Love-Parade-Katastrophe: Duisburger wählen Oberbürgermeister Sauerland ab

Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland ist per Bürgerentscheid aus dem Amt gejagt worden. Mehr als anderthalb Jahre hatte er sich nach der Love-Parade-Katastrophe gegen einen Rücktritt gewehrt. Er zeigte sich enttäuscht und will sein Büro bis Mittwoch räumen.

Duisburgs OB Sauerland: Klare Mehrheit für die Abwahl Fotos
REUTERS

Duisburg - Nun ist es also vorbei. Adolf Sauerland muss seinen Posten räumen. Der Duisburger Oberbürgermeister ist am Sonntag bei einem Bürgerentscheid abgewählt worden. Das Ergebnis war eindeutig: Mehr als 129.000 Bürger hätten für die Abwahl des CDU-Politikers gestimmt, teilte die Stadt am Abend mit. 91.478 Bürger, das sind 25 Prozent der Wahlberechtigten, hätten es mindestens sein müssen. Für ihn stimmten lediglich rund 21.500 Bürger. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,6 Prozent.

Eine halbe Stunde nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses trat Sauerland am Sonntagabend im Rathaus sichtlich bewegt vor die Presse und zeigte sich von dem deutlichen Votum überrascht. Er sei sich "ziemlich sicher" gewesen, dass nach den "vielen Erfolgen" während seiner Amtszeit das Ergebnis anders ausfallen würde, sagte er. Er bedauere den Ausgang sehr. Der scheidende OB räumte zugleich ein, dass seine Amtszeit mit der Katastrophe der Love Parade verbunden bleiben werde. "Damit werde ich leben müssen". Er fügte hinzu: "Ich war gern Oberbürgermeister mit Herzblut und Leidenschaft." Als einige Kritiker daraufhin johlten, sagte er: "Ich bitte um etwas mehr Charakter." Der Politiker fuhr fort: "Ich hoffe, dass die politischen Parteien jetzt die Kraft haben, aufeinander zuzugehen." Die letzten Worte bei seinem wohl letzten öffentlichen Auftritt als Oberbürgermeister: "Gott schütze die Stadt Duisburg." Bis Mittwoch werde er sein Büro räumen und seinen Schreibtisch "verwaist" übergeben.

Insgesamt waren am Sonntag 365.000 Duisburger aufgerufen, zum ersten Mal in der Geschichte Nordrhein-Westfalens einen Oberbürgermeister abzuwählen. Jetzt muss innerhalb von sechs Monaten ein Nachfolger gewählt werden.

NRW-Landespolitiker reagierten erleichtert auf die Abwahl Sauerlands. "Diese eindeutige Entscheidung bringt nun die Chance auf einen echten Neuanfang für Duisburg und die Menschen in dieser Stadt", sagte NRW-SPD-Generalsekretär Michael Groschek am Sonntagabend. "Das Ergebnis ist die Quittung für Sauerlands fehlende Bereitschaft, politische und moralische Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe zu übernehmen", sagten die Landesvorsitzenden der Grünen, Monika Düker und Sven Lehmann.

NRW-CDU-Generalsekretär Oliver Wittke würdigte die "großen Verdienste" Sauerlands für Duisburg. Die Hintergründe des Loveparade-Unglücks müssten nun juristisch aufgeklärt werden.

Sauerland wollte nicht abtreten

Bis zum Schluss hatte der 56-Jährige einen Rücktritt abgelehnt - unter anderem mit dem Hinweis, nicht er habe die Love Parade formal genehmigt, sondern die ihm unterstellten Beamten. Bei der Riesenfeier, die zur gigantischen Katastrophe geriet, waren im Juli 2010 insgesamt 21 Menschen gestorben und 541 verletzt worden. Eine Bürgerinitiative hatte die Abwahl beantragt, weil sie dem Oberbürgermeister Fehler bei der Genehmigung der Großveranstaltung und Versagen im Umgang mit den Angehörigen der 21 Todesopfer vorwirft.

Noch immer mühen sich Polizei und Staatsanwaltschaft, die Verantwortung der Beteiligten zu klären. Ein Ende der Ermittlungen gegen 17 Beschuldigte, darunter sind elf Mitarbeiter der Stadtverwaltung, ist noch nicht abzusehen.

Oberbürgermeister Sauerland, gegen den zwar nicht im Zusammenhang mit der Love-Parade ermittelt wird, ist gleichwohl seit Juli 2010 die umstrittenste Person der Stadt. Er wurde angefeindet, beschimpft, bedroht und mit Ketchup bespritzt. Polizisten mussten ihn beschützen und wenn er öffentlich auftrat, konnte es immer sein, dass sogleich ein gellendes Pfeifkonzert ertönte.

Sauerland fällt nach seiner Abwahl finanziell weich: Er kassiert ein Ruhegehalt in Höhe von 71,75 Prozent seiner Dienstbezüge bis zum Ende der Wahlperiode 2015. Anschließend erhält er monatliche Bezüge entsprechend seiner Pensionsansprüche. Derzeit laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Duisburg wegen Korruptionsverdachts. Es besteht der Anfangsverdacht, dass der CDU-Politiker Bau-Großprojekte nach einer Spende an seine Partei vergeben hat.

ler/dapd/dpa/Reuters

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1. Ein trauriger Tag für Duisburg.
frank_w._abagnale 12.02.2012
Dann hat diese monatelange Hetzkampagne gegen den tadellosen und ehrenwerten Menschen und Politiker Sauerland leider doch noch Früchte getragen. Die sinnlosen Revanche- und Rachegelüste einiger weniger haben eine hoffnungslose Politikerkarriere sinnlos zerstört. Das ist ein trauriger Tag für Duisburg.
2. .
MAC876 12.02.2012
Danke liebe Duisburger!!
3. .
de la Roche 12.02.2012
Zitat von sysopDer Duisburger Oberbürgermeister Sauerland ist laut Berichten aus dem Rathaus per Bürgerentscheid aus dem Amt gejagt worden. Mehr als anderthalb Jahre lang hatte er sich nach der Love-Parade-Katastrophe gegen einen Rücktritt gewehrt - trotz zahlloser Drohungen und Beschimpfungen. Love-Parade-Katastrophe: Duisburger wählen*offenbar Oberbürgermeister Sauerland ab - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814815,00.html)
Das ist schön. Da freue ich mich.
4.
diefemme 12.02.2012
Zitat von sysopDer Duisburger Oberbürgermeister Sauerland ist laut Berichten aus dem Rathaus per Bürgerentscheid aus dem Amt gejagt worden. Mehr als anderthalb Jahre lang hatte er sich nach der Love-Parade-Katastrophe gegen einen Rücktritt gewehrt - trotz zahlloser Drohungen und Beschimpfungen. Love-Parade-Katastrophe: Duisburger wählen*offenbar Oberbürgermeister Sauerland ab - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814815,00.html)
Endlich, endlich ist Duisburg diesen ehrlosen Menschen los! Endlich ist er weg. Auch wenn er erst seines Amtes behoben werden muste. Schämen muss er sich, nicht sofort die moralische und politische Verantwortung für die tragischen Geschehnisse übernommen zu haben. Nun hat er die Quittung bekommen - ich freue mich für alle, die unter seinem unsäglichen Kleben am Amt gelitten haben.
5. danke duisburg,
viceman 12.02.2012
Zitat von sysopDer Duisburger Oberbürgermeister Sauerland ist laut Berichten aus dem Rathaus per Bürgerentscheid aus dem Amt gejagt worden. Mehr als anderthalb Jahre lang hatte er sich nach der Love-Parade-Katastrophe gegen einen Rücktritt gewehrt - trotz zahlloser Drohungen und Beschimpfungen. Love-Parade-Katastrophe: Duisburger wählen*offenbar Oberbürgermeister Sauerland ab - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814815,00.html)
ein wenig hoffnung dafür, daß auch solche leute die konsequenzen ihrer handlungen tragen müssen!
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