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Staatsanwaltschaft: Linken-Politiker soll Messerattacke erfunden haben

Er hatte eine Messerattacke gegen sich angezeigt, jetzt gerät der Nachwuchspolitiker der Linken aus Wismar unter Druck: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die rechtsextreme Attacke erfunden zu haben.

Haben Rechtsextreme einen Wismarer Linken-Nachwuchspolitiker mit einem Messer attackiert? Oder hat der junge Mann den Angriff fingiert?

Die Schweriner Staatsanwaltschaft und der Staatsschutz in Mecklenburg-Vorpommern gehen derzeit von der Vortäuschung einer Straftat aus. Ein Ermittlungsverfahren gegen das 18-jährige Vorstandsmitglied des Wismarer Kreisverbands wurde eingeleitet.

Der junge Mann hatte online angezeigt, von drei Männern in "szeneüblicher" Kleidung überfallen und mehrmals mit einem Messer attackiert worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft teilte am Montag mit, man gehe davon aus, dass der Nachwuchspolitiker den "beschriebenen Überfall auf ihn lediglich erfunden" habe.

Die Staatsanwaltschaft stützt sich dabei auf das Gutachten eines Rechtsmediziners, das dieser zu den Verletzungen des jungen Mannes erstellt hatte. Außerdem habe es eine Rekonstruktion am Tatort im Beisein des "vermeintlich Geschädigten" gegeben. Demnach passe die Art der Verletzungen nicht zu dem behaupteten Verlauf des Überfalles, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei dem Vorfall soll der Mantel des vermeintlichen Opfers beschädigt worden sein, diesen konnte der Jungpolitiker aber nicht bei der Polizei vorlegen.

Das Vortäuschen einer Straftat kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden. Und zwar dann, wenn Behörden wider besseres Wissen getäuscht werden, dass eine rechtswidrige Tat begangen worden sei. Am Donnerstag hatten Lokalpolitiker aber auch Politiker der Linken auf Bundesebene den vermeintlichen Anschlag scharf verurteilt, darunter auch Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken im Bundestag.

Nun sagte Bartsch zu SPIEGEL ONLINE, er habe vergangene Woche keinen Grund gehabt, an der Darstellung des Linken-Vertreters aus Wismar zu zweifeln. Er hoffe nun sehr, dass "die Angelegenheit schnell endgültig aufgeklärt wird".

cht/kev

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