Liveticker vom 9. November 1989: So fiel die Mauer

Zusammengestellt von und

Der 9. November 1989 - ein Schicksalstag der Deutschen. Hier können Sie ihn minutiös nacherleben: SPIEGEL ONLINE dokumentiert im historischen Liveticker, wie die Nachrichtenagenturen vor 20 Jahren über den Fall der Mauer und die Nacht des grenzenlosen Jubels berichteten.

Chronik: Der Tag, an dem die Mauer fiel Fotos
DPA

Lesen Sie die Berichte der westlichen Agenturen AP, dpa, AFP und der DDR-Agentur ADN vom 9. November 1989. Sie können die Entwicklung den ganzen Tag über rückwärts verfolgen. (Kursive Ergänzungen von SPIEGEL ONLINE.)

+++ Die Nacht des Jubels +++

[Nacht auf den 10. Oktober] Nach und nach strömen Tausende DDR-Bürger in den Westen. Fremde Menschen fallen sich in die Arme, Trabis rasen hupend über den Kurfürstendamm, Westberliner stoßen mit Ostberlinern an. Die Zeitungen titeln am Morgen des 10. November: "Berlin ist wieder Berlin!" und "Alle Deutschen sind frei".

+++ EIL +++ Tausende an Ost-Berliner Grenzübergängen +++

[23.54] Ost-Berlin (dpa) - Einige tausend DDR-Bürger haben sich an den Ost-Berliner Grenzübergängen eingefunden, um nach West-Berlin zu gelangen. Allein an dem Übergang Bornholmer Straße standen viele hundert Ost-Berliner, die die Nachricht von den offenen Grenzen per Radio und Fernsehen erfahren hatten. Sie wurden von den DDR-Grenzern nach Vorzeigen des Personalausweises durchgelassen. An den Zufahrtsstraßen herrschte etwa zwei Kilometer Stau. Viele Menschen sagten, sie wollten einfach nur probieren, ob sie in den anderen Teil der Stadt gelangen können.

+++ Berliner schlagen mit Hämmern auf die Mauer ein +++

[23.47] Berlin (dpa) - Mehrere hundert DDR-Bürger haben bereits kurz nach Bekanntwerden der neuen Reiseregelung die Grenze nach West-Berlin passiert. "Wir haben den Eindruck, dass die Leute einfach über die Grenze gehen", sagte Polizeipräsident Georg Schertz. Am Brandenburger Tor kamen auf westlicher Seite rund 300 Menschen zusammen, überwiegend DDR-Bürger, und veranstalteten ein Happening. Wie es hieß, schlugen sie mit Hämmern auf die Mauer ein.

+++ Kohl denkt über Abbruch der Polenreise nach +++

[23.46] Warschau (dpa) - Am Abend des ersten Tages seiner Polenreise hat die "dramatische Lage" an der innerdeutschen Grenze Bundeskanzler Helmut Kohl veranlasst, über die Möglichkeit eines Abbruchs seines Besuches nachzudenken.

+++ Alle Grenzen zur Bundesrepublik geöffnet +++

[23.43] Berlin (AP) - Die DDR hat 28 Jahre nach dem Mauerbau alle Grenzen zur Bundesrepublik geöffnet. Wenige Stunden nach einer entsprechenden Erklärung des Ministerrats der DDR kamen bereits Hunderte von DDR-Bürgern über die Berliner Sektorenübergänge und die deutsch-deutsche Grenze ohne Visum oder Pass in den Westen. Bundeskanzler Helmut Kohl erklärte in Warschau, er wolle so bald wie möglich mit dem Ostberliner Staats- und Parteichef Egon Krenz zusammentreffen. Das SED-Zentralkomitee berief für Mitte Dezember erstmals seit 1956 eine Parteikonferenz ein.

DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz greift in dieser Nacht nicht ein - eine klare Weisung von ihm wird nicht bekannt. "Was soll ich denn nur machen?", soll er laut Mitgliedern des Zentralkomitees geklagt haben. Erst am nächsten Morgen befiehlt Krenz die Bildung einer "Operativen Führungsgruppe". Die DDR ist in diesen Stunden "einem militärischen Einsatz näher, als dies manche wahrhaben wollen", schreibt er später. (Quelle: SPIEGEL / Bundeszentrale für politische Bildung)

+++ Offene Grenze: Freudentränen und Umarmungen +++

[23.06] Berlin (dpa) - Die ersten Bürger Ost-Berlins haben nach Augenzeugenberichten mit Genehmigung der DDR-Behörden die Grenze nach West-Berlin für einen Kurzbesuch überschritten. Wie ein Westberliner vor den Live-Kameras der "Tagesthemen" des Ersten Deutschen Fernsehens berichtete, kam am Grenzübergang Wedding um 21.25 Uhr ein junges Pärchen weinend in den Westteil der Stadt. Er berichtete über zum Teil rührende Szenen wie Umarmungen und Freudentränen. Anschließend seien mehrere hundert Ost-Berliner über den Übergang gekommen, zum Teil mit Stempeln der Volkspolizei in ihrem Personalausweis. Alle wollten wieder zurückkehren.

Immer mehr DDR-Bürger dürfen nun die Grenze passieren. "Tor auf, Tor auf!", brüllen die Massen an der Bornholmer Straße. Um 23.30 Uhr geben die Grenzer nach, der Schlagbaum hebt sich. Ost-Berliner rennen über die Brücke und werden von West-Berlinern begeistert begrüßt. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

+++ Erste DDR-Bürger passieren ohne Formalitäten +++

[23.00] Ost-Berlin (AFP) - Zweieinhalb Stunden nach der angekündigten Öffnung der DDR-Grenzen zur Bundesrepublik haben die ersten DDR-Bürger die Berliner Mauer ohne Formalitäten passiert.

Beim Grenzübergang Bornholmer Straße drängen sich nun Tausende Menschen. D ie ARD-Tagesthemen haben vor einer Viertelstunde gemeldet, die Tore in den Westen seien "weit offen" - nach der Sendung hat ein Massenansturm auf die Kontrollpunkte eingesetzt. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

+++ Frankreich: "Man muss sich für das deutsche Volk freuen"+++

[22.57] Paris (dpa) - Die französische Regierung hat die von der Ost-Berliner Führung beschlossene Reisefreiheit für DDR-Bürger begrüßt. Die jüngsten Entscheidungen bedeuteten einen "Fortschritt in großen Schritten zu einer Demokratisierung", stellte Außenminister Roland Dumas in einem am Donnerstagabend in Paris veröffentlichten Kommunique fest. "Man muss sich für das deutsche Volk freuen", meinte der Minister weiter, "und die DDR-Führung dazu beglückwünschen, dass sie die Notwendigkeit dafür begriffen hat".

+++ Bush "hocherfreut" über Entwicklung in der DDR +++

[22.38] Washington (dpa) - US-Präsident George Bush hat die "dramatische" Entscheidung über die Öffnung der DDR-Grenze zur Bundsrepublik "begrüßt" und sich "hocherfreut" darüber geäußert. Im Weißen Haus in Washington sprach er am Donnerstag vor Journalisten von einer "dramatischen Entwicklung in Richtung Freiheit". Auf Fragen von Journalisten nach der Möglichkeit der deutschen Wiedervereinigung sagte der Präsident, er könne zurzeit nicht sagen, ob die neueste Entwicklung diesen Prozess beschleunigt.

+++ USA bieten DDR-Aussiedlern Unterschlupf in Kasernen +++

[22.34] Washington/Ottawa (AFP) - Die USA und Kanada sind einem Ersuchen Bonns nachgekommen und werden für die Aufnahme von DDR-Aussiedlern Kasernen in der Bundesrepublik zur Verfügung stellen. Nach Angaben eines Sprechers des US-Verteidigungsministeriums können etwa 1000 Aussiedler für maximal sechs Monate in Stützpunkten der US-Luftwaffe in der Bundesrepublik untergebracht werden.

+++ Sondersitzung des Berliner Senats +++

[22.22] Berlin (dpa) - Der Berliner Senat ist am Donnerstagabend im Rathaus Schöneberg zu einer Sondersitzung zusammen, um über die Auswirkungen der neuen DDR-Reiseregelung auf West-Berlin zu beraten.

+++ Kohl: Folgen der Grenzöffnung noch nicht absehbar +++

[22.08] Warschau (dpa) - Nach seiner Rückkehr aus Polen will Bundeskanzler Helmut Kohl "möglichst bald" Kontakt mit dem DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz und dem dann gewählten Regierungschef Hand Modrow aufnehmen und mit ihnen zusammentreffen. In einem Kurz-Interview des Zweiten Deutschen Fernsehens sagte Kohl am Rande, die Konsequenzen nach der Öffnung der DDR-Grenzen seien zur Stunde noch nicht abzusehen.

Kohl bekennt später, er habe sich in Warschau am falschen Ort gefühlt. "Es war einer der dramatischsten Augenblicke der jüngsten Geschichte", sagte er in einem Interview. "Unsere wichtigste Überlegung war: Wie kommen wir so schnell wie möglich nach Hause?" Kohl fliegt schließlich über Schweden und Hamburg nach Berlin und trifft dort erst am 10. November ein. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

+++ Demonstrationen in der DDR +++ 80.000 in Erfurt +++

[22.03] Berlin (dpa) - Auch am Donnerstag haben wieder Zehntausende in der DDR für Demokratie und Freizügigkeit demonstriert. In Erfurt forderten rund 80.000 Bürger freie Wahlen, Rechtstaatlichkeit und Freizügigkeit. Die Worte einer Rednerin für die SED gingen in einem Pfeifkonzert unter.

Auch in Gera demonstrieren Zehntausende Menschen. Auf Transparenten und in Sprechchören fordern sie "freie Wahlen" und "uneingeschränkte Reisefreiheit". (Quelle: AFP)

+++ Hamburg hält Unterkünfte für Katastrophenfall bereit +++

[21.55] Hamburg (dpa) - Zur Unterbringung weiterer Übersiedler aus der DDR muss Hamburg auf Unterkünfte zurückgreifen, die für Katastrophenfälle vorgesehen sind. "Hamburg ist dicht", sagte der Hamburger Sozialsenator Ortwin Runde (SPD) am Donnerstag am Rande der Bürgerschaftssitzung. Falls der Zustrom durch die Öffnung der Grenze weiter anhalte, müssten weitere Betten in Turnhallen und Schulen aufgestellt werden. Falls nötig, sollten auch unterirdische Bunker und ein Notkrankenhaus in Wedel genutzt werden, sagte Runde.

+++ Sowjet-Agentur meldet Grenzöffnung kommentarlos +++

[21.52] Moskau (AFP) - Die offizielle sowjetische Nachrichtenagentur TASS hat die angekündigte Öffnung der DDR-Grenzen am Donnerstagabend ohne Kommentar gemeldet. TASS bezog sich dabei auf die amtliche DDR-Nachrichtenagentur ADN.

[21.45] West-Berlin (AFP) - Berlins Regierender Bürgermeister Walter Momper hat in einer kurzen Fernsehansprache am Donnerstagabend die Entscheidung der DDR-Führung, die innerdeutsche Grenze für alle DDR-Bürger zu öffnen, als ein "Zeichen der Aufrichtigkeit" bezeichnet. Dies sei ein Tag der Freude, den alle seit langem ersehnt hätten. Momper rechnet damit, dass bereits am kommenden Wochenende eine Reisewelle losgehen wird. "Alle DDR-Bürger können zu uns kommen und uns besuchen", sagte Momper. "Wir sollten sie mit offenen Armen bei uns empfangen."

+++ "Warum reißen sie nicht gleich die Mauer ein?" +++

[21.39] Berlin (AP) - Völlig perplex ist die 41-jährige Kellnerin Brigitte Hinze. Mit Einkaufstüten steht sie im U-Bahnhof Schönhauser Allee. Darin ist die Wäsche, die sie ihrem vor einer Woche über Prag und die Bundesrepublik nach Westberlin geflüchteten 19-jährigen Sohn schicken wollte. "Jetzt werde ich ihn so schnell wie möglich selbst besuchen. Ich freue mich ganz toll", sagt sie mit bewegter Stimme. Vielleicht wolle ihr Sohn aufgrund der neuen politischen Lage wieder nach Hause zurückkommen. "Warum reißen sie nicht gleich die Mauer ein?", fragt die 18-jährige Fachschulstudentin Birgit Großpetzsch.

Der Druck auf den Grenzübergang Bornholmer Straße wächst zu diesem Zeitpunkt: Zwischen 500 und 1000 Ost-Berliner drängen sich davor, Autos stauen sich einen Kilometer lang. Wenige Minuten später lassen die Grenzer Einzelne passieren. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

+++ USA begrüßen Öffnung der Grenzen +++ "Atemberaubend" +++

[21.27] Washington (dpa) - Die US-Regierung hat die Entscheidung Ost-Berlins über die Öffnung der Grenze zur Bundesrepublik am Donnerstag begrüßt. Außenminister James Baker sprach von einer "sehr positiven Entwicklung". Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater sagte, dies könnte ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu "friedlichen und evolutionären demokratischen Reformen" in der DDR sein. Präsident George Bush nahm selbst nicht Stellung, sondern sagte nur, er stehe in engem Kontakt mit Bundeskanzler Helmut Kohl. Der Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, George Mitchell, meinte, jetzt sei es an der Zeit, auch die Mauer einzureißen. Der republikanische Minderheitsführer Robert Dole nannte die Vorgänge "atemberaubend".

+++ "Grenzöffnung ist Schritt von überragender Bedeutung", sagt Seiters +++

[20.59] Bonn (dpa) - Kanzleramtsminister Rudolf Seiters (CDU) hat die Öffnung der Grenzen der DDR als "Schritt von überragender Bedeutung" gewertet. Damit werde erstmals Freizügigkeit für die Bürger der DDR hergestellt, erklärte Seiters. Mauer und Grenzen würden jetzt durchlässiger. Nach einem Gespräch mit Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), der sich zurzeit in Warschau aufhält, betonte Seiters, Ziel müsse es bleiben, die Verhältnisse im anderen Teil Deutschlands so zu entwickeln, dass die Menschen, die dort bleiben, eine Perspektive auf eine lebenswerte Zukunft sehen.

+++ Lambsdorff: Ende von Mauer und Stacheldraht +++

[20.46] Bonn (AFP) - Nach Einschätzung von FDP-Chef Otto Graf Lambsdorff bedeutet die Öffnung der Grenze "faktisch das Ende von Mauer und Stacheldraht". Die Führung der DDR "täte gut daran, diese Symbole des Eingesperrtseins unverzüglich zu demontieren, weil nur so die Bürger der DDR darauf vertrauen werden, dass die Zeit der Reisebeschränkungen endgültig vorbei ist", erklärte Lambsdorff.

+++ Für Ausreise nur Personalausweis nötig +++

[20.38] Ost-Berlin (dpa) - Für die DDR-Ausreise ist nach Angaben des Innenministeriums nur ein Personalausweis nötig, um ein Visum zu erhalten. Bei sofortigen Reisen - also beispielsweise Urlaubsreisen in den Westen - ist noch ein Pass erforderlich.

Wenige Minuten später endet die Sitzung des SED-Zentralkomitees. Bis dahin hat die Partei- und Staatsspitze die Vorgänge um sie herum nicht bemerkt: nicht die Pressekonferenz, nicht den einsetzenden Ansturm auf die Grenzübergänge. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

+++ Diepgen: "Heute beginnt eine neue Zeit"+++

[20.27] Berlin (dpa) - "Heute beginnt eine neue Zeit", sagte der Berliner CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende, Eberhard Diepgen, zur neuen Reiseregelung in der DDR. Berlin werde wirklich wieder eine offene Stadt. "Das ist ein Tag, auf den ich seit dem 13. August 1961 gewartet habe. Die Mauer hat damit ihre Funktion verloren. Sie kann und muss jetzt abgerissen werden." Als ersten Schritt forderte Diepgen die Öffnung des Brandenburger Tors für Fußgänger. Anders sei auch die Zahl der Besucher an den vorhandenen Übergängen nicht zu bewältigen.

+++ Demos in Dresden und Rostock +++

[20.24] Berlin (dpa) - Heftige Kritik an ihrer Partei haben am Donnerstagabend SED-Mitglieder auf Kundgebungen in Dresden und Rostock geübt. In Dresden forderten nach Angaben der DDR-Nachrichtenagentur ADN Studenten und Wissenschaftler der Verkehrshochschule auf Plakaten und Transparenten unter anderem "Mehr Demokratie - besserer Sozialismus", "Reformen von unten bis ganz oben", einen außerordentlichen Parteitag sowie "Weg mit den Ignoranten".

+++ SED-Funktionär: DDR stand vor Bürgerkrieg +++

[20.21] Bonn (dpa) - Die DDR soll am 9. Oktober und damit vor der Absetzung von DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker nach einem Bericht in der Tageszeitung "Die Welt" (Freitagausgabe) vor dem Bürgerkrieg gestanden haben. Die Zeitung zitiert einen namentlich nicht genannten führenden SED-Funktionär mit den Worten: "Am 9. Oktober stand die DDR vor dem Bürgerkrieg." Honecker habe an diesem Tag den Befehl erteilt, die Massendemonstration in Leipzig unter Einsatz der Nationalen Volksarmee niederzuschlagen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Welche Hoffnungen weckte der Mauerfall, welche erfüllten sich davon?
insgesamt 1962 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Außenpolitisch
derweise 31.10.2009
Außenpolitisch kann sich das Werk Kohls sehen lassen, innenpolitisch ("geistig-moralische Wende") war es nichts.
2. ritualisierter Vergangenheitsbewältigung
c++ 31.10.2009
Wir haben diese Form der ritualisierten Vergangenheitsbewältigung noch nicht einmal 64 Jahre nach dem Ende des 2. WK überwunden, noch immer kommt, meist unangebracht, die erhobene Zeigefinger: "Deutschland bei seiner Geschichte ...", "Aufgrund des historischen Erbes...". Und da wollen die Genossen schon nach 20 Jahren aus ihrer historischen Schuld entlassen werden. Nein, Genossen, noch über 40 Jahre muss das Gedenken an den DDR-Sozialismus in Deutschland allgegenwärtig sein. Da darf es nicht zu Verharmlosungen und Relativierungen kommen. Die eigentliche Auseinandersetzung mit der NS-Zeit begann 1968, 23 Jahre nach dem Zusammenbruch. Die Auseinandersetzung mit der DDR-Diktatur müsste jetzt mal langsam beginnen. Ansonsten hat Platzeck natürlich Recht. Wer die DDR als Irrweg sieht, sich zum demokratischen Rechtsstaat bekennt, warum sollte man da Barrieren errichten? Allerdings wirklich nur dann, wenn es keine DDR-Nostalgiker sind. Und die gibt es noch in der Linken. Noch ist die Einsicht in das Unrecht nicht ausgelöscht, der Schoß ist fruchtbar noch.
3.
goethestrasse 31.10.2009
Versöhnen mit den SED - Erben .. Schwamm drüber , über 40 Jahre DDR. da bin ich mal gespannt, was hier im forum abgeht.
4. Mit oder ohne Hoffnungen
mursilli 31.10.2009
Zitat von sysopZwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer darf Bilanz gezogen werden. Nach großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anstrengungen bleiben für viele Deutsche die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. Welche Hoffnungnen weckte der Mauerfall, welche konnten Ihrer Meinung nach erfüllt werden?
- der Fall der Mauer selbst war das Ereignis. Plötzlich war das Zuchthaus offen und seine Leitung entmachtet.
5.
ArbeitsloserMathematiker 31.10.2009
Zitat von derweiseAußenpolitisch kann sich das Werk Kohls sehen lassen, innenpolitisch ("geistig-moralische Wende") war es nichts.
Tja, die "geistig-moralische Wende" kann man eher mit der Inversion am Einheitskreis vergleichen...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Mauerfall
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -20-
Jetzt auf Facebook

Wie haben Sie den Mauerfall erlebt - und wie denken Sie heute an die Wende 1989/90 zurück? Diskutieren Sie jetzt live mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Lesern:


mehr über SPIEGEL ONLINE auf Facebook...


Video-Special