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Linken-Frontfrau Wagenknecht: Sahra macht sich locker

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In der Linkspartei herrscht Führungschaos - und schon empfiehlt sich eine alte Bekannte für höhere Aufgaben: Die überzeugte Kommunistin Sahra Wagenknecht präsentiert sich neuerdings moderater. Will sie den Vorsitz übernehmen?

Sahra Wagenknecht: Ganz links Fotos
dapd

Hamburg - Harald Schmidt hat sie bereits geadelt. Sie sei "die Ikone der Linkspartei", sagte der Entertainer, als er neulich den Auftritt von Sahra Wagenknecht in seiner Fernsehshow ankündigte. Wagenknecht schwang sich in den Ledersessel und wirkte sichtlich geschmeichelt.

Ikone der Linken - war dieses Attribut bislang nicht Oskar Lafontaine vorbehalten?

Ob sie grundsätzlich gegen den Kapitalismus sei, wollte Schmidt von der überzeugten Marxistin wissen. Was denn für den Kapitalismus spreche, lautete ihre Gegenfrage. Dazu Schmidt: "Mein Lebensstandard." Schallendes Gelächter im Publikum, und auch die 41-Jährige lächelte.

Bislang war Wagenknecht nicht gerade als launiger Talkshow-Gast aufgefallen - eher als Nachhut des Kommunismus. Sie war lange Zeit Sprecherin der Kommunistischen Plattform, einer orthodoxen Strömung innerhalb der Linken. Doch von ihrem Hardliner-Image war bei Schmidt fast nichts zu spüren, selbst über mögliche Regierungsbeteiligungen der Linken plauderte Wagenknecht offen. In ihrer Bundestagsfraktion und auf Parteitagen gehört sie dagegen normalerweise zu den Wortführerinnen, wenn es darum geht, eine Annäherung der Genossen an SPD und Grüne zum Tabu zu erklären - oder mit dem Kapitalismus abzurechnen. So mancher Parteifreund wunderte sich deshalb über Wagenknechts zahmen TV-Auftritt. "Ihr schauspielerisches Talent ist beeindruckend", sagte ein irritierter Genosse. "So moderate Töne haben wir von ihr in der Fraktion noch nie gehört."

Sahra Wagenknecht arbeitet offenbar an ihrer Außenwirkung. Auch launige Auftritte wie etwa beim politischen Aschermittwoch gehören jetzt zu ihrem Programm: Dort lästerte sie Anfang März über den kurz zuvor als Verteidigungsminister zurückgetretenen CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg, sprach vom "Copy-and-Paste-Baron" und dessen Doktorarbeit, die "sich nicht am Hindukusch verteidigen" lasse. Humor war bisher eigentlich nicht die Sache Wagenknechts.

Wozu dieses Weichspülprogramm?

Freundlicher, humorvoller und vor breitem Publikum auch mal weniger dogmatisch - das ist die jüngste Entwicklung Wagenknechts. Wozu dieses Weichspülprogramm? Will sie mehr werden in der Partei? Es gibt erhebliche Vorbehalte gegen Wagenknecht in der Linken, vor allem beim Reformerflügel. Aber alle wissen: Sie gilt als Vertraute Lafontaines.

Spätestens seit den Wahlpleiten in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg steckt die Partei in einer Führungskrise, die Vorsitzenden Gesine Lötzsch und Klaus Ernst gelten vielen bereits als Spitzenduo auf Abruf.

Wagenknechts Metamorphose geht inzwischen sogar so weit, dass sie offenbar nicht mehr als Betonkommunistin erscheinen will, die man unter anderem mit verharmlosenden Beschreibungen der DDR-Zeit in Verbindung bringt. Mit einer Presseerklärung reagierte sie jetzt auf einen SPIEGEL-Bericht, in dem bislang unbekannte Dokumente aus dem Archiv Demokratischer Sozialismus zitiert wurden - unter anderem der Satz Wagenknechts aus dem Jahr 1994, in dem sie die Stalin-Zeit verteidigte ("Ihre Ergebnisse waren jedenfalls nicht Niedergang und Verwesung") und Erich Honecker lobte: "Dafür, den Gorbatschow-Kurs vom ersten Tage an durchschaut und sich ihm verweigert zu haben, gebührt Erich Honecker unser bleibender Dank", schrieb sie damals.

So sprach die Betonkommunistin

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Wagenknecht witterte eine "Schmutzkampagne" und erklärte, dass sie derartige Positionen "seit langem nicht mehr" vertrete und sich "bereits in den neunziger Jahren davon öffentlich distanziert" habe.

Wirklich? 2001 rang sich die damalige PDS anlässlich des 40. Jahrestags des Mauerbaus zu einer Erklärung durch: "Die PDS hat sich vom Stalinismus der SED unwiderruflich befreit", hieß es damals in dem Papier des Parteivorstandes. Es gebe "keine Rechtfertigung für die Toten an der Mauer". Die gesamte PDS-Spitze stimmte damals zu - nur Wagenknecht nicht.

"Die bürgerliche Macht trat ins Amt als Besatzungsmacht"

Ein Wagenknecht-Dossier aus dem Archiv des Demokratischen Sozialismus, das dem SPIEGEL vorliegt, belegt Wagenknechts bizarres Geschichtsverständnis: So schrieb sie als Co-Autorin etwa 1996 über das Ende der DDR und die friedliche Revolution von 1989: "Es war ein Spezifikum der Konterrevolution zwischen Elbe und Oder, dass sie der ansässigen Bevölkerung nicht bloß - wie Konterrevolutionen pflegen - die Ablösung der sozialistischen durch eine bürgerliche Macht eintrug, sondern überdies die Ablösung der sozialistischen durch eine ausländische bürgerliche Macht. (…) Die bürgerliche Macht trat ins Amt als Besatzungsmacht." Gemeint ist damit die Bundesrepublik.

1992 schrieb sie über den 1972 zwischen der Bundesrepublik und der DDR geschlossenen Grundlagenvertrag: Zusammen mit dem Berlin-Abkommen habe er "die Mauer nicht dichter, sondern sehr viel durchlässiger gemacht. Durchlässiger für bürgerliche Ideen, durchlässiger für westdeutsches Kapital, nicht zuletzt durchlässiger für westliche Agenten ('Journalisten')". Mit der Entspannungspolitik sei "die Krise des Sozialismus eingeleitet, sein Untergang vorbereitet" worden.

"Wiederauferstandene Rosa Luxemburg"

Mit solchen Thesen würde die gebürtige Jenaerin heute vor allem bei ihren Parteifreunden im Westen für Ärger sorgen. Gute Wahlergebnisse sind ihr auf Parteitagen aber dennoch sicher. Trotz ihrer kruden Thesen gilt sie als eines der wenigen profilierten Gesichter der Genossen, sie hat es immerhin zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gebracht. Zu PDS-Zeiten wäre dies undenkbar gewesen. Die langjährige Wortführerin der "Kommunistischen Plattform" war nicht mehr als eine Randfigur, von führenden Genossen eher geduldet als geschätzt. Als Wagenknecht 2008 für den Posten der stellvertretenden Parteivorsitzenden kandidieren wollte, sprach Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi ein Machtwort: "Das Signal wäre falsch", sagte Gysi. Auch der damalige Linken-Chef Lothar Bisky war dagegen. Er war es auch, der einmal so über Wagenknecht spottete, die ihr schwarzes Haar stets hochgesteckt trägt: "Wenn sie jetzt noch anfangen würde, leicht zu hinken, wird sie zur wiederauferstandenen Rosa Luxemburg."

Lafontaine schwieg damals zu Wagenknechts Ambitionen. Für viele ein Signal, dass er ihre Karrierepläne stützte. 2010 wurde Wagenknecht, die ihre Magisterarbeit über die Hegel-Rezeption von Karl Marx schrieb, Parteivize. Sie sitzt zudem im Bundestag, ist wirtschaftspolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Es würde ein Aufschrei der Empörung durch das Reformerlager der Linken gehen, sollte Wagenknecht noch mehr Gewicht in der Partei bekommen. Sie sieht derzeit Defizite in der in Umfragen und bei Wahlen schwächelnden Partei: "Wir brauchen keinen Kurswechsel, sondern eine Schärfung unseres Profils."

Lafontaine, der in der Partei noch immer eine große Rolle spielt, könnte mit einer prominenten Rolle Wagenknechts wohl bestens leben. Als Gysi zuletzt über eine mögliche Rückkehr des Saarländers nach Berlin spekulierte und für reichlich Irritationen sorgte, war Wagenknecht die einzige aus dem engeren Führungszirkel der Partei, die warme Worte fand. "Es wäre ein großer Gewinn, wenn sich Lafontaine wieder mehr auf bundespolitischer Ebene einbringen würde." Damit schadete sie auch Lötzsch und Ernst. Aber sie wurde von niemandem öffentlich zurückgepfiffen.

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insgesamt 179 Beiträge
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1. Hoffentlich
eckusch 14.04.2011
Das wäre super, tolle Frau mit sehr überzeugenden Ansichten!
2. Endlich
fast_weise 14.04.2011
besinnt sich die Partei wieder auf ihr Wurzeln. Absolute Zustimmung, aber aus anderen Gründen, als, die, die ihr inhaltlich zustimmen...
3. Moderater?
Der Terrier 14.04.2011
Sie ist die engagierteste Vertreterin der "kommunistischen Plattform"; so erlebt man sie ausnahmslos und nimmt ihre Überzeugungen zur Kenntnis. Dass sich Frau Wagenknecht sich in jüngerer Zeit moderater gezeigt haben soll, ist zumindest anzuzweifeln. Meines Erachtens wäre "ein bisschen Kommunismus" so ähnlich einzustufen, wie "ein bisschen heiraten".
4. Zumindest...
bigkahoona 14.04.2011
...optisch ist sie die attraktivste Seite der deutschen Politik. Ihr Mann ist ja Unternehmensberater, soweit ich weiß. Jedenfalls alles andere als ein strammer Linker. Das Sinnliche kennt, Gott sei Dank, offensichtlich keine politische Ideologie. Ich jedenfalls würde mit Frau Wagenknecht jederzeit die Internationale anstimmen... ;-)
5. wäre spannend
elbröwer 14.04.2011
Lötzsch und Ernst sind die Sargnägel der Linken. Dies haben mehrere Landeschefs der Linken mittlerweile erkannt. Ob nun Lafontaine wirklich zurück kehrt wage ich zu bezweifeln. Auch wenn Gysi die Trommel schlägt. Wagenknecht als Geläuterte könnte durchaus wieder Leben in diese Partei bringen. Im wesentlichen sind die derzeit tot. Begraben in der Bedeutungslosigkeit von Lötzsch und Ernst.
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Die Linke - Aufstieg und Krise
Gründung
16. Juni 2007: Die Linke entsteht auf dem Gründungsparteitag in Berlin. Die ostdeutsche Linkspartei.PDS verschmilzt mit der westdeutschen Wahlalternative Arbeit & Soziale Gerechtigkeit (WASG), die auch aus Politikern besteht, die von der SPD enttäuscht sind. Gleichberechtigte Vorsitzende werden Oskar Lafontaine von der WASG und Lothar Bisky von der PDS.
Erste Erfolge
27. Januar 2008: Die Linke befindet sich im Aufwind. Sie schafft in Hessen erstmals den Einzug in den Landtag. Sie will Zünglein an der Waage spielen und eine rot-grüne Minderheitsregierung tolerieren. Doch der Versuch der SPD unter Andrea Ypsilanti scheitert an Abweichlern aus den Reihen der SPD.
Einzug in zahlreiche Landtage
2009 und 2010: Nach ihrem Wahlerfolg in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai 2010 ist die Partei in 13 Landtagen vertreten. Allerdings kommt es weder in Thüringen noch im Saarland - wo die Partei mit dem Spitzenkandidaten Lafontaine aus dem Stand 21,3 Prozent erreicht - zur erhofften Regierungsbeteiligung.
Feier nach der Bundestagswahl
27. September 2009: Bei der Bundestagswahl wird die Linke hinter Union, SPD und FDP viertstärkste Kraft: 11,9 Prozent bedeuten ein unerwartet gutes Ergebnis. Gregor Gysi, Chef der Bundestagsfraktion, wertet das Abschneiden als "historisches Ereignis". Die Partei hat nun 76 Abgeordnete, die Zahl der Mitglieder steigt auf knapp 78.000.
Verzicht auf Fraktionsvorsitz
9. Oktober 2009: Auf der Klausurtagung der Linksfraktion im brandenburgischen Rheinsberg kündigt Parteichef Lafontaine überraschend an, auf seinen Fraktionsvorsitz im Bundestag zu verzichten.
Rot-Rot in Brandenburg
6. November 2009: In Potsdam wird Matthias Platzeck von SPD und Linken zum Brandenburger Ministerpräsidenten gewählt. Es ist nach Berlin die zweite Regierungsbeteiligung der vereinigten Partei. Mehrere Stasi-Enthüllungen bei der Linkspartei sorgen jedoch für harsche Kritik am rot-roten Bündnis.
Krebserkrankung Lafontaines
17. November 2009: Parteichef Lafontaine gibt bekannt, dass er an Krebs erkrankt ist und sich einer Operation unterziehen wird. Der Thüringer Fraktionschef Bodo Ramelow stößt eine Nachfolgedebatte an und sorgt für heftigen Widerspruch aus der Partei.
Machtkampf in der Linken
11. Januar 2010: Im wochenlangen Machtkampf an der Spitze der Partei gerät Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch durch Äußerungen von Fraktionschef Gregor Gysi immer stärker unter Druck. Bartsch habe sich gegenüber dem erkrankten Lafontaine illoyal verhalten und dem SPIEGEL Informationen gegeben.
Bundesgeschäftsführer räumt Posten
15. Januar 2010: Dietmar Bartsch kündigt an, nicht mehr für das Amt des Bundesgeschäftsführers zu kandidieren. In den letzten Wochen sei eine Situation entstanden, die die Politikfähigkeit der Partei gefährde. Bartsch erhielt einen neuen Posten und wurde zum Fraktionsvize im Bundestag gewählt.
Lafontaines Rückzug
23. Januar 2010: Lafontaine verkündet seine Entscheidung: Er wolle im Mai nicht erneut für den Parteivorsitz kandidieren und sein Bundestagsmandat aufgeben.
Neue Doppelspitze
15. Mai 2010: Auf dem Parteitag in Rostock werden Klaus Ernst und Gesine Lötzsch zu den neuen Vorsitzenden der Linken gewählt. Sie folgen damit auf Oskar Lafontaine und Lothar Bisky.
Ermittlungen gegen Ernst
21. Juli 2010: Die Berliner Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass sie gegen den Chef der Linken wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs ermittelt. Grund sind Flüge des Politikers zu Gewerkschaftstreffen und Aufsichtsratssitzungen von Unternehmen, die Ernst über den Bundestag abgerechnet hatte. Ende Oktober 2010 erklärt die Staatsanwaltschaft die Einstellung der Ermittlungen. Die überprüften Flüge Ernsts hatten sich als überwiegend mandatsbezogen herausgestellt.
Ärger um Bezüge
Parteichef Ernst stößt im September 2010 auf Kritik bei Parteifreunden, als bekannt wird, dass der Bayer Mehrfachbezüge aus Partei und Fraktion erhält. Ernst bezog neben seinen Bundestagsdiäten in Höhe von 7668 Euro monatlich auch 3500 Euro von der Partei und 1913 Euro von der Bundestagsfraktion. Parteiinternen Kritikern war das zu viel – um so mehr, da Ernsts Co-Chefin Gesine Lötzsch auf die Bezahlung für den Vorstandsjob verzichtete. Im September 2010 beugt sich Ernst den Kritikern und erklärt, künftig auf seine monatliche Zulage für die Mitarbeit im Fraktionsvorstand verzichten zu wollen.
Lötzsch und der Kommunismus
3. Januar 2011: Linke-Chefin Gesine Lötzsch löst mit einem Beitrag zum Kommunismus in der marxistischen Zeitung "Junge Welt" heftige Kritik aus - bei Union und SPD, aber auch in den eigenen Reihen. "Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung", schreibt sie darin unter anderem. Die für den 8. Januar vorgesehene Teilnahme an einer Podiumsdiskussion der von der "Jungen Welt" organisierten Rosa-Luxemburg-Konferenz sagt Lötzsch kurzfristig ab, hält dort aber einen Vortrag in eigener Sache.
Wahlpleiten im Südwesten
27. März 2011: Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz scheitern die Genossen deutlich an der Fünfprozenthürde und verpassen den Einzug in die Parlamente. Die Parteichefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst führen das schlechte Abschneiden aber nicht auf eigene Fehler zurück - sondern erklären die Wahlpleiten vor allem mit der Atomkatastrophe in Japan: Der Reaktorunfall in Fukushima habe die öffentliche Debatte in den Wahlkämpfen bestimmt und damit typische Themen der Linken in den Hintergrund gedrängt. Auch bei führenden Genossen stößt diese Analyse auf Unmut, von fehlender Selbstkritik ist die Rede.
Gysi spekuliert über Lafontaine-Rückkehr
6. April 2011: Fraktionschef Gregor Gysi sorgt in der Partei für erhebliche Irritationen, weil er öffentlich über eine mögliche Rückkehr von Oskar Lafontaine auf die bundespolitische Bühne spekuliert. "Er schließt es für Notsituationen nicht aus", sagt Gysi. Wenige Wochen zuvor hatte sich Lafontaine optimistisch über seine Genesung geäußert. Er habe den Krebs voraussichtlich überwunden, sagte der Saarländer. Gysis Vorstoß verschärft die parteiinterne Debatte über die amtierende Doppelspitze Lötzsch und Ernst. Die beiden gelten als angeschlagen.
Basis rebelliert gegen Parteichefs
10. April 2011: Die Parteibasis signalisiert der Parteispitze ihre Unzufriedenheit mit der Analyse der Wahlniederlagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Erklärungsversuche der Parteiführung träfen "kaum den Kern der Probleme", heißt es in einer Protestnote von Dutzenden Kreisvorsitzenden. Anlass des Briefs ist die Absage einer geplanten Konferenz der Kreisvorsitzenden, auf der eine offene Aussprache vorgesehen war. Die Parteispitze hatte die Absage des Treffens zunächst damit begründet, dass man "keine geeigneten Räume zu akzeptablen Preisen" gefunden habe. Wenig später beugt sich die Parteispitze dem Druck der Basis: Die Konferenz soll jetzt noch vor der Sommerpause stattfinden.
Lötzsch warnt vor Selbstzerstörung
19. April 2011: Parteichefin Lötzsch reagiert alarmiert auf den wochenlangen Streit in der Linken und warnt die Genossen vor dramatischen Folgen: Vielen Parteimitgliedern sei offenbar nicht bewusst, "wie schnell man eine Partei zerstören kann und wie schwer es ist, sie wieder aufzubauen", sagt sie der Parteizeitung "Neues Deutschland".
Streit mit Zentralrat der Juden
Juni 2011: Das Urteil ist vernichtend: Viele Mitglieder der Linken würden unter einem "geradezu pathologischen blindwütigen Israel-Hass" leiden, schreibt Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, in einem Zeitungsbeitrag. In der Partei spuke noch immer "der alte anti-zionistische Geist der DDR". Grund für Graumanns Vorwurf war unter anderem eine umstrittene Antisemitismus-Erklärung der Linksfraktion. In der Erklärung hieß es, dass die Abgeordneten sich in Zukunft "weder an Initiativen zum Nahost-Konflikt, die eine Ein-Staaten-Lösung für Palästina und Israel fordern, noch an Boykottaufrufen gegen israelische Produkte noch an der diesjährigen Fahrt einer 'Gaza-Flotille' beteiligen". Israel-kritische Abgeordnete hatten nach der Abstimmung von einem "Maulkorberlass" gesprochen.
Glückwunschschreiben an Fidel Castro
August 2011: Die Linke-Chefs Lötzsch und Ernst sorgen mit einem Geburtstagsgruß an Fidel Castro in Teilen der Partei für heftige Irritationen - manchen Genossen wundern sich über das schwärmerische und kritikfreie Schreiben.
Ruf nach Lafontaine
Oktober 2011: Parteivize Sahra Wagenknecht spricht sich in einem Zeitungsinterview für die Rückkehr Lafontaines auf die bundespolitische Bühne aus: Die frühere Wortführerin der Kommunistischen Plattform schlägt den Saarländer als Spitzenkandidaten für die nächste Bundestagswahl vor.


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