Minutenprotokoll zum Aschermittwoch: Brüderles olle Kammellen 

Sein Auftritt beim Politischen Aschermittwoch war mit Spannung erwartet worden: Würde Rainer Brüderle die Seximus-Vorwürfe vielleicht heiter parieren? Fehlanzeige: Der FDP-Hoffnungsträger enttäuschte. Die Reden der Partei-Chefs im Minutenprotokoll.

Politischer Aschermittwoch: Bierseliges Polit-Spektakel Fotos
DPA

+++ Schluss in Vilshofen +++

[13.25 Uhr] Der Politische Aschermittwoch der SPD ist zu Ende. Steinbrück gibt noch ein paar Autogramme, aber das Zelt leert sich bereits rasch.

+++ Etwas vergessen? +++

[13.17 Uhr] Seehofer und Stoiber lassen sich auf der Bühne feiern, es gibt einen Blumenstrauß für Seehofers Gattin und Applaus. Stoiber sammelt beim Rednerpult noch schnell seine Armbanduhr ein, die er dort vergessen hatte.

+++ Steinbrück bekommt Jubelrufe +++

[13.15 Uhr] Zwei bis drei Stunden, wie er zunächst gescherzt hat, hat die Rede von Peer Steinbrück nicht gedauert. Aber immerhin hat er doch etwas mehr als eine Stunde gesprochen. Zum Schluss nahm er sich noch einmal die Regierung in Berlin vor. "Dort regiert ein Kabinett des Versagens und obendrauf noch Profilneurotiker wie Dobrindt und Seehofer. Damit muss Schluss sein, wir brauchen Solidität." Schwarz-Gelb attestiert er Nervosität in Berlin und auch in Bayern. "Das ist ja auch nicht verwunderlich. Die haben zwölf Landtagswahlen hintereinander verloren. Die wissen, wir können sie packen."

+++ Rede beendet, Seehofer heiser +++

[13.13 Uhr] "Niemand kann uns aufhalten, wenn wir uns etwas zutrauen", verspricht Seehofer seinen Anhängern. Niemand - außer seiner eigenen Stimme. Der bayerische Ministerpräsident ist am Ende seiner 50-minütigen Rede fast heiser. Die CSU-Mitglieder feiern ihn mit rhythmischem Applaus.

+++ Gelbes Trikot für Brüderle +++

[13.11 Uhr] Brüderles Rede in Dingolfing ist nach 47 Minuten vorbei. Langsam leert sich der Saal. Zum Abschied übergeben Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Bayerns Vizeministerpräsident Martin Zeil dem FDP-Spitzenkandidaten ein gelbes Trikot mit der Rückennummer "9". Soll sie die Zielmarke für den Bundestagswahlkampf oder die Landtagswahl in Bayern sein? Ein Sprecher sagt SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Lazar Backovic: Wir wären bei beiden Wahlen damit zufrieden.

+++ Bayerns Botschafter in der Welt +++

[13.06 Uhr] Ach, diese Südeuropäer. Machen Schulden und haben offenbar keine Ahnung von Geografie. Horst Seehofer kommt das allerdings entgegen. Er schwelgt in Erinnerungen an eine Portugal-Reise. Dort sei er angesprochen worden: "Bayern ist doch ein unabhängiger Staat." Jaja, sagt Seehofer - jetzt zurück in Passau - Bayern brauche keine deutschen Außenminister, sondern vertrete sich selbst in der Welt: "Von Kanada bis nach China, von Russland bis nach Lateinamerika."

+++ Steinbrück appelliert ans das politische Engagement +++

[13.01 Uhr] Steinbrück fürchtet um das politische Engagement in Deutschland. Es gebe nicht mehr genügend Leute, die sich engagieren wollen. "Wir haben in Nordrhein-Westfalen nicht mehr genügend Menschen, die sich um Mandate bewerben." Viele dächten inzwischen negativ über Politiker, sähen alle Parteien als "eine Soße". "Das sehe ich nicht so."

+++ Steinbrück greift die Banken an +++

[12.57 Uhr] Steinbrück setzt sich für strenge Bankenregulierung ein. "Die Menschen haben doch den Eindruck, dass etwas aus dem Lot geraten ist." Die Banken würden gar keine Verantwortung mehr für ihr Handeln übernehmen. "In den Banken hat sich der Eindruck festgesetzt, dass Risiko und Haftung nicht zusammengehören."

+++ Müder Applaus für Brüderle +++

[12.55 Uhr] FDP-Politiker Rainer Brüderle spult noch einmal die Hauptparole seiner Dreikönigstagsrede ab: "Wir haben die Union besser gemacht", betet er den FDP-Fans in Dingolfing immer wieder vor. Egal ob bei Karstadt, Opel, Schlecker oder der Bildung - der FDP-Spitzenmann wird nicht müde, die Errungenschaften der Liberalen zu betonen, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Lazar Backovic. Der Beifall erlahmt.

+++ "Die SPD ist eine Ziege" +++

[12.54 Uhr] Horst Seehofer stichelt gegen die SPD: Er vergleicht die Partei mit einer "alten Ziege": "Die glaubt, dass sie ihre Pflicht durchs Meckern erfüllt, aufs Milchgeben kommt es nicht mehr an."

+++ Steinbrück für Mindestlohn +++

[12.46 Uhr] Steinbrück liefert eine kämpferische Rede ab. Wenn die SPD regiere, werde sich viel verändern in Deutschland. Er verspricht Mindestlohn, gleiche Löhne für Frauen und Männer. Er verteidigt den Sozialstaat, weil dieser das Land zusammenhalte.

+++ "Mao trifft Dosenpfand" +++

[12.45 Uhr] Immer wieder lästert Brüderle über SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin. Steinbrück sei ein "Möchtegern-Sparkassen-Direktor", den man nur mit einem Thema locken könne: "Geld, Kohle, Asche." Und Trittin? "Mao trifft Dosenpfand", urteilt Brüderle. Der Grüne wolle die Steuern erhöhen - "so in Richtung Kuba". Die Liberalen in Dingolfing applaudieren, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Lazar Backovic. Aber der Jubel sei leiser als bei Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

+++ Brüderle vergleicht FDP mit Fußball-Nationalmannschaft +++

[12.42 Uhr] Schlechte Umfragewerte können Rainer Brüderle nichts anhaben. Der FDP-Spitzenkandidat wehrt sich verbal gegen den Niedergang seiner Partei, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Lazar Backovic. "Die Nachrufe sind schon längst geschrieben", wettert Brüderle. Aber die werde man nicht brauchen. "Es wird nicht passieren, auch diesmal nicht auch in Zukunft nicht, das wird nie passieren. Die Freien Demokraten gehören zu Deutschland wie die Fußball-Nationalelf."

+++ "Wir Bayern sind reich, aber nicht blöd" +++

[12.40 Uhr] Bayern will mit Hessen gegen den Länderfinanzausgleich klagen - und Ministerpräsident Horst Seehofer rechtfertigt das kurz und knapp so: "Wir Bayern sind reich, aber nicht blöd. Und deshalb klagen wir." Was Bayern erwirtschafte, müsse nach Berlin abgeben werden. "So kann es nicht bleiben."

+++ Die CSU wärmt ihre Anhänger - aber nicht umsonst +++

[12.37 Uhr] Die Luft in der Dreiländerhalle ist stickig, aber wer für einen Augenblick nach draußen in den Winter mit Schnee möchte, muss nicht frieren, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Björn Hengst: Den Fanschal "Politischer Aschermittwoch" gibt es im "aktuellen Angebot" für 15 Euro.

+++ Seehofers Rat: "Lieber den Mund halten als die Hand aufhalten" +++

[12.33 Uhr] Seehofer enttäuscht seine Anhänger nicht - die Angriffe auf Steinbrück sitzen. Der Sozialdemokrat sei kein Finanzfachmann, sondern "Schuldenkönig der Bundesrepublik Deutschland". Zum Thema soziale Gerechtigkeit habe Steinbrück nur zu sagen: "Jedem das Seine, und mir das Meiste." Noch eine Kostprobe? Seehofer rät Steinbrück: "Lieber den Mund halten als die Hand aufhalten."

+++ Steinbrücks Rentenkonzept +++

[12.31 Uhr] Steinbrück präsentiert die SPD als Partei der Macher. "Wir sagen, was ist und tun dann was nötig ist - auch wenn es manchmal schmerzhaft ist." Als Beispiel nennt er die Rente. "Manchmal kommen dabei auch Lösungen heraus, die nicht gleich Begeisterung hervorrufen. Im Gegensatz zu allen anderen Partein haben wir aber ein Rentenkonzept." Sein Konzept: Mehr Zuwanderung und mehr erwerbstätige Frauen.

+++ +++ Seehofer knüpft sich Steinbrück vor +++

[12.27 Uhr] Zeitgleich zu Peer Steinbrück in Vilshofen spricht Horst Seehofer in Passau - und der nutzt seine Rede zur Attacke. Steinbrück sei "in Hamburg geboren, in Düsseldorf gescheitert, in Berlin abgestiegen zum Problembär." Jubel in der Dreiländerhalle.

+++ "Was soll ich eigentlich jetzt noch sagen?!" +++

[12.24 Uhr] In Passau folgt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer direkt auf Edmund Stoiber am Rednerpult - und scherzt zu Beginn seiner Ansprache: "Was soll ich eigentlich jetzt noch sagen?"

+++ Abschied von Edmund Stoiber +++

[12.23 Uhr] Weiß-blaue Fähnchen werden in Passau geschwenkt, die CSU-Anhänger beklatschen Stoiber, der seine Rede beendet hat. Ausgerechnet die Junge Union jubelt dem 71-Jährigen besonders hingerissen zu und hält Schilder hoch: "Stoiber wunderbar", "Stoiber Superstar". Zum Abschluss seiner Ansprache hat der Ehrenvorsitzende gesagt: "Vielleicht ist das hier meine letzte Rede in Passau."

+++ Steinbrück erteilt Großer Koalition Absage +++

[12.22 Uhr] "Die meisten Menschen in Deutschland haben diese schwarz-gelbe Regierung satt," sagt Peer Steinbrück. "Diese Regierung ist so beliebt wie Blinddarmentzüdung und Wurzelbehandlung au einmal." Besonders deutlich sei das seit der Niederlage in Niedersachern. "Seitdem spüren wir die groß-koalitionären Anwandlungen der Union." Aber da sei die SPD nicht mit im Spiel. "Denn bei Großen Koalitionen ist der Scheidungsanwalt immer von Anfang an dabei", sagt Steinbrück. "Wir wollen die Regierung stellen mit den Grünen zusammen. Das ist das Ziel."

+++ Brüderle lobt Powerfrau Leutheusser-Schnarrenberger +++

[12.18 Uhr] Rainer Brüderle tritt nach einem umjubelten Auftritt von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger endlich ans Rednerpult, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Lazar Backovic. Brüderle begrüßt die bayerischen "Freunde und Freundinnen der Freiheit" - und legt gleich los: "Bayern ist das Powerhouse von Deutschland. Bayern spielt in einer Linie mit Kalifornien." Er wendet sich an seine Vorrednerin: "Das Powerhaus braucht eine Powerfrau, das bist du liebe Sabine."

+++ Häme für Steinbrück bei der CSU +++

[12.17 Uhr] "SPD: Pleiten, Peer und Pannen", heißt es auf einem Transparent in der Dreiländerhalle in Passau, wo die CSU ihren Politischen Aschermittwoch begeht. Ein anderer Schriftzug fragt: "Steinbrück, redest Du noch oder kassierst Du schon?" Ein ironischer Hinweis auf die umstrittenen Vortragshonorare des SPD-Politikers.

+++ Steinbrück kündigt Abschaffung des Betreuungsgeldes an +++

[12.15 Uhr] Steinbrück lästert, dass die CSU niemanden mehr von Format habe. Die SPD dagegen sehr wohl: Christian Ude. Die Menge jubelt: "Ude, Ude, Ude." "Das Einzige, was die CSU auf Bundesebene durchgesetzt hat, ist das vollkommen idiotische Betreuungsgeld. Und das wird meine Partei zum Gesetz mit der kürzensten Halbwertszeit machen."

+++ Trittin radelt gedanklich durchs Land +++

[12.11 Uhr] Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin schwärmt beim Politischen Aschermittwoch seiner Partei in Landshut von Radtouren durch Deutschland. Man könne lange Zeit durch Länder fahren, "wo die CDU/CSU nichts zu sagen hat". Seine Anhänger jubeln. "Das ist doch eine schöne Erfahrung", grinst Trittin. Danach gibt's einen Schluck aus dem Maßkrug.

+++ Steinbrück geht ans Rednerpult +++

[12.07 Uhr] Kanzlerkandidat Steinbrück arbeitet sich auf die Bühne vor, begleitet von frenetischen Rufen: "Peeeer Steinbrück, Peeeer Steinbrück." Er beginnt seine Rede mit einem Kalauer: "Ich hab' gehört, der Strauß hat früher zwei bis drei Stunden beim Aschermittwoch geredet." Kunstpause. "Das kann ich auch."

+++ Weiß-blaue Lobeshymne von Stoiber +++

[12.06 Uhr] In Bayern ist es doch am schönsten. Oder? Hier der Beleg, vorgelegt von Edmund Stoiber: Star-Fußballtrainer Pep Guardiola wird künftig beim FC Bayern in München arbeiten. "Er hätte nach Mailand, Paris oder London gehen können", ruft Stoiber. "Aber Pep Guardiola kommt nach Bayern." Schließlich habe der Spanier Familie und habe sich gefragt, so will Stoiber wissen: "Wo funktioniert es wirtschaftlich? Wo kann man sicher leben? Wo bekommen die Kinder a gute Bildung?" Na? In Bayern natürlich.

+++ Trittin nennt Brüderle Schweinehund +++

[12.02 Uhr] Grünen-Spitzenkandidat Trittin ist ja immer mal wieder für einen scharfen Spruch gut. Heute widmet er sich dem FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle: "Wir versuchen alle, vor allem nach Aschermittwoch, unseren inneren Schweinehund zu überwinden. Die FDP macht ihn zum Spitzenkandidaten."

+++ Stoiber lobt das Betreuungsgeld +++

[11.57 Uhr] Edmund Stoiber rührt an das Herz der bayerischen Familien. Er tritt für eine konservative Familienpolitik ein und verwirft die Vorstellungen von SPD und Grünen. Unter dem Jubel der CSU-Anhänger sagt er: "Familien sind keine Aktien. Kinder sind keine Lohnnebenkosten. Frauen sind keine Gebärmaschinen, die am besten vom Kreissaal in die Fabrik gehen sollen." Kindererziehung solle nicht vom Staat übernommen werden - die Einführung des Betreuungsgeldes sei richtig, so Stoiber. Das Betreuungsgeld sei übrigens seine Idee gewesen.

+++ Zeil reimt sich was zusammen +++

[11.54 Uhr] FDP-Mann Martin Zeil wettert kräftig gegen SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und dessen Praxis, gegen Geld Vorträge zu halten - vor allem bei den Stadtwerken in Bochum, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Lazar Backovic. Er fragt: "Wie heißt noch gleich die nach Steinbrück gedichtete neue Strophe der Internationalen? Völker hört die Signale: So frohlockt der Sozialist, wenn das Geld im Kasten ist, und von denen keiner grollt, wenn der Rubel richtig rollt."

+++ Stoiber attackiert Steinbrück als Schuldenminister +++

[11.48 Uhr] CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber geht SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hart an. Zwar schätze er Steinbrück persönlich, aber: "Als Finanzminister und Ministerpräsident hat Steinbrück in fünf Jahren mehr Schulden aufgehäuft als Bayern in seiner ganzen Nachkriegsgeschichte", ruft Stoiber. "Und da traut sich der hierherzukommen und uns Ratschläge zu erteilen." Rund 20 Kilometer entfernt sitzt Steinbrück beim Politischen Aschermittwoch der SPD in Vilshofen - er wird in etwa einer halben Stunde reden.

+++ Zeil kalauert +++

[11.47 Uhr] Der erste Kalauer in Dingolfing kommt von Martin Zeil, Bayerns Vizeministerpräsident. Er begrüßt alle Gäste im "Land der Dirndl und Denker." Er freue sich auf einen gemeinsamen Wahlkampf mit Rainer Brüderle, mit dem er "über Plätze und durch die Bierzelte" ziehen will. Er habe sich nie vom Volk entfernt wie so viele andere Volksvertreter. Laut den jüngsten Umfragen wären die Liberalen weder im Landtag in München noch im Bundestag vertreten.

+++ Erster Einheizer bei der FDP +++

[11.44 Uhr] Andreas Fischer, FDP-Bezirkschef, geht als Einheitzer als erster ans Rednerpult. Er wendet sich an die Medien: "Berichten Sie über Inhalte! Bei uns geht es nicht um Dirndl oder Doktorarbeiten. Bei uns geht es um Wirtschaft, Bildung und Bürgerrechte." Frenetischer Applaus. Ein paar Anhänger reißen Schilder mit der Aufschrift "Standhaft bleiben" in die Höhe.

+++ Stoiber macht Ausflüge in die Weltpolitik +++

[11.39 Uhr] So richtig um Bayern geht es nicht - begeistert scheinen Stoibers Anhänger daher momentan nicht gerade. Der Ehrenvorsitzende macht in seiner Rede längere Ausflüge in die weite Welt: Er spricht über die Euro-Krise, Obamas Rede zur Lage der Nation, den Nahen Osten, Nordkoreas Atomtests. Und, oh, da schleicht sich auch noch ein umständliches Stoiber-Wort ein: "konzedieren".

+++ Trittin hackt auf Seehofer ein +++

[11.37 Uhr] Auch bei den Grünen kommt langsam Stimmung auf. Jürgen Trittin, Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, hat seine Rede begonnen - und Ministerpräsident Seehofer gleich ins Visier genommen: "Wenn crazy Horst auf friendly fire schaltet, dann ist der Kollateralschaden eingetreten." Er zielt damit auf den Umgang Seehofers mit seinen Parteifreunden.

+++ "Gott sei Dank regieren CDU und CSU" +++

[11.33 Uhr] Edmund Stoiber war CSU-Chef, Bayern-Regent, Kanzlerkandidat. Jetzt gilt sein Auftritt als einer der Höhepunkte des Politischen Aschermittwochs - sein schmachvoller Abgang 2007 scheint vergessen. Stoiber lobt die Politik der schwarz-gelben Koalition in der Euro-Krise: "Gott sei Dank regieren CDU und CSU."

+++ Ude für gesetzlichen Mindestlohn +++

[11.30 Uhr] "Die bayerische Verfassung sieht ausdrücklich gesetzliche Mindestlöhne vor", sagt Ude. "Und wir werden dafür sorgen, dass das umgesetzt wird." Die Menge jubelt. "Ude, Ude, Ude", schallt es im Festzelt.

+++ Ude beschwört die Stärke der SPD in Bayern +++

[11.27 Uhr] "Bayern in Höchstform" steht auf dem Pult, hinter dem Christian Ude steht und seine Rede hält. Ude zählt alle bayerischen Städte und Landkreise auf, in denen die SPD regiert. Er beginnt bei A wie Aschenburg und endet bei Z wie Zirndorf. "Überall in diesen Städten und Landkreisen haben wir das Vertrauen absoluter Mehrheiten gewonnen. Jetzt gilt es, das auch bei der Landtagswahl umzusetzen."

+++ "Benedikt XVI. ist der größte Sohn Bayerns" +++

[11.23 Uhr] Stoiber reagiert auf den angekündigten Rücktritt des Papstes: Das habe ihn "bewegt und traurig gemacht". Er habe tiefen Respekt für ihn als Papst, Kirchenführer und Theologen. Stoiber würdigt Benedikt XVI. als den "größten Sohn Bayerns".

+++ Stoiber spricht - die Dreiländerhalle jubelt +++

[11.19 Uhr] Sein Auftritt ist als einer der Höhepunkte des Politischen Aschermittwochs der CSU angekündigt worden: Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber spricht jetzt in der Dreiländerhalle in Passau. "Ja, ich gehöre zur Generation 70 Plus", scherzt Stoiber, "aber ich habe immer noch mehr Energie als der müde Haufen der bayerischen Opposition." Die Menge juchzt. Stoiber legt noch nach: "Wenn meine CSU ruft, kann ich doch nicht Skifahren gehen."

+++ SPD spottet über "Zar" Peter Ramsauer +++

[11.16 Uhr] Die CSU schafft es ja gerne, den anderen Parteien Vorlagen für Spott zu liefern - etwa Horst Seehofers Bemerkungen vor einigen Wochen über "Zar Peter" (Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer) oder die "Schmutzeleien" des bayerischen Finanzministers Markus Söder. Die bayerische SPD hat diese Bemerkungen nun dankbar am Aschermittwoch wieder aufgenommen. Parteichef Florian Pronold wettert: Seehofer habe seine Leute als unfähig und charakterlos bezeichnet. "Warum hat er sie dann alle berufen?"

+++ Witze übers Dirndl-Gate +++

[11.15 Uhr] Erste Zoten bei der FDP. Der bayerische FDP-Fraktionschef Thomas Hacker flachst in Dingolfing über Brüderles Dirndl-Gate: "Ich lese den "Stern" nicht - mich erschrecken immer die nackten Frauen auf dem Titelbild."

+++ Stoiber spricht +++

[11.12 Uhr] Erster Höhepunkt in Passau: Edmund Stoiber tritt ans Rednerpult beim Politischen Aschermittwoch der CSU.

+++ Schwärmereien für Stoiber +++

[11.10 Uhr] Natürlich ist er wieder da: Uwe Wehrspaun aus dem niedersächsischen Peine. CDU-Wähler und vor allem ein Fan von Edmund Stoiber. "Ja zu Stoiber", steht auf seinem T-Shirt, es ist das Motiv aus dem Bundeswahlkampf 2002, als der Bayer gegen Kanzler Gerhard Schröder unterlag. Für Wehrspaun ist diese Niederlage längst vergessen, berichtet er SPIEGEL-ONLINE-Reporter Björn Hengst. Beim Namen Stoiber gerät der 72-Jährige, der nach eigenen Angaben zum 20. Mal zum Politischen Aschermittwoch der CSU gekommen ist, ins Schwärmen: "Was er sagt, hat Hand und Fuß."

+++ Wagenknecht verteidigt Gysi +++

[11.07 Uhr] Linken-Fraktionschef Gregor Gysi bekommt beim Politischen Aschermittwoch seiner Partei in Tiefenbach Hilfe von Sahra Wagenknecht. Die Vize-Parteichefin tut die neuen Stasi-Vorwürfe gegen Gysi als Wahltaktik ab. "Das ist in jedem Wahljahr das Gleiche. Jedes Mal werden die gleichen Vorwürfe ausgegraben", schimpft Wagenknecht - und meint: "Das wird dieses Mal genauso ausgehen wie in anderen Wahljahren: Das Verfahren wird eingestellt."

+++ Brüderle marschiert durch die Halle in Dingolfing +++

[11.03 Uhr] Marschklänge in Dingolfing. Auch bei der FDP ist der Spitzenredner nun in der Halle eingetroffen. Schräg gegenüber einer Dirndl-Trägerin nimmt Brüderle am Tisch Platz. Das Bier steht bereits vor ihm.

+++ Bayern-SPD attackiert Seehofer +++

[11.01 Uhr] Florian Pronold, Chef der bayerischen Sozialdemokraten, schießt sich auf Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer ein - und sammelt Attribute für den CSU-Politiker. Seehofer ändere ständig seine Meinung bei Themen wie Studiengebühren, Energiewende, Euro-Rettung. Er drehe sich wie ein " Fähnchen im Wind", sei ein "Wendehals", "ein hundertprozentiger Opportunist", ein "Drehhofer".

+++ "Koalition der Wendehälse und Dipferlscheißer" +++

[10.55 Uhr] Die Grünen reden sich warm in Landshut - und werfen der CSU eine "Chaosdiktatur" in Bayern vor. Die Angriffe kommen von der grünen Spitzenkandidatin für die bayerische Landtagswahl, Margarete Bause. Die CSU habe nichts zu bieten als "die dumpfe Einfalt eines Dobrindt oder die Schmutzeleien eines Söder, die Kaltherzigkeit einer Frau Haderthauer und die Zuckerwatte einer Frau Aigner." CSU und FDP könnten Bayern nicht erfolgreich weiterregieren: "Die Koalition der Wendehälse und der Dipferlscheißer, die hat fertig."

+++ "Peer, Peer, Peer" +++

[10.47 Uhr] Die SPD in Vilshofen begrüßt Peer Steinbrück. Die Generalsekretärin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen, kündigt ihn als "zukünftigen Bundeskanzler von Deutschland" an. "Peer, Peer, Peer", rufen die Genossen und klatschen sich warm. Der winkt, lacht, setzt sich, steht nach langem Jubel wieder auf und winkt wieder.

+++ Brüderle im Séparée +++

[10.45 Uhr] Auch bei der FDP in Dingolfing ist der Spitzenredner angekommen. Ein Sprecher bestätigt SPIEGEL-ONLINE- Mitarbeiter Lazar Backovic, was in Dingolfing schon vor Minuten als Gerücht durch den Raum ging: Rainer Brüderle ist da. Gesehen hat ihn allerdings niemand. Noch sitzt er in einem Séparée in der Stadthalle und bereitet sich auf seine Rede um 12 Uhr vor.

+++ Zuckersüße Junge Union +++

[10.41 Uhr] Katrin Albsteiger, bayerische Landesvorsitzende der Jungen Union, hat vor kurzem in Passau Muffins mit Junge-Union-Glasur an die Journalisten verteilt, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Björn Hengst. "Ich höre, dass Sie sich immer so langweilen", sagt die Politikerin und lächelt die Pressevertreter an.

+++ Ein Sieg für die SPD +++

[10.40 Uhr] Die SPD beansprucht den Sieg im Zuschauer-Wettstreit mit der CSU für sich. "Herzlich willkommen zur größten Aschermittwochsveranstaltung in Bayern", eröffnete der SPD-Ortsvorsitzende im niederbayerischen Vilshofen, Florian Gams, die Kundgebung unter dem Jubel der Zuschauer. Die SPD hat eigens ein Bierzelt mit Bierbänken für 4500 Besucher und einer maximalen Kapazität von 5000 Menschen aufgebaut, um die CSU in Passau zu übertrumpfen. Die dortige Dreiländerhalle ist für höchstens 4000 Sitzplätze zugelassen. Das SPD-Bierzelt war zu Beginn der Kundgebung tatsächlich gefüllt, die Stimmung im Publikum gut.

+++ Prost bei der SPD! +++

[10.37 Uhr] Himmelblaue Bahnen hängen in dem SPD-Festzelt in Vilshofen - sonst sind überall rote Hüte zu sehen. Die Sozialdemokraten zeigen sich gut gelaunt: Der Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Christian Ude, schiebt sich durch die Menge und schüttelt Hände. Gleich hinter ihm lacht Peer Steinbrück schallend. Und jetzt wird mit Weißbier angestoßen. Prost!

+++ CSU feiert Stoiber als Superstar +++

[10.35 Uhr] Der Ehrenvorsitzende der CSU badet neben Seehofer in der Menge. Mitglieder begrüßen Stoiber mit Plakaten: "Stoiber Superstar." Vor dem Aschermittwoch hatte Horst Seehofer Stoiber als "ein Pfund" gepriesen. Auch heute verfüge er noch über "große politische Schlagkraft".

+++ Ein erster Schluck Bier +++

[10.33 Uhr] Stimmungsbilder sind wichtig, das Fernsehen filmt mit. So nimmt Edmund Stoiber eine Maß Bier in die Hände, die ihm ein CSU-Anhänger reicht. Er nippt einmal kurz und blickt dabei in die Kameras.

+++ Seehofer stand im Stau +++

[10.31 Uhr] Der bayerische Ministerpräsident Seehofer hat es geschafft. Nach fast einer Viertelstunde hat er die Bühne erreicht. Er winkt, zeigt die Daumen-hoch-Geste, wirkt locker. Neben ihm steht der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Der Zeitplan der CSU ist schon in Verzug geraten. Seehofer kam zu spät an der Halle an, weil sein Wagen im Stau gestanden hatte.

+++ "Gott mit dir, du Land der Bayern" +++

[10.29 Uhr] Wer nicht textsicher ist, muss sich beim Politischen Aschermittwoch der CSU in der Passauer Dreiländerhalle keine Sorgen machen, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Björn Hengst. Die Bayernhymne liegt pünktlich zum Beginn auf sämtlichen Tischbänken: "Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! Über deine weiten Gauen ruhe seine Segenshand!" Und auf der Rückseite gibt's auch noch das Deutschlandlied dazu.

+++ Steinbrück und Ude schieben sich ins Festzelt +++

[10.26 Uhr] Fast zeitgleich mit Horst Seehofer in Passau kommt auch Peer Steinbrück bei seiner Aschermittwochsveranstaltung an. Auch in Vilshofen klatschen und jubeln die Gäste. Neben Steinbrück zieht Christian Ude in das Festzelt ein.

+++ Jubel beim Einzug von Horst Seehofer +++

[10.21 Uhr] Zu den Klängen des Defiliermarsches kommt Horst Seehofer in die Dreiländerhalle. Er genießt den Moment sichtlich. Die Parteianhänger jubeln und klatschen stehend. Alle erwarten deutliche Worte des bayerischen Ministerpräsidenten.

+++ Aschermittwoch im Internet +++

[10.19 Uhr] Die CSU hat eine Sonderseite im Internet für den Politischen Aschermittwoch eingerichtet und verspricht: "Volles Haus, gute Stimmung und eine deutliche Aussprache ist wieder an der Tagesordnung."

+++ Strauß-Gedächtnis-Veranstaltung +++

[10.12 Uhr] Die CSU will an alte Zeiten anknüpfen. Der frühere bayerische Ministerpräsident soll an diesem Tag posthum eine wichtige Rolle spielen. Die Partei will die besten Pointen aus den Reden ihres früheren Vorsitzenden präsentieren.

+++ Das Bier steht schon auf den Tischen +++

[10.00 Uhr] Bei der CSU in der Dreiländerhalle in Passau herrscht schon kräftig Stimmung. Die ersten Maßkrüge sind geleert. Viele weiß-blau-gewandete Anhänger warten auf den Einzug der Parteispitze. Im Hintergrund Bilder aus der bayerischen Idylle: Berge, Dörfer, Neuschwanstein.

+++ Bart zum Anstecken +++

[9.59 Uhr] In Dingolfing macht sich die Blaskapelle warm. Als Gimmick liegt auf den Tischen ein Anstecker mit einem Bart, wie ihn der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Martin Zeil trägt.

+++ Im Dirndl zur FDP +++

[9.40 Uhr] In Dingolfing sind 20 Minuten vor Einlass noch die Reporter und die FDP-Mitarbeiter in der Überzahl. Die erste FDPlerin im Dirndl hat das Foyer der Stadthalle betreten. Es ist Katharina Walter, 28, Bezirksvorsitzende der Jungen Liberalen in Niederbayern. Ob sie lange mit der Kleiderwahl gezögert hat? Sie sagt: nein.

ler/kgp

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Piratiger Aschermittwoch LIVE
Humanist1978 13.02.2013
http://www.piraten-streaming.de/?page_id=688&id=767
2.
hasenmann123 13.02.2013
Zitat von sysopDPADie Aschermittwochs-Veranstaltungen peilen langsam ihre Höhepunkte an. Bei CSU, SPD und FDP sind die Spitzenredner eingetroffen. Seehofer und Steinbrück ließen sich minutenlang bejubeln. Brüderle hockte zunächst im Séparée. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/liveticker-csu-setzt-am-aschermittwoch-auf-franz-josef-strauss-a-883063.html
Wieso erinnert mich Stoiber immer so sehr an den lustigen Ziegenbock Bobesch von der Augsburger Puppenkiste (bei Kater Mikesch)
3. So schööön
wachrüttler 13.02.2013
Jubel, Trubel, Heiterkeit, Freibier und große Sprüche auf Kosten der Steuerzahler!!!
4. Stoiber ist an Seichtheit seiner Bierdimpfl-Rede nicht zu überbieten
Roßtäuscher 13.02.2013
Zitat von sysopDPADie Aschermittwochs-Veranstaltungen peilen langsam ihre Höhepunkte an. Bei CSU, SPD und FDP sind die Spitzenredner eingetroffen. Seehofer und Steinbrück ließen sich minutenlang bejubeln. Brüderle hockte zunächst im Séparée. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/liveticker-csu-setzt-am-aschermittwoch-auf-franz-josef-strauss-a-883063.html
Einer der sich hinstellt, sich ständig lobt. Warum musste er denn dann als MP zurücktreten? Er hat einen Scherbenhaufen hinterlassen. Die Wähler sind so verstockt und glauben seine Selbstbeweihräucherung, wie man der Merkel glaubt, Seehofer gar nicht zu erwähnen. Die CSU muss abgewählt werden, sie ist verbraucht und verheizt. Reif für eine 5-jährige Erholung.
5.
troy-mc-lure 13.02.2013
"Das Bier fließt bei dern Aschermittwochsveranstaltungen der Parteien in Bayern" Schön-Saufen nennt man das dann wohl.
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