[12.53] Wählen, wählen, wählen
Auch dabei: Thomas Bach, Präsident des deutschen olympischen Sportbundes. Er wurde von der FDP zur Bundesversammlung eingeladen, wird sein freies Mandat also nicht all zu frei auslegen. Bach erinnert an den "etwas holprigen" Nominierungprozess von Christian Wulff, kann mit dem Kandidaten aber gut leben. Vielleicht ist Spargelstechen doch keine so langweilige Veranstaltung? Wir sind aber schon beim Buchstaben "L" angekommen. (ore)
[12.45] Top-Spiel des Tages: Wulff gegen Gauck
Spielfrei bei der WM - aber ohne Fußball geht es auch bei der Bundesversammlung nicht. Die SPD hat Erwin Staudt als Wahlmann nominiert, den Präsidenten des VfB Stuttgart. Er verspricht Joachim Gauck zu wählen, obwohl die Sozialdemokraten ihn nicht darum gebeten hätten - und er glaubt, dass Deutschland eher Weltmeister wird als Gauck Bundespräsident. (phw)
[12.43] Bei der FDP: Alles okay!
Philipp Rösler im Phoenix-Interview: Die FDP stehe geschlossen hinter Christian Wulff! Nee, klar: Und die sächsischen Abweichler täten das ja nur aus persönlichen Gründen, Ost-Biografie und so. Was sind schon persönliche Gründe bei einer freien Wahl… (tdo)
[12.41] Ramsauer bringt sich Arbeit mit
Verkehrsminister Peter Ramsauer richtet sich offenbar auf einen längeren Tag im Plenum ein. Unter seinem Arm trägt er einen bunten Stoß an Akten, dicker als das Berliner Telefonbuch. Es ist ein historischer Tag, aber auch an einem historischen Tag müssen die Akten weg. (csw)
[12.39] Ein Prinz als Königsmacher
Die Phoenix-Kamera schwenkt auf Sebastian Krumbiegel. Der Sänger des Pop-Chors "Prinzen" stimmt im Auftrag der sächsischen SPD als Wahlmann ab. Er sitzt da mit einem sperrangelweit geöffneten, schwarzen Hemd, das eine wirklich sehr, sehr breite Brust entblößt. Muss das denn sein? (tdo)
[12.33] "Deutschland: die Wulff-Behörde"
1242 Namen in alphabetischer Reihenfolge: Wir sind immerhin schon beim Buchstaben "B" angekommen. Über Twitter kommentiert unterdessen der Journalist Peter Glaser die Wahl des Bundespräsidenten: "Deutschland: die Wulff-Behörde". (ore)
[12.32] Seid ihr alle da?
Im Plenarsaal werden jetzt nacheinander die Namen aller Wahlmänner verlesen - sind ja nur 1244. Ach nein, zwei SPD-Wahlleute fehlen ja. Trotzdem: Es gibt Jobs, die vermutlich noch unbeliebter sind als Spargelstechen in Brandenburg. (tdo)
[12.30] Lammert eröffnet den ersten Wahlgang
Jetzt wird es ernst. Der erste Wahlgang beginnt. (phw)
[12.29] Vorbeugen hilft - Blumen und Bläser müssen draußen bleiben
Nach den Erfahrungen vom vergangenen Jahr bittet Lammert, mit dem Hereinbringen von Blumen bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses zu warten. Für den rechtzeitigen Auftritt der Bläser - auch diese kamen beim letzten Mal zu früh herein und verrieten den Ausgang der Wahl - wolle er persönlich sorgen, verspricht der Bundestagspräsident. (phw)
[12.21] Nicht ohne Geschäftsordnung - NPD pöbelt
Formalien im Schnelldurchgang: Bundestagspräsident Lammert lässt zügig über eine Geschäftsordnung abstimmen und weist einen Antrag der NPD-Delegierten auf eine Vorstellungsrunde der Kandidaten zurück - das ist rechtlich nicht vorgesehen. Mit einem zweiten Antrag zweifeln sie die Rechtmäßigkeit der Wahl an, es wird abgestimmt: Alle gegen die NPD. Die Rechten pöbeln - und Lammert weist darauf hin, dass er Störungen der Versammlung nicht dulden wird. (ore)
[12.10] Merkel sieht müde aus
Eine Phoenix-Kamera fängt Kanzlerin Angela Merkel neben Christian Wulff in Großaufnahme ein. Sie sieht müde aus, der Beobachter muss sich kurz sorgen, dass sie gleich einnickt - vielleicht noch der Jetlag vom G-20-Gipfel in Kanada? (phw)
[12.05] Kritische Worte für Köhler
"Niemand von uns steht unter Denkmalschutz. (...) Kritik muss sein." Bundestagspräsident Lammert kritisiert in seiner Eröffnungsrede indirekt Horst Köhler für seinen Blitz-Rücktritt: "Diese Entscheidung haben wir zu respektieren, auch wenn sie viele von uns immer noch nicht verstehen."
Der Rücktritt Köhlers habe mache Enttäuschung und Turbulenz ausgelöst, das Land jedoch nicht in eine Staatskrise geführt. Die Demokratie und das parlamentarische System hätten sich auch bei unvorhersehbaren Herausforderungen als handlungsfähig erwiesen, sagt Lammert. Der Rücktritt sei alles andere als ein normaler Vorgang gewesen. (ron)
[12.05] TV-Großaufgebot berichtet
Auf der Südseite des Reichstagsgebäudes wurde großzügig plakatiert - auf mindestens 200 Metern hängen entlang der Scheidemannstraße blaue Banner. "Das Erste" ist zu lesen und "ARD Hauptstadtstudio"; direkt neben dem Südeingang meterhohe Pappschilder mit großen Einsen darauf. Sogar ein Kabelstrang hoch über der Straße ist gebrandet. Was soll uns das sagen? Die Fernsehgebühren sind gut angelegt? Oder "diese Wahl wird Ihnen präsentiert von der ARD"… (mhe)
[12.00] Lammert eröffnet die Sitzung
Los geht's. Der Bundestagspräsident eröffnet die Bundesversammlung. Er bedankt sich bei Jens Böhrnsen, dem Bundesratspräsidenten für seinen Job als Übergangsstaatsoberhaupt. Böhrnsen freut sich. (phw)
[12.00] Proppevoller Plenarsaal
So voll ist es hier sonst nicht: 1242 Wahlleute tummeln sich im Plenarssal, wo die Bundesversammlung in jeder Sekunde losgeht. Ah, die Glocke ertönt, alle erheben sich, der Bundestagspräsident kommt. (phw)
[11.55] Knubbeln bei der Linken
Vor dem Fraktionsschlupfloch der Linken auf der Fraktionsebene im 3. Stock haben sich noch vor Beginn des Plenums die meisten Kameras geknubbelt, weil die Überraschung, wenn sie kommt, nur von hier kommen kann. Oskar Lafontaine, der große alte Mann der Linken, sagt auch etwas Überraschendes. Er sagt, es reiche nicht aus, wenn jemand eine gute Figur mache und gute Reden halte. Das ist auf Gauck gemünzt und klingt doch wie unverhoffte Selbstkritik. (csw)
[11.55] Grillwürstchen und Gauck-Kater
Es schellt - und das nicht nur in den Köpfen der Genossen, die gestern Abend an der Spree bei Schnitzel und Grillwürstchen die Aufstellung von Joachim Gauck gefeiert haben. Die Mitglieder der Bundesversammlung werden mit einer Klingel zur Abstimmung gerufen. Heute Abend können die SPD-Politiker dann ihren Gauck-Kater auskurieren. Feiern am Vorabend - eine gute Idee. (ore)
[11.51] Berlin, total tot
Eine ZDF-Reporterin belästigt mit einer Mini-Umfrage die letzten verbliebenen Menschen vor dem Reichstag. Eine Kameratotale zeigt: Nix los da, das Volk verlustiert sich anderswo. Hat ja auch heute nichts zu sagen, das Volk. (tdo)
[11.50] Gauck kommt
Gauck betritt die Besuchertribüne. Mit ihm begutachtet in der ersten Reihe Bettina Wulff die Versammlung. Gauck redet, Frau Wulff lächelt. Dann tritt seine Freundin hinzu, Gauck nimmt sie in den Arm. (sef)
[11.50] Sie hoffen und harren noch
Im Reichstag geben sich die Polit-Profis betont unaufgeregt, sie wollen keine Anspannung erkennen lassen. Peter Altmaier nicht, der parlamentarische Geschäftsführer der CDU, der gerade noch einmal durchgezählt hat: Alle da, Abstimmung kann losgehen, der Koalitionspartner FDP wisse schon, was auf dem Spielt stehe. Auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter-Steinmeier nicht, der einer Frage nach den Chancen des rot-grünen Kandidaten Joachim Gauck ausweicht. Ganz andere Töne im Internet: "Ich wusste gar nicht, dass Politik so spannend sein kann", schreibt ein Gauck-Fan auf einer der zahlreichen Unterstützerseiten auf Facebook. (ore)
[11.50] Gysi genießt
Die Stimmung ist ausgelassen, Gregor Gysi genießt den Komfort. Der Linken-Fraktionschef steht am Stand des TV-Senders Phoenix. Er soll gleich ein Interview geben, wird aber zunächst von einer Mitarbeiterin abgetupft, geschminkt und gesäubert. Gysi flötet in Richtung Moderator: "Sie haben ja eine so tolle Maskenbildnerin. Wenn die einen massiert - herrlich!" Die Mitarbeiterin schaut leicht irritiert. (vme)
[11.45] Schwarz-Gelb komplett, Ausfälle bei der SPD
Bei Union und FDP sind alle 644 Wahlleute an Bord. Nicht so bei der SPD: Zwei der 333 Delegierten fehlen - eine Abgeordnete wegen Krankheit und eine hochschwangere Parlamentarierin. Die Grünen waren vollzählig (136), ebenso die Linkspartei (152). (phw)
[11.40] Freie Wähler pro Gauck
Bei der letzten Köhler-Wahl verhalfen sie Schwarz-Gelb noch zum Sieg - jetzt erklärt Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler aus Bayern: "Wir sind deutlich Anhänger von Gauck." Die Freien Wähler haben zehn Stimmen. (ron)
[11.33] Tschüß, Christian!
Wahrhaftiges Landesvater-Abschiedsfernsehen im NDR. Ein Reporter berichtet live aus Berlin: "Die Stimmung ist bewegt, die Chancen für Christian Wulff sind gut." Gut, dass wir das jetzt mal geklärt haben. (tdo)
[11.29] Twitter-Nutzer wählen den Bundespräsidenten
In einer halben Stunde geht es los: Twitter-Nutzer wählen den neuen Bundespräsidenten - zumindest einige. Zum Beispiel Kordula Schulz-Asche, die Vorsitzende der hessischen Grünen, die von ihrem Mobiltelefon aus meldet: "Wir gehen jetzt zum Plenarsaal." Bei der letzten Wahl wurde sogar das Abstimmungsergebnis auf Twitter durchgegeben, noch bevor es offiziell verkündet wurde. Dazu soll es heute nicht kommen: Die Mitglieder der Zählkommission haben Twitter-Abstinenz versprochen. (ore)
[11.20] Die Schweiz ist das Paradies?
Wulff schmeichelt auf der Dachterrasse des Reichstagsgebäudes einem Reporter des Schweizer Fernsehens: "Ich bin ein Freund der Schweiz. Ich glaube immer, dass so ein bisschen das Paradies aussieht." (sef)
[11.15] Steinmeier wirbt
Letzter Aufruf des SPD-Fraktionschefs. Frank-Walter Steinmeier wünscht sich, dass die Bundesversammlung nicht parteipolitisch abstimme, sondern "nur darüber entscheidet, wer die richtige Person für das höchste Amt im Staate" sei. In seinen Augen ist das natürlich Joachim Gauck. (phw)
[11.05] Wulff steht auf "Zweiohrküken"
Großartige Schauspieler, kultiger Film: Christian Wulff ist Fan der deutschen Kino-Schmonzette "Zweiohrküken" mit Til Schweiger. Das sagte der Kandidat Reportern der ARD auf die Frage, welchen Film er denn zuletzt gesehen habe. Sehr zur Belustigung kritischer Twitter-Nutzer, die genüsslich auf die Antwort von Joachim Gauck verweisen. Er gab an, zuletzt den Zeichentrick-Dokumentarfilm "Waltz with Bashir" gesehen zu haben. Ein anspruchsvoller Film, mit dem der Regisseur seine Erlebnisse als israelischer Soldat im Libanon-Krieg aufarbeitet. "Zweiohrküken" lässt sich hingegen mit folgendem Filmzitat gut zusammenfassen: "Da, da oben liegt meine Kacke bei ihr auf'm Nachttisch!" (ore)
[11.05] FDP-Abweichler Zastrow: Gauck in allen Wahlgängen
Holger Zastrow, FDP-Landes- und Fraktionschef in Sachsen, bleibt dabei: Er wählt nicht Wulff, sondern Gauck. "Das ist eine Gewissensentscheidung", sagt er im Fernsehen. "Und wir in Sachsen entscheiden nach unserem Gewissen." Die Liberalen aus Sachsen wollen Gauck in allen Wahlgängen ihre Stimmen geben. (phw)
[10.50] Linke-Kandidatin will zehn Prozent
Sie hofft auf einen Achtungserfolg: Luc Jochimsen, Kandidatin der Linken, will die eine oder andere Fremdstimme einheimsen. Mindestens zehn Prozent will sie erreichen. Sie glaubt an ein schnelles Ende der Wahl: "Ich gehe davon aus, dass wir nach dem ersten Wahlgang einen Präsidenten haben. Das wird Christian Wulff sein." (phw)
[10.47] Wulff trifft im Reichstagsgebäude ein
Nordeingang des Reichstages: Die Limousine von Christian Wulff ist vorgefahren und der Kandidat strebt mit hurtigen Schritten dem Eingang zu. "Hallo Eckart", strahlt er seinen Parteifreund Eckart von Klaeden an und schüttelt dessen Hand. Das "Hallo Christian" hört er schon fast nicht mehr, und die Fotografin Laurence Chaperon, die sich an Wulffs Fersen heftet, stolpert beinahe über Klaedens Füße. (csw)
[10.40] Antreten zum Zählappell
Alle da? Die Parteien treffen sich jetzt noch mal zum Durchzählen der Delegierten. (phw)
[10.00] Wulff ist zuversichtlich
Zwischenzeitlich überkamen ihn mal Zweifel, jetzt ist Christian Wulff demonstrativ optimistisch: "Ich bin ganz zuversichtlich, dass es gelingen wird, der zehnte Bundespräsident zu werden", sagt Wulff. Er habe gute geschlafen, sagt der Kandidat, zwar "zu kurz, aber die wenigen Stunden perfekt". (phw)
[9.20] Richtig wählen? "Was ist das?"
BDI-Präsident Hans-Peter Keitel macht sich vom Frühstückstisch in einem Hotel an der Spree aus auf den Weg in den Tag. Ob er heute Wahlmann sei, fragt ihn ein anderer Gast, was Keitel bestätigt. Er ist für die Bundespräsidenten von der CDU aufgestellt worden. "Wählen Sie richtig!", ruft ihm der Gast hinterher. "Was ist das?", fragt Keitel im Gehen zurück. Richtig wählen, stimmt: Was ist das heute eigentlich? (csw)
[9.00] Gottesdienst in der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale
Einstimmung in der Kirche: Ökumenischer Gottesdienst in der St. Hedwigs-Kathedrale. Die Kandidaten sitzen in der ersten Reihe fast nebeneinander, vier Plätze trennen die beiden. Beide tragen, natürlich, einen dunklen Anzug: Gaucks Krawatte ist dank orangefarbenen Streifen auffälliger.
Der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten, ruft die Vertreter des öffentlichen Lebens zur Redlichkeit auf: "Wir im politischen Betrieb und in der Wirtschaft, wir in den Institutionen des Staates und der Gesellschaft sollten uns deshalb keine Strategien ausdenken und uns nicht sorgen um unser Image. Wir sollten das Gute anstreben und es auch tun." (phw)
Guten Tag, liebe Leser. Deutschland bekommt einen neuen Bundespräsidenten. In Berlin kommt die Bundesversammlung zur Wahl des zehnten deutschen Staatsoberhauptes zusammen. SPIEGEL ONLINE ist live für Sie dabei.
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