich so "eigentliche" sPD-Wähler in den neuen Ländern wirklich von der Wahl fernhalten lassen, denn: wenn sie nicht daheimbleiben und stattdessen LINKE oder meinetwegen wennsdennunbedingtseinmuss GRÜNE wählen, dann klappt das doch mit der Schützenhilfe für schwarzgelb auch wieder nicht. Herr, wirf Hirn... aber wenn dieser Wunsch tatsächlich erfüllt werden sollte, dann findet das da sicher noch einen Platz sich unterzustellen.
3. Peer, schon wieder ein Fettnapf
radamriese 05.08.2013
wo du reingetreten bist.
4. Will der überhaupt noch Kanzler werden
jtrch 05.08.2013
Ich bekomme als Schweizer nur so am Rande mit was da bei euch läuft, aber den Peitschen Peer kann zwar eine Kavallerie lostreten, aber scheinbar nicht Kanzler werden. Also so mancher Hinterwälder hat mehr diplomatisches Feingefühl als der Herr Steinbrück. Eine ganz schön steinige Brücke die er da beschreitet so scheint mir, kein Fettnäpfchen lässt er aus.
5. Nö, ...
MephistoX 05.08.2013
Zitat von radamriesewo du reingetreten bist.
... das sehe ich überhaupt nicht so ! :) Murksel hat in der Tat ein ziemlich totalitäres EU-"Verständnis", das ich absolut nicht teilen kann: Ihre völlig überzogene Austeritätspolitik, von den LINKEN nicht völlig zu unrecht als "Spardiktat" gegeißelt - verweigert andern Ländern Maßnahmen, die hierzulande z.B. in der "Lehman-Banken-Krise" völlig selbstverständlich waren. Glaubwürdige Europapolitik und die eingeforderte "Führungsrolle" Deutschlands sehen anders aus, als das, was uns "Mutti" seit Jahren leidlich präsentiert.
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