Ludwigshafen Mädchen ziehen Brandstifter-Aussage zurück

Der Verdacht auf Brandstiftung bei der Katastrophe mit neun Toten in Ludwigshafen vor drei Wochen beruhte auf den Schilderungen zweier Mädchen - jetzt haben sie ihre Aussagen zurückgezogen.


Ludwigshafen - Einen Mann wollten sie beim Zündeln gesehen haben, bevor am 3. Februar das Feuer in dem von türkischen Familien bewohnten Haus in Ludwigshafen ausbrach - die Hinweise zweier Mädchen waren die Grundlage für den Verdacht auf Brandstiftung bei der Katastrophe mit neun Toten. Jetzt haben sich die Hinweise der acht und neun Jahre alten Mädchen zerschlagen. Sie hätten ihre Aussagen zurückgenommen, berichtete SWR4 Rheinland-Pfalz unter Berufung auf Ermittler.

Der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar Liebig, wollte den Bericht nicht bestätigen. Bei dem Brand waren am 3. Februar neun Frauen und Kinder gestorben sowie 60 Menschen verletzt worden.

Der SWR berichtete, schon vor einer Woche habe sich eines der Mädchen von der ursprünglichen Schilderung distanziert. In dieser Woche habe dann auch die zweite junge Zeugin ihre Aussage zurückgezogen.

Liebig sagte lediglich, ein Psychologe solle die Zeugenaussagen erst noch bewerten. Allerdings gebe es außer den Mädchen keine weiteren Zeugen, die unmittelbar eine Brandstiftung beobachtet haben wollten. Nach den Worten des Chefermittlers stehen die Vernehmungen von insgesamt mehr als 100 Zeugen kurz vor dem Abschluss. Mitte nächster Woche sollen die Brandsachverständigen ihr Gutachten vorlegen. Die Ursache des Feuers ist nach wie vor unklar. Der Brand war im Keller des viergeschossigen Altbaus ausgebrochen.

Das türkische Innenministerium kritisiere den Umgang der deutschen Behörden mit dem Fall, berichtete heute die regierungsnahe türkische Zeitung "Zaman". Es sei unverständlich, dass die deutschen Ermittler trotz der Aussagen von fünf Zeugen nicht an eine Brandstiftung glaubten, sagten Vertreter des Innenministeriums dem Blatt zufolge. Liebig sagte dazu, außer den beiden Mädchen seien ihm keine weitere Zeugen bekannt, die direkt einen Mann beobachtet haben wollen.

Die vier in die Bundesrepublik entsandten Experten der türkischen Polizei kehren laut "Zaman" Anfang nächster Woche in die Türkei zurück. Sie sollen für Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan einen Bericht anfertigen.

hen/dpa/AFP



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