Linksbündnis Lafontaine umwirbt die SPD

Er hat sie enttäuscht verlassen, aber würde gern wieder mit ihr zusammenarbeiten: Oskar Lafontaine, Ex-SPD-Chef und Spitzenkandidat des neuen Linksbündnisses aus PDS und WASG, hält eine Partnerschaft mit der SPD langfristig für möglich. Voraussetzung sei ein Kurswechsel der Partei.


Oskar Lafontaine: "Nur auf Schwerpunkte verständigen"
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Oskar Lafontaine: "Nur auf Schwerpunkte verständigen"

Hamburg - "Eine SPD, die sich verändert, zu ihren Werten zurückkehrt, ist natürlich unser Partner", sagte Lafontaine im Magazin "Stern" auf die Frage, ob er sich die SPD 2009 als Koalitionspartner vorstellen könne.

Eine ähnlich Ansicht vertrat der PDS-Politiker Gregor Gysi, der zusammen mit Lafontaine die Spitze des neuen Linksbündnisses bildet. "Ich gehe davon aus, dass sich die SPD ändern wird. In vier Jahren kann die Welt ganz anders aussehen, dann kann man über Zusammenarbeit reden. Jetzt, mit dem neoliberalen Spitzenkandidaten Schröder, geht es einfach nicht", sagte Gysi. Auf die Frage, ob später sogar eine Fusion der Linkspartei mit der SPD denkbar sei, sagte Gysi: "Es macht für gewisse Zeit Sinn - ich sage nicht: für hundert Jahre -, dass es eine Kraft links von der SPD gibt."

Lafontaine verteidigte das PDS-Programm. Er bejahte die Frage, ob er es unterschreiben könne und ob er es für sozialdemokratisch halte. Man müsse sich daher vor der Bundestagswahl "nur auf Schwerpunkte verständigen". Vom Programm aus betrachtet, stecke in der PDS nur noch "sehr wenig" SED.

Gysi kündigte an, eine künftige Bundestagsfraktion gemeinsam mit Lafontaine führen zu wollen. Die Doppelspitze solle aber nicht für die fusionierte Linkspartei gelten. "Ich werde bestimmt nicht mehr Vorsitzender einer Partei", sagte Gysi.

"Ich kämpfe um die"

Lafontaine und Gysi kündigten an, bisherige NPD-Wähler für die Linkspartei gewinnen zu wollen. "Natürlich müssen sich alle Parteien Gedanken machen, wie sie der NPD irregeleitete Wähler wegnehmen können. Ich kämpfe um die", sagte Gysi. Lafontaine fügte hinzu: "Wir dürfen das Thema Schutz vor Billiglohnkonkurrenz nicht der NPD überlassen. Die NPD hat Probleme, wenn eine linke Partei konsequent Arbeitnehmerrechte vertritt. Das ist gewollt."

Lafontaine hatte am 30. Mai sein SPD-Parteibuch zurückgegeben. Vorausgegangen war eine jahrelange Kritik an der Reformpolitik von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Lafontaine war von 1995 bis 1999 SPD-Vorsitzender und gehörte der Partei seit 39 Jahren an.

Linksbündnis legt in Umfrage zu

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" und des Fernsehsenders RTL sieht das Linksbündnis wenige Tage vor der Vertrauensfrage von Schröder im Aufwind. Demnach gewinnen PDS/WASG im Vergleich zur Vorwoche 2 Prozentpunkte und liegen damit bei 11 Prozent. Die Union verliert dagegen 2 Prozentpunkte und erreicht jetzt 47 Prozent. FDP (6 Prozent), SPD (26 Prozent) und Grüne (7 Prozent) bleiben unverändert. Damit verfügt die Union nicht mehr über eine eigene Mehrheit, allerdings läge eine mögliche schwarz-gelbe Koalition mit 53 Prozent immer noch deutlich vor der rot-grünen Regierung (33 Prozent).



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