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Linksextremismus: Juso-Chefin verlässt "Rote Hilfe"

Franziska Drohsel zieht nach tagelanger Debatte über ihre Mitgliedschaft in der "Roten Hilfe" Konsequenzen: Die Juso-Chefin kündigte im SPIEGEL an, aus dem vom Verfassungsschutz beobachteten Verein auszutreten - und fühlt sich von ihren Kritikern diffamiert.

Hamburg - Die "Rote Hilfe" verliert in den nächsten Tagen ein prominentes Mitglied: Die neue Juso-Chefin Franziska Drohsel hat ihren Rückzug aus der linksextremen Organisation angekündigt. "Die Diskussionen der vergangenen Tage haben mir gezeigt, dass die Jusos nicht aufgrund ihrer politischen Positionen, sondern wegen meiner privaten Mitgliedschaft bei der Roten Hilfe wahrgenommen werden. Das möchte ich nicht. Deshalb werde ich aus der Roten Hilfe austreten", sagte Drohsel dem SPIEGEL.

Juso-Chefin Drohsel: "Nicht gerechtfertigt, mir die Nähe zu Extremisten oder gar Terroristen zu unterstellen"
DPA

Juso-Chefin Drohsel: "Nicht gerechtfertigt, mir die Nähe zu Extremisten oder gar Terroristen zu unterstellen"

"Ich bin in die Rote Hilfe eingetreten, weil ich es richtig und wichtig finde, dass jeder Mensch das Recht auf Verteidigung hat. Vereine wie die Rote Hilfe tragen dazu bei, dass Menschen, die mittellos sind, einen guten Rechtsbeistand bekommen. Jetzt steht für mich als Juso-Vorsitzende jedoch die Arbeit meines Verbands im Vordergrund", sagte Drohsel.

Die neue Juso-Chefin kritisierte die Diskussion über ihre Mitgliedschaft bei der "Roten Hilfe". Diese sei zum Teil "sehr unsachlich und diffamierend geführt worden, besonders von Teilen der Union". Es sei "nicht gerechtfertigt, mir die Nähe zu Extremisten oder gar Terroristen zu unterstellen", sagte sie.

Die 27-Jährige war wegen ihrer Mitgliedschaft in der "Roten Hilfe" aus Reihen der Union, aber auch vom SPD-Innenexperten Dieter Wiefelspütz angegriffen worden.

Der vom Staat als gemeinnützig anerkannte Verein wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet und als linksextrem eingestuft. Der Verein wurde 1975 in Göttingen gegründet und hat etwa 4300 Mitglieder in 35 Ortsgruppen. Die "Rote Hilfe" unterstützt Angehörige des linken Spektrums politisch und finanziell, die aus "politischen Gründen" straffällig wurden oder von "staatlicher Repression" betroffen sind. Für die Unterstützung, meist 50 Prozent der Anwalts- und Prozesskosten, wendet die Organisation etwa die Hälfte ihrer Einnahmen auf, die überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden bestehen.

hen/AP/dpa

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