Lohndiskriminierung: In den Ministerien verdienen Männer mehr als Frauen

Von

Mitten im Wahlkampf entbrennt eine Debatte über das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen. Während Union und SPD sich zanken, bringt eine FDP-Anfrage ans Licht, wie es in vielen Bundesministerien aussieht: Bei Leistungszulagen kommen Männer besser weg als ihre weiblichen Kollegen.

Jobangebote für Männer: Im Durchschnitt über 20 Prozent mehr Lohn als die Frauen Zur Großansicht
ddp

Jobangebote für Männer: Im Durchschnitt über 20 Prozent mehr Lohn als die Frauen

Berlin - Die Vorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer, regt sich auf. "Die Ankündigung des Bundesarbeitsministers, sich endlich um die Lohndiskriminierung von Frauen kümmern zu wollen, sollte als das behandelt werden, was es ist: ein reines Wahlkampfmanöver", so die CDU-Politikerin, zugleich Migrationsbeauftragte der Bundesregierung am Mittwoch. Zwei Wochen vor der Bundestagswahl werde vermeintlich ein neuer Diskussionsvorschlag zur Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern vorgelegt.

Erst am Dienstag hatte das Statistische Bundesamt Zahlen zu den Gehaltsunterschieden vorgelegt. Zwischen Männern und Frauen gibt es demnach nach wie vor massive Lohndifferenzen. So betrug der Verdienstabstand in der Privatwirtschaft im 4. Quartal 2008 rund 23 Prozent. Im öffentlichen Bereich verdienten Frauen demnach rund sieben Prozent weniger als Männer, so das Statistische Bundesamt.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) will nun die Lohnungleichheit verringern: Firmen sollen zu Auskünften über die Einkommen der Mitarbeiter verpflichtet werden können. Demnach sollen Betriebsrat und Antidiskriminierungsstelle des Bundes das Recht bekommen, bei Arbeitgebern eine Aufstellung der Löhne und Gehälter der Firmenmitarbeiter einzufordern, um gleiche Einkommen durchzusetzen.

Die CDU-Politikerin Böhmer griff Scholz an. Während die SPD noch überlege, habe Bundesministerin Ursula von der Leyen bereits gehandelt. "Mit der Entwicklung des Computerprogramms Logib-D erhalten die Unternehmen ein Instrument an die Hand, mit dem die Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern überprüft wird", so Böhmer.

Was Böhmer offensichtlich entgangen ist: auch in der Bundesregierung selbst sieht es mit der Lohngleichbehandlung nicht wesentlich besser aus. Zumindest, was die sogenannten Leistungsentgelte - eine Art Sonderprämien - angeht, die seit 2007 für die Beschäftigten des Bundes per Tarifvertrag eingeführt wurden.

Selbst bei Ministerin von der Leyen verdienen Männer besser

Eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Volker Wissing zeigte jetzt: In den meisten Ministerien erhalten die Männer höhere Leistungsentgelte als die Frauen. In einer Antwort des Bundesinnenministeriums, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, wurden Teilüberblicke aus den Haushaltsjahren 2008 und 2009 veröffentlicht. Von sieben Ministerien, die bei einer Rundbefragung Daten zur Verfügung stellen konnten, waren im vergangenen Jahr nur bei zweien die Leistungsentgelte für die Frauen höher: Im Bundesumweltministerium (BUM) und im Bundesjustizministerium (BMJ). In allen anderen lagen sie zum Teil deutlich unter denen der Männer. Beim BMJ erhielten Frauen 2008 ein durchschnittliches Leistungsentgeld von 444 Euro gegenüber 435 ihrer männlichen Kollegen; beim BMU die Frauen 516 Euro, dagegen 478 Euro die Männer.

Für das derzeitige Haushaltsjahr wurden sechs Ministerien gemeldet, von denen nur eines für Frauen höhere durchschnittliche Leistungsentgelte zahlte: Wie 2008 war es wiederum das BMU - mit 327 Euro für Frauen gegenüber 300 Euro für Männer. Dagegen kamen die Männer beim Bundesministerium für Verkehr auf ein Leistungsentgelt von 836 Euro - Frauen erhielten nur 645 Euro.

Auch beim Bundesministerium von Ursula von der Leyen (CDU) sieht es nicht besser aus: 2008 erhielten Männer im Durchschnitt ein Leistungsentgeld von 537 Euro gegenüber 412 Euro für Frauen. 2009 hat sich im Ministerium ebenfalls wenig geändert: 366 Euro für Männer, 287 Euro für Frauen.

Warum aber schneiden die Frauen in den Ministerien schlechter ab? Die Höhe des Leistungsentgelds, so das Bundesinnenministerium in seiner Antwort, hänge nicht nur vom Ergebnis der individuellen Bewertung beziehungsweise der Zielvereinbarung ab. Der Grund für die Differenz ist offenbar ein anderer: Teilzeitbeschäftigte erhalten geringere Leistungsentgelte. Und die sind überwiegend weiblich. So heißt es denn auch vom Bundesinnenministerium im Schreiben an den FDP-Parlamentarier Wissing: "Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Anteil von Teilzeitbeschäftigten unter Frauen typischerweise höher ist unter Männern."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Mit Gleichberechtigung im Wahlkampf punkten?
insgesamt 124 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Morotti 03.07.2009
Zitat von sysopSPD Kanzlerkandidat Steinmeier verspricht, im Falle eines Wahlerfolges bei den Bundestagswahlen im September die Hälfte seines Kabinetts mit Frauen zu besetzen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
Das letzte Aufgebot, oder anders ausgedrückt, der letzte Schuss im Revolver.
2.
wrdlbrnfd 03.07.2009
Zitat von sysopSPD Kanzlerkandidat Steinmeier verspricht, im Falle eines Wahlerfolges bei den Bundestagswahlen im September die Hälfte seines Kabinetts mit Frauen zu besetzen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
Das wäre wirklich ein Gewinn. Mißerfolg gerecht verteilt.
3.
Wolfghar 03.07.2009
Zitat von sysopSPD Kanzlerkandidat Steinmeier verspricht, im Falle eines Wahlerfolges bei den Bundestagswahlen im September die Hälfte seines Kabinetts mit Frauen zu besetzen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
Ja die tollen Frauen von der SPD braucht dieses Land. Ulla Schmidt und Wiecorek Zoil und so. Damit wird die SPD endgültig unwählbar
4.
Frosty127 03.07.2009
Zitat von sysopSPD Kanzlerkandidat Steinmeier verspricht, im Falle eines Wahlerfolges bei den Bundestagswahlen im September die Hälfte seines Kabinetts mit Frauen zu besetzen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
Keine Probleme damit ... aber nur, wenn die Personen auch für das Amt geeignet sind und nicht einfach jede/r x-beliebige den Posten erhält, hauptsache die Quote stimmt.
5.
forumgehts? 03.07.2009
Zitat von sysopSPD Kanzlerkandidat Steinmeier verspricht, im Falle eines Wahlerfolges bei den Bundestagswahlen im September die Hälfte seines Kabinetts mit Frauen zu besetzen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
Typischer Politikerschwachsinn. Ich bin aber einverstanden,wenn er dann die andere Hälfte des Kabinetts mit MÄNNERN besetzt und nicht mit Steinmeiern.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -20-