Machtkampf bei den Linken: Bisky unterstützt Lafontaine-Rivalen Bartsch

Dietmar Bartsch erhält prominente Hilfe für seine Kandidatur als Linken-Chef: Der frühere Vorsitzende Lothar Bisky hat sich für Bartsch als künftigen Parteichef ausgesprochen. Damit positioniert sich der 70-Jährige auch gegen Oskar Lafontaine, dem Interesse an dem Posten nachgesagt wird.

Ex-Linken-Chef Bisky (Archivbild): Unterstützung für Dietmar Bartsch Zur Großansicht
dpa

Ex-Linken-Chef Bisky (Archivbild): Unterstützung für Dietmar Bartsch

Berlin/Hamburg - Er mischt sich nicht mehr allzu oft ein, aber wenn Lothar Bisky das Wort ergreift, dann findet das in der Linken starke Beachtung. So wie im vergangenen Jahr, als er harsche Kritik an seiner Partei geäußert und vielen Genossen Engstirnigkeit vorgeworfen hatte: Es gebe in der Partei zu viele "Ideologie-Ajatollahs" hatte der frühere Chef der Linken damals gesagt.

Und auch jetzt hat sich der 70-Jährige wieder eingeschaltet und dürfte damit für Aufmerksamkeit sorgen: Es geht um die Debatte über die ungelöste Führungsfrage der Partei. Bisky hat sich für Dietmar Bartsch als Nachfolger von Linken-Chef Klaus Ernst ausgesprochen. Er unterstütze Bartsch "ausdrücklich und werbe offen" für dessen Kandidatur, sagte Bisky auf dem Bundestreffen des Forum Demokratischer Sozialismus (fds), einem Netzwerk von Reformkräften innerhalb der Linken. Bei dem Treffen wurde Bisky zudem Mitglied des fds.

Biskys Unterstützung für Bartsch ist pikant - denn mit diesem Vorstoß wendet sich Bisky auch gegen seinen früheren Co-Chef Oskar Lafontaine (68), über dessen mögliche Rückkehrpläne auf den Spitzenposten spekuliert wird. Im Umfeld Lafontaines hieß es zuletzt, dass der Saarländer eine Kandidatur von Bartsch nicht unterstützen würde. Das Verhältnis der beiden gilt als schwierig, Bartsch hatte sich 2010 von seinem Posten als Bundesgeschäftsführer zurückgezogen, nachdem ihm Illoyalität gegenüber dem damaligen Parteichef Lafontaine vorgeworfen worden war.

Bisky setzte sich mit seinem jüngsten Vorstoß auch über die von der Parteiführung vorgegebene Linie hinweg, bis zur nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 13. Mai nicht weiter über Personalien zu diskutieren. Bisky hatte von 2007 bis 2010 die Partei zusammen mit Lafontaine geführt.

Bislang hat lediglich Bartsch seine Kandidatur für den Spitzenposten angekündigt. Auf dem Parteitag am 2. und 3. Juni soll in Göttingen ein neuer Vorstand gewählt werden. Dabei geht es vor allem um die Frage, wer die künftige Doppelspitze bilden wird. Geplant ist, dass ein Mann und eine Frau an der Spitze stehen, die den Osten und Westen repräsentieren. Zuletzt hatte der Bayer Klaus Ernst zusammen mit der Berlinerin Gesine Lötzsch die Partei geführt. Seit dem überraschenden Rücktritt von Lötzsch im April aus privaten Gründen führt Ernst die Partei allein. Bislang hat Ernst sich nicht dazu geäußert, ob er in Göttingen erneut kandidieren will.

hen

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1.
juliuslieske 23.04.2012
Ãœber 700 Änderungsanträge zum neuen Programm der FDP. Wenn bei der Linken so viele Änderungsanträge gestellt worden wären, hätte es dicke Geschichten von "Zerreissprobe" und "Flügelkämpfen" gegeben. So auch in diesem Fall von "Machtkampf": Alle anderen Parteien streiten wie die Kesselflicker - aber Links ist das gleich ein Machtkampf und nicht nur eine Personalie. In Wirklichkeit ist es der linken Basis ziemlich Wurscht, wer da Vorsitzender ist: Bei der politischen Arbeit vor Ort spielt sowas keine Rolle, da geht es um praktische Fragen und es ist uninteressant, wer in den Medien den Zampano gibt. Die tägliche politische Arbeit und eine kämpferische Basis bestimmen über den Erfolg einer linken Partei und nicht die Wahlkampfauftritte von Medienprominenz. Das mag bei Mutti anders sein. Schlimm genug.
2. Ganz egal, was jemand FÜR oder GEGEN Oskar Lafontaine oder Sarah Wagenknecht sagt -
IsaDellaBaviera 23.04.2012
Zitat von sysopDietmar Bartsch erhält prominente Hilfe für seine Kandidatur als Linke-Chef: Der frühere Vorsitzende Lothar Bisky hat sich für Bartsch als künftigen Parteichef ausgesprochen. Damit positioniert sich der 70-Jährige auch gegen Oskar Lafontaine, dem Interesse an dem Posten nachgesagt wird. Machtkampf bei den Linken: Bisky unterstützt Lafontaine-Rivalen Bartsch - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,829283,00.html)
die beiden sprechen tatsächlich IMMER (manchmal jede/r für sich, aber seltsamerweise auch oft gemeinsam) eine tiefe Wahrheit aus. Ich habs ja normalerweise nicht so mit den Grüßen der Linken an den Penner von Fidel und auch nicht mit Sigmar Gabriels Eröffnungsgruß 'Genossinnen & Genossen'. Das ist anachronistisch, altmodisch, überholt und das NERVT. Aber wenn Lafontaine und Wagenknecht sprechen oder schreiben, klingt das immer sehr vernünftig, menschlich und gerecht. Und auch sehr zivilisiert. Den beiden höre ich gerne und sehr aufmerksam zu. Und das, OBWOHL ich bisher ein eingefleischter FDP - Wähler war....
3. ...
deus-Lo-vult 24.04.2012
Zitat von sysopDietmar Bartsch erhält prominente Hilfe für seine Kandidatur als Linke-Chef: Der frühere Vorsitzende Lothar Bisky hat sich für Bartsch als künftigen Parteichef ausgesprochen. Damit positioniert sich der 70-Jährige auch gegen Oskar Lafontaine, dem Interesse an dem Posten nachgesagt wird. Machtkampf bei den Linken: Bisky unterstützt Lafontaine-Rivalen Bartsch - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,829283,00.html)
Mehr als verständlich. Wer will schon einen Wolf im Schafspelz an der Parteispitze? Nach außen stellt sich Lafontaine immer als Demokrat dar. Wer aber einmal genauer hinschaut, der bemerkt ganz schnell, dass dieser Herr, einmal in Spitzenpositionen angelangt, eher absolutistisch zu herrschen versucht!
4.
Cassandra105 24.04.2012
Zitat von IsaDellaBavieradie beiden sprechen tatsächlich IMMER (manchmal jede/r für sich, aber seltsamerweise auch oft gemeinsam) eine tiefe Wahrheit aus. Ich habs ja normalerweise nicht so mit den Grüßen der Linken an den Penner von Fidel und auch nicht mit Sigmar Gabriels Eröffnungsgruß 'Genossinnen & Genossen'. Das ist anachronistisch, altmodisch, überholt und das NERVT. Aber wenn Lafontaine und Wagenknecht sprechen oder schreiben, klingt das immer sehr vernünftig, menschlich und gerecht. Und auch sehr zivilisiert. Den beiden höre ich gerne und sehr aufmerksam zu. Und das, OBWOHL ich bisher ein eingefleischter FDP - Wähler war....
Es sind schlichte Fakten, die noch dazu mit Vernunft bewertet werden. Ich versuche teilweise krampfhaft, Leute wie Ernst, Lafontain, Gysi und Co nicht zu mögen und es nicht nur kritisch wie immer, sondern überkritisch zu sehen, also sogar noch Probleme extre hineinzudeuten. Aber was hilfst, wenn jemand schlichtweg die Wahrheit sagt? Die reden ja gerade bei den Presseerklärungn oder im Bundestag selten um den heißen Brei herum. Hört man z.B. Merkel zu, ist das schon mit tiefer Überwindung verbunden, so lange zuzuhören, bis sie endlich etwas sagt, etwasw aussagt. Aber weder Fakten noch Vernunft zähklen etwas innerhalb einer radikalen Ideologie, wie es der Kapitalismus nunmal darstellt, der schon allein deswegen radikal ist, weil er nicht den Mensch als Kern hat, sonder materielle Reichtümer.
5.
Cassandra105 24.04.2012
Zitat von deus-Lo-vultMehr als verständlich. Wer will schon einen Wolf im Schafspelz an der Parteispitze? Nach außen stellt sich Lafontaine immer als Demokrat dar. Wer aber einmal genauer hinschaut, der bemerkt ganz schnell, dass dieser Herr, einmal in Spitzenpositionen angelangt, eher absolutistisch zu herrschen versucht!
Beweis? Auch nur ein Hinweis dafür? Würden Sie das über Schröder sagen, klar, der Mann hat den Charakter eines Zuhälters, aber bei Lafontain? Lafontain sieht nicht so symphatisch aus, aber das hat ja mit dem Charakter nichts zu tun.
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