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Liveticker zu Anti-Atomkraft-Protesten: Stundenlang Stillstand, dann beginnt die Räumung

Es ist ein Teilerfolg für die Castor-Aktivisten: Stundenlang stand der Zug mit dem Atommüll am Sonntag still. Tausende blockierten die Gleise, Polizeigewerkschafter beklagten Erschöpfungserscheinungen bei den Beamten an der Strecke - dann begann plötzlich der Räumeinsatz.

Getty Images

+++ Polizei beginnt nächliche Räumaktion +++

[01:40 Uhr] "Die Sitzblockade von Castor-Gegnern im Wendland wird geräumt", berichtet die Nachrichtenagentur dapd in einer ersten Eilmeldung. Augenzeugen bestätigen auch anderen Agenturen, dass die Polizei ihren Einsatz nach Mitternacht angeordnet und begonnen hat - die Leitung hatte ein solches Vorgehen von Anfang an nicht ausgeschlossen. Aktivisten werden weggetragen oder -geschleift, und auch wer freiwillig geht, wird Berichten zufolge in einem Lager in der Nähe untergebracht. Alle Gegner des Castor-Transportes sollen dort festgehalten werden, bis der Zug durchgefahren ist. Ihre Personalien sollen aber nicht aufgenommen werden, das ist laut der Agentur AFP eine Abmachung. (mehr zu dem Räumeinsatz der Polizei...)

+++ Castor-Transport wartet hinter Stacheldraht auf Weiterfahrt +++

[23:57 Uhr] Mit Stacheldraht hat die Polizei den gestoppten Castor-Transport am Sonntagabend bei Dahlenburg im Landkreis Lüneburg für die Nacht gesichert. Der Atommüllzug wurde mit ausgerolltem Stacheldraht abgesperrt, wie Journalisten gezeigt wurde. Etwa hundert Polizisten bewachten den Zug, der etwa 500 Meter östlich des Bahnhofs Dahlenburg unweit eines Wohngebietes abgestellt wurde. Der Transport musste wegen einer Gleisblockade in Harlingen bei Hitzacker eine Zwangspause einlegen. Man führe Gespräche mit den Blockierern und wolle weiterfahren, sobald die Strecke frei sei, sagte ein Polizeisprecher.

+++ Gespräche sollen über Weiterfahrt des Atommülls entscheiden+++

[23:32 Uhr] Rund 30 Kilometer vor dem Zwischenlager Gorleben wurde der Castor-Transport mit den elf Atomabfallbehältern am Sonntagabend gestoppt - in Dahlenburg. Eine Weiterfahrt hänge von den am Abend angelaufenen Gesprächen mit den Demonstranten ab, sagte eine Sprecherin der Einsatzleitung in Lüneburg. "Wir sind an keine Zeitvorgaben gebunden", sagte sie. Nachdem es im Tagesverlauf zu Konflikten zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen war, sollte unter Vermittlung von Kirchenvertretern in der Nacht zum Sonntag eine Einigung gefunden und eine Eskalation der Gewalt bei der Gleisblockade nahe Harlingen verhindert werden.

+++ Vermittlungsgespräche zwischen Polizei und Aktivisten beginnen+++

[23:05 Uhr] Der Castor-Transport steht still, Tausende Demonstranten blockieren die Gleise: Unter Vermittlung von Kirchenvertretern haben Gespräche zwischen der Polizei und den Castor-Blockierern im Wendland begonnen. Der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke, sagte, man habe einen solchen Runden Tisch vorgeschlagen, um einen "exzessiven Einsatz von Polizeigewalt zu vermeiden". (dapd)

+++ Polizeigewerkschaft berichtet von erschöpften Polizisten +++

[22:47 Uhr] Der Zug mit dem Atommüll steckt im Wendland fest und die Polizeigewerkschaft rechnet nicht mit einer baldigen Weiterfahrt. "Der Transport wird mindestens bis in die frühen Morgenstunden in Dahlenburg stehen bleiben", sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut. Viele Polizisten seien bereits mehr als 24 Stunden im Einsatz und völlig erschöpft. Während auch die Demonstranten davon ausgingen, dass der Zug bis Montagmorgen gestoppt sei, wollte die Polizei eine Weiterfahrt noch in der Nacht nicht ausschließen. (Reuters/dapd)

+++ Die Polizei spielt auf Zeit +++

[22:30 Uhr] Der Castor-Transport ist in Dahlenburg rund 30 Kilometer vor seinem Ziel zum Stehen gekommen. Die Ankündigung von Polizei-Gewerkschafter Rainer Wendt, dass der Castor-Transport bis Montagmorgen lahmgelegt sei, sorgt für Aufsehen. Die Polizeidirektion Lüneburg wollte Wendts Ankündigung auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE ausdrücklich nicht kommentieren. Die Polizei gehe aber nicht davon aus, dass der Castor "für längere Zeit" in Dahlenburg abgestellt werde, sagte ein Sprecher. Nähere Zeitangaben wollte er nicht machen. Zu Wendts Aussage, wonach viele Polizisten komplett erschöpft seien, erklärte der Sprecher, dass das "Kräftemanagement der Polizei" funktioniere.

+++ Polizeigewerkschaft meldet Transport-Pause bis Montagmorgen +++

[22:05 Uhr] Der Castor-Transport soll nach Angaben der Polizeigewerkschaften bis mindestens Montagmorgen stillstehen. Grund sei, dass die Gleise blockiert und die Polizisten am Ende ihrer Kräfte seien, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizei-Gewerkschaft, Rainer Wendt, der Nachrichtenagentur dpa. Der Zug sei in Dahlenburg mit Stacheldraht eingezäunt worden. Am Montag um 9 Uhr gebe es eine Einsatzbesprechung über das weitere Vorgehen. Auch die Gewerkschaft der Polizei bestätigte den Transport-Stopp. Eine offizielle Bestätigung der Einsatzleitung gab es aber zunächst nicht.

+++ Jubel bei den Blockierern +++

[21:50 Uhr] Erfolg für die Aktivisten auf den Gleisen nahe Harlingen: Ihre Blockade zeigt Wirkung, der Castor steht auf halber Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg. Über Lautsprecher verkünden Anti-Atomkraft-Aktivisten, dass es einen runden Tisch mit der Polizei geben soll. Dabei soll besprochen werden, wie es mit der Blockade in Harlingen weitergehen soll. Die Blockierer jubeln.

+++ Die Blockade wirkt - der Castor steht+++

[21:46 Uhr] Die Blockade in Harlingen zeigt offenbar Wirkung: Der Castor-Transport kommt auf seinem letzten Abschnitt im Wendland nicht voran. Nach Angaben der Polizei musste der Atommüllzug gegen 20 Uhr etwa auf der Hälfte zwischen Lüneburg und Dannenberg eine ungeplante Pause einlegen. Grund sei die Blockade von etwa 2000 Menschen auf der weiteren Bahnstrecke bis Dannenberg. Der Zug sei in Dahlenburg "mit technischen Hilfsmitteln" gesichert worden. Die Webseite "CastorTicker" berichtete, der Zug sei mit Stacheldraht eingezäunt worden. Man stelle sich zwar nicht auf einen längeren Aufenthalt ein, sagte der Polizeisprecher. Doch stehe man bei der Weiterfahrt "nicht unter Zeitdruck". Jetzt solle erst einmal mit den Demonstranten gesprochen werden. (dapd)

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Castor-Blockaden: Tränengas und Seifenblasen
+++ Röttgen verurteilt gewalttätige Proteste +++

[21:19 Uhr] Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat für die Proteste im Wendland gegen den Castor-Transport nur begrenzt Verständnis. "Wir haben das Recht jedes Bürgers zu demonstrieren für die Zwecke, die er für richtig hält, aber für Gewalttätigkeiten als Mittel der politischen Auseinandersetzung habe ich in der Tat kein Verständnis", sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Seit über 40 Jahren werde in Deutschland Kernenergie genutzt und daraus Strom erzeugt. "Und daraus fallen Abfälle an aus der Vergangenheit und darum haben wir eine Verpflichtung aus vorangegangenem Tun", sagte Röttgen.

+++ Kälte macht den Demonstranten zu schaffen +++

[21:15 Uhr] Das stundenlange Sitzen auf den Gleisen hat bei den Demonstranten nahe Harlingen Spuren hinterlassen. Bei Temperaturen um drei Grad Celsius müssen Sanitäter vereinzelt unterkühlte Aktivisten wegtragen. Die Blockierer nutzen deshalb die Anwesenheit einer Samba-Truppe. Hunderte Menschen tanzen auf dem Gleisbett und versuchen sich so warm zu halten. Die Polizei ist derweil mit weiteren Einheiten und Wasserwerfern angerückt.

+++ Atomgegner berichten von mehr als hundert Verletzten +++

[21:08 Uhr] Die Aktivisten der Initiative "Castor schottern" haben nach ihren Aktionen am Sonntag von mehr als hundert Verletzten berichtet. Sprecher Mischa Aschmoneit erklärte, die Demonstranten seien durch Stockschläge, Pfefferspray und Pferdetritte verletzt worden. Ziel der Aktivisten war es, Schottersteine aus dem Gleisbett der Castor-Strecke zu räumen und diese so für den Atommülltransport unpassierbar zu machen. "3000 bis 4000 Menschen waren an den Schienen, viele haben trotz eines massiven Polizeiaufgebots wenigstens für kurze Zeit geschottert", sagte Sprecherin Hanna Spiegel. Das Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten bezeichnete sie als "maßlos". An den Gleisen bei Leitstade war es zu stundenlangen Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und der Polizei gekommen. Dabei setzten die Beamten Schlagstöcke, Tränengas und Wasserwerfer ein. Castor-Gegner bewarfen Polizisten mit Stöcken und schossen Leuchtkugeln auf sie ab.

+++ Das Essen kommt ans Gleis +++

[20:25 Uhr] Über mangelnden Service können sich die Atomkraft-Gegner in Harlingen nicht beklagen: Die "Castor Catering Crew" bringt den Blockierern Essen ans Gleis. Getränke gibt es von der "Castor-Gruppe Gusborn". Deren Mitglieder schenken heißen Apfelsaft an die Demonstranten aus.

+++ Hungrige Polizisten in Harlingen +++

[20:07 Uhr] Gespannte Ruhe bei den Gleisblockierern in Harlingen: Mehr als tausend Menschen erwarten die Räumung durch die Polizei. Das könnte allerdings dauern: Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Polizisten seien hungrig und müssten zunächst Essen fassen.

+++ Die Polizei verteidigt ihr hartes Vorgehen +++

[20:03 Uhr] Die Polizeiführung hat das gewaltsame Einschreiten gegen Gegner des Castor-Transports im Wendland als notwendig verteidigt. "Dieser Castor- Einsatz hat ein anderes Level als beim vorherigen Transport 2008", sagte der Lüneburger Polizeipräsident Friedrich Niehörster. Die Polizei könne nicht zusehen, wie Atomkraftgegner Schienen verbögen und Steine aus den Gleisen räumten. Straftaten könnten nicht geduldet werden. Die Einsatzkräfte setzten Schlagstöcke, Pfefferspray und Wasserwerfer ein, um Atomkraftgegner von den Schienen fernzuhalten. Polizisten seien von Demonstranten attackiert und unter anderem mit Steinen beworfen worden, sagte Niehörster. "Aber wir sind überhaupt nicht aufgeregt. Das ist das übliche Spiel, aber mit mehr Menschen und mehr Aggressivität." Der Polizeipräsident rechnet damit, dass es auf der letzten Etappe auf der Straße bis zum Zwischenlager Gorleben friedlicher zugeht. (dpa)

+++ Der Castor-Transport steht +++

[19:50 Uhr] Jubel bei den Anti-Castor-Aktivisten: Der Zug mit dem Atommüll musste etwa 30 Kilometer vor Dannenberg stehen bleiben, weil im Ort Dumstorf rund 70 Menschen auf den Gleisen saßen. Wegen einer "kleineren Blockade" sei der Zug gestoppt worden, sagte ein Polizeisprecher des Einsatzzentrums in Lüneburg. Eine weitaus größere Blockade erwartet den Zug in Harlingen. Etwa zehn Kilometer vor Dannenberg sitzen nach Angaben der Polizei mehr als tausend Menschen auf den Gleisen. Es gebe einzelne Versuche, das Gleisbett durch die Entnahme von Schotter auszuhöhlen, teilte die Polizei mit. Polizisten setzten gegen einzelne Demonstranten gezielt Reizgas ein. (AFP)

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Forum - Castor-Transport - wie viel Protest darf's denn sein?
insgesamt 4827 Beiträge
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1. Fruchtloses Unterfangen mit Kultstatus?
Gluteusmaximus 02.11.2010
Zitat von sysopSitzblockaden, Gleisbett abtragen, an Gleise ketten: Der Castor rückt an, die Gegner drohen mit hartem Widerstand. Doch wo liegen die Grenzen des Protests?
Die Grenzen sind doch schon lange erreicht. Wer nun glaubt, die Transporte würden, selbst bei einer "Ausweitung" dieser Aktionen, zu einem Einlagerungsstop führen, dem kann es nicht ernsthaft um die Sache gehen. Alle derartigen "Proteste" werden im Sande verlaufen. Für die "Demonstranten", die angesprochen wurden, geht es vielmehr um den Spaßfaktor, quasi ein Mega-Event, welches in der linksautonomen Szene Kultstatus erreicht hat. Hier scheint der oympische Gedanke ("dagegen sein ist alles") im Vordergrund zu stehen.
2.
Robert Rostock, 02.11.2010
Zitat von sysopSitzblockaden, Gleisbett abtragen, an Gleise ketten: Der Castor rückt an, die Gegner drohen mit hartem Widerstand. Doch wo liegen die Grenzen des Protests?
Wenn Bahnstrecken sabotiert werden, ist die Grenze weit überschritten. Gestern wurde in Berlin ein Brandanschlag auf Signalanlagen des S-Bahn-Innenringes verübt, zu dem sich Atomkraftgegner bekannten. (http://www.tagesspiegel.de/berlin/s-bahn-soll-am-mittwoch-auf-dem-ring-wieder-planmaessig-fahren/1972970.html;jsessionid=2E441265B993B10A09490DE969C6A324) Auf dieser Strecke wird mit 99,99%iger Sicherheit niemals ein Castor rollen. Leiden tun unter den Folgen nicht die pösen Atomiker, sondern Hunderttausende Berliner. Und in der Szene und im Internet wird zum "Schottern" aufgerufen, sprich zur Sabotage von Bahnstrecken durch Abgraben des Gleisschotters. Dass damit das Entgleisen von Reisezügen und somit auch der Tod völlig Unbeteiligter in Kauf genommen wird, scheint den Aktivisten egal zu sein. Eine Distanzierung von solchen Aktionen habe ich noch nicht gehört.
3. Ich gebe keinen Titel mehr an
GyrosPita 02.11.2010
Zitat von Robert RostockWenn Bahnstrecken sabotiert werden, ist die Grenze weit überschritten. Gestern wurde in Berlin ein Brandanschlag auf Signalanlagen des S-Bahn-Innenringes verübt, zu dem sich Atomkraftgegner bekannten. (http://www.tagesspiegel.de/berlin/s-bahn-soll-am-mittwoch-auf-dem-ring-wieder-planmaessig-fahren/1972970.html;jsessionid=2E441265B993B10A09490DE969C6A324) Auf dieser Strecke wird mit 99,99%iger Sicherheit niemals ein Castor rollen. Leiden tun unter den Folgen nicht die pösen Atomiker, sondern Hunderttausende Berliner. Und in der Szene und im Internet wird zum "Schottern" aufgerufen, sprich zur Sabotage von Bahnstrecken durch Abgraben des Gleisschotters. Dass damit das Entgleisen von Reisezügen und somit auch der Tod völlig Unbeteiligter in Kauf genommen wird, scheint den Aktivisten egal zu sein. Eine Distanzierung von solchen Aktionen habe ich noch nicht gehört.
In anderen Ländern werden vor solchen Anlässen Schnellgerichte eingeführt, um solche Verbrecher zeitnah aburteilen zu können. Das würde hier auch den einen oder anderen abschrecken, wenn einer von diesen selbstgerechten Weltverbesserern noch am gleichen Tag wegen gefährlichen Eingriffs in den Schienen/Straßenverkehr ein oder zwei Jährchen ohne Bewährung bekommen würde...
4. pseudo-religiöser Wahn
Eutighofer 02.11.2010
Es werden sich genug finden, die die angekündigten Sachbeschädigungen und Sabotageaktionen in Gorleben entschuldigen und verharmlosen. Mir graut vor Menschen, die im vermeintlichen Dienst einer höheren Sache das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Der ökologische Fundamentalismus einiger fanatischer Castorgegner ist dem religiösen Wahn anderer Fundamentalisten nicht mehr fern.
5. Reaktion
rehabilitant 02.11.2010
Zitat von EutighoferEs werden sich genug finden, die die angekündigten Sachbeschädigungen und Sabotageaktionen in Gorleben entschuldigen und verharmlosen. Mir graut vor Menschen, die im vermeintlichen Dienst einer höheren Sache das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Der ökologische Fundamentalismus einiger fanatischer Castorgegner ist dem religiösen Wahn anderer Fundamentalisten nicht mehr fern.
Schwachsinnige politische Entscheidungen ziehen gelegentlich schwachsinnige Aktionen der Betroffenen nach sich.
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Castor-Lexikon
Castor-Behälter
dpa/dpaweb
Die Castor-Behälter wurden speziell für den Transport und die Zwischenlagerung von hoch radioaktiven Abfällen entwickelt. Die Castoren sind etwa sechs Meter lang und haben einen Durchmesser von mehr als zwei Metern. Beladen wiegt ein Behälter etwa 117 Tonnen. Die Castoren sind mit einer Neutronenabschirmung und speziellen Dichtungen ausgestattet. Die gusseisernen Behälter werden mit zwei Deckeln verschlossen. Die Gesamtwärmeleistung des Atommülls pro Behälter beträgt 56 Kilowatt - ein Heizstrahler hat rund zwei Kilowatt.
Castor-Transport
AP
Wenn der zwölfte Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll im niedersächsischen Zwischenlager Gorleben ankommt, wird der 600 Meter lange Schwerlastzug aus dem französischen La Hague rund 1000 Kilometer zurückgelegt haben. Elf Castor-Behälter werden transportiert. Darin sind 28 Glaskokillen mit hoch radioaktiven Abfällen aus deutschen Atomkraftwerken enthalten. Der letzte Transport von elf weiteren Castoren mit Wiederaufarbeitungsabfällen von Frankreich nach Gorleben ist 2011 geplant.
Endlager
DPA
Der Strahlenmüll der Republik könnte im Wendland unter die Erde gebracht werden: 1977 gab der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) die Erkundung des Salzstocks Gorleben als Endlager bekannt - seitdem wird erkundet, ob sich dort Atommüll für Zehntausende Jahre sicher lagern lässt (siehe Chronik). Das Erkundungsbergwerk liegt wenige hundert Meter vom Zwischenlager entfernt - in den Stollen lagert bisher kein Atommüll.
Schottern
dapd
Die Gruppe "Castor schottern" will das Gleisbett der Transportstrecke abtragen. Das ist illegal - trotzdem haben bereits 1500 Menschen einen Aufruf im Internet unterzeichnet und setzen sich damit einem Strafverfahren aus. Etliche Politiker der Linken und Gewerkschafter haben sich dem Aufruf angeschlossen.
Verladebahnhof
dpa
Der Castor-Transport aus dem französischen La Hague kommt nur bis Dannenberg auf Bahngleisen - danach müssen die Behälter auf Schwertransporter umgeladen werden, und die letzten 20 Kilometer auf der Straße zurückzulegen. Das Umladen soll etwa 15 Stunden dauern. Dabei wird ein weiteres Mal die Strahlung gemessen.
Zwischenlager
dpa
Südwestlich der Ortschaft Gorleben liegt ein 15 Hektar großes, von einem Erdwall und einem Betonzaun umschlossenes Areal: Das Atommüll-Zwischenlager. Hier wird strahlender Abfall über Jahrzehnte hinweg provisorisch abgestellt, weil er "abkühlen" muss. Das Zwischenlager beherbergt ein Abfalllager mit schwach und mittel radioaktivem Atommüll, eine Anlage zur Behandlung des Mülls und das Transportbehälterlager. Dort soll der Castor-Transport enden. An den Seiten der Halle strömt kühlende Luft ein, die von den heißen Atomüllbehältern erwärmt wird und über Öffnungen im Dach wieder austritt. Die Halle darf maximal 420 Behälter für längstens 40 Jahre aufnehmen. Rund 100 Behälter mit Atommüll stehen dort derzeit.

Fotostrecke
Atomstreit im Wendland: Rivalen auf engstem Raum

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