Lockangebot für West-Beamte Brandenburg plant neue Buschzulage

In Brandenburg verdienen Beamte vergleichsweise schlecht. Jetzt will Finanzminister Markov nach Informationen des SPIEGEL Mitarbeiter aus anderen Bundesländern mit einem Zuschlag locken. Doch die Buschzulage sorgt schon vorab für Ärger.

Helmuth Markov (l.), Matthias Platzeck: Finanzminister plant Wessi-Prämie
dapd

Helmuth Markov (l.), Matthias Platzeck: Finanzminister plant Wessi-Prämie


Hamburg - Beamte verdienen je nach Bundesland unterschiedlich viel, diese Differenzen können beachtlich sein. Die rot-rote Regierung in Postsdam will jetzt nach SPIEGEL-Informationen wieder Beamte aus anderen Bundesländern mit einer Prämie nach Brandenburg locken. Ein entsprechender Gesetzentwurf von Finanzminister Helmuth Markov ( Die Linke) befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung und sieht eine "Ausgleichszulage bei Dienstherrenwechsel" vor.

In Brandenburg verdienen Beamte und Richter vergleichsweise wenig. Beispielsweise bekommt verheirateter Referatsleiter der Besoldungsstufe B2 mit zwei Kindern, der in einem baden-württembergischen Landesministerium arbeitet, 431,87 Euro brutto mehr pro Monat als ein Kollege mit gleichem Posten und Familienstand in Brandenburg.

Falls Staatsdiener aus einem besser bezahlenden Bundesland nach Brandenburg wechseln, sollen sie daher einen Ausgleich erhalten - und zwar die Differenz zu ihren Ursprungs-Bezügen in Form eines Zuschlags. Dieser soll später schrittweise wieder abgebaut werden.

Von dem Bonus würden vor allem aus westdeutschen Bundesländern kommende Beamte profitieren. Sie würden dann für gleiche Arbeit mehr verdienen als ihre Brandenburger Kollegen. In einem Eckpunktepapier des Ministeriums wird der Plan unter anderem mit der "Konkurrenzsituation" zu Bund und Ländern begründet.

Der Aufschlag, intern "Buschzulage" genannt, sorgt schon jetzt für Ärger. "Das wäre ein Rückschritt in alte Zeiten", kritisiert etwa der brandenburgische Landeschef des Deutschen Beamtenbunds, Heinz-Egon Müller.

Ein neues Phänomen stellen solche Bezüge tatsächlich nicht dar. Schon in den Neuziger Jahren köderten ostdeutsche Behörden Staatsdiener aus dem Westen mit Zulagen, auch mit erschummelten. 2004 sollten westdeutsche Beamte bei der Umstellung auf Hartz IV helfen - und erhielten saftige Prämien. 1994 war die "Buschzulage" sogar auf der Liste zum Unwort des Jahres.



insgesamt 12 Beiträge
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empire2002 03.07.2011
1. Schlecht recherchiert
Zitat von sysopIn Brandenburg verdienen Beamte vergleichsweise schlecht. Jetzt will Finanzminister Markov nach Informationen des SPIEGEL Mitarbeiter aus anderen Bundesländern mit einem Zuschlag*locken. Doch die Buschzulage sorgt schon vorab für Ärger. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,772048,00.html
Ein Beamter in BW zahlt aber auch 500 Euro mehr Miete im Monat, als in Brandenburg.
EineStimme, 03.07.2011
2. Fassungslos
Wo bleibt da der Art. 3 GG? Also welcher Westbeamte in Brandenburg hat sich das den wieder ausgedacht? Vielleicht sollte Brandenburg auch ein paar Seiteneinsteiger nehmen oder gab es solche Karrieren nur in der Wendezeit. Mich nervt, dass in den meisten Ostländern fast nur Wetsdeutsche im höheren Dienst sind. Es werden nicht weniger sondern immer mehr. Langsam fühle ich mich wirklich besetzt.
Breen 04.07.2011
3. Versager aller Bundesländer - vereinigt Euch!
Wie in der Wirtschaft - warum soll man's auch mit eigenen Leuten versuchen? Dann schon lieber Fachkräfte von anderswo. Daß man dann aber auch nur zweite und dritte Wahl bekommt, leuchtet ein, ist jedoch alles andere als ein Hindernis.
immigrantin 04.07.2011
4.
Länderfinanzausgleich wird es freuen :-) "Mutige" Politiker: Kein Geld im Säckel, aber Kohle ausgeben. Und dann noch so ein toller Vergleich mit Ba-Wü. Deutschland wird immer verrückter.
hauptkommissartauber 04.07.2011
5. Was will man überhaupt mit Beamten?
Warum nicht einfach die landeseigenen Verordnungen und Gesetze so weit anpassen, dass weniger Arbeit für Behörden besteht? Das wäre doch der goldene Weg. Stattdessen löst man selbstgeschaffene Probleme.
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