Flüge nach Tel Aviv: Lufthansa annulliert Tickets von Palästina-Aktivisten

Sie waren eingeladen von der Initiative "Willkommen in Palästina", wollten sich ein Bild von der Lage im Westjordanland machen: Jetzt hat die Lufthansa Flugtickets von pro-palästinensischen Aktivisten gecancelt - auf Druck der israelischen Regierung.

Kontrollen am Flughafen Ben Gurion: Israel will die Einreise von Aktivisten verhindern Zur Großansicht
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Kontrollen am Flughafen Ben Gurion: Israel will die Einreise von Aktivisten verhindern

Tel Aviv/Frankfurt am Main - Der Weg in die palästinensischen Gebiete führt meist über den Flughafen in Tel Aviv. Israel versucht immer wieder, pro-palästinensische Aktivisten an der Einreise zu hindern. Jetzt hatte die Regierung offenbar Erfolg: Die Lufthansa hat die Flüge mehrerer Passagiere annulliert. Das teilte die Initiative "Willkommen in Palästina" am Freitag mit, die Lufthansa bestätigte die Angaben.

An diesem Sonntag werden am internationalen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv Hunderte pro-palästinensischer Aktivisten erwartet. Sie folgen der Einladung von "Willkommen in Palästina" und wollen sich ein Bild von der Lage in dem von Israel besetzten Westjordanland machen.

Die Tickets "bestimmter Passagiere" seien storniert worden, sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft in Frankfurt. Um wie viele Tickets es sich handele, ließ sie offen. Die Organisatoren sprachen von Dutzenden Flugtickets. Die Lufthansa-Sprecherin sagte, israelische Behörden hätten der Airline mitgeteilt, dass "bestimmten Passagieren" die Einreise verweigert würde. Fluggesellschaften seien verpflichtet, darauf zu reagieren.

Israel will die Einreise der Aktivisten verhindern und hatte daher eine Schwarze Liste von Personen erstellt, die nicht über den Flughafen Ben Gurion einreisen dürften. Das hatte das Außenministerium bereits Mitte der Woche bekanntgegeben.

Ungeachtet israelischer Warnungen rechnen die Organisatoren mit rund 1.000 Teilnehmern aus Europa und Nordamerika. Die Polizei will am Wochenende die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen erhöhen. Aktivisten, die dort landen, obwohl ihre Namen auf der Liste stehen, sollen in eine Haftanstalt am Flughafen gebracht und von dort aus abgeschoben werden.

Ziel der palästinensischen Initiatoren ist es, auf die Einschränkung der Bewegungsfreiheit im Westjordanland aufmerksam zu machen. Organisator Mazin Kumsijeh sagte, die Demonstranten wollten mit einer "Woche friedlicher Aktivitäten" ihre Solidarität mit den Palästinensern im Westjordanland zeigen.

Die Aktion erinnert an eine Initiative im Juli vergangenen Jahres, als Hunderte pro-palästinensischer Aktivisten am Ben-Gurion-Flughafen landeten. Israel hatte damals Dutzende Aktivisten abgeschoben und war dafür kritisiert worden.

lgr/dpa/dapd

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1. ...
sexobjekt, 13.04.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSie waren eingeladen von der Initiative "Willkommen in Palästina", wollten sich ein Bild von der Lage im Westjordanland machen: Jetzt hat die Lufthansa Flugtickets von pro-palästinensischen Aktivisten gecancelt - auf Druck der israelischen Regierung. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827481,00.html
mein Vorschlag wäre das die "pro-palästinensischen Aktivisten" die nicht nach Israel einreisen dürfen dann eben nach Ägyten ausweichen und sich mal ein Bild von der Lage der dort lebenden Kopten machen. "Solidarität" mit der dort verfolgten und unterdrückten Minderheit ist doch wohl jede Menge vorhanden? Oder?
2. überflieger
liberalliberal 13.04.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSie waren eingeladen von der Initiative "Willkommen in Palästina", wollten sich ein Bild von der Lage im Westjordanland machen: Jetzt hat die Lufthansa Flugtickets von pro-palästinensischen Aktivisten gecancelt - auf Druck der israelischen Regierung. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827481,00.html
hi. derlei haben sie von ihren amerikanischen freunden gelernt, die die gleichen instrumente spielen und alle mitspieler auf ihre regeln einstimmen. warum so viel bericht über israels intervention, wenn das doch seit jahren schon andernorten internationale praxis darstellt?
3. Möchtegern Demonstranten
tsk 13.04.2012
Wieso fliegen die nicht z.B. nach Syrien wo es echte Probleme gibt? Achja da ist zu gefährlich, da wird man als Demonstrant ja erschossen. Dann lieber doch in ein demokratisches Land wo es sich sicher demonstrieren lässt. Hauptsache man kann was für das eigene Ego tun ohne Menschen in wirklicher Not zu helfen und irgendwas zu riskieren....
4. Informationsfreihet
umweltfreak 13.04.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSie waren eingeladen von der Initiative "Willkommen in Palästina", wollten sich ein Bild von der Lage im Westjordanland machen: Jetzt hat die Lufthansa Flugtickets von pro-palästinensischen Aktivisten gecancelt - auf Druck der israelischen Regierung. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827481,00.html
Die meisten Kommentare der Foristen werden immer dümmer. Hier geht es um das Recht auf Informations-, Rede- und Meinungsfreiheit, von der israelischen Regierung unterdrückt. Israel ein demokratisches Land zu nennen, ist nur bedingt u d mit Einschränkungen richtig. Und das sagt nichts über Palästina und die anderen Länder im Nahen Osten aus.
5. Auch in Israel
hdudeck 13.04.2012
Zitat von tskWieso fliegen die nicht z.B. nach Syrien wo es echte Probleme gibt? Achja da ist zu gefährlich, da wird man als Demonstrant ja erschossen. Dann lieber doch in ein demokratisches Land wo es sich sicher demonstrieren lässt. Hauptsache man kann was für das eigene Ego tun ohne Menschen in wirklicher Not zu helfen und irgendwas zu riskieren....
wurde auf unbewaffnete Demonstranten geschossen - schon vergessen. So ist der Ort schon richtig gewaehlt. Ihr letzter Satz zeigt mir, dass Sie der ueblicher Auf-dem-eigenen-Sofa-ist-am-gemuetlichsten-Mensch sind, andere kritisieren, die etwas bewegen wollen, aber selbst nur aktiv werden, wenn es sie selber betrift. Aber dann verlangen, das alle springen.
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Naher Osten: Frieden via Facebook?

Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
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Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
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Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
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Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
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Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
AP
Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
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Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
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Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.

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Israels Regierungschefs: Wechselspiel der Macht